Ep. 23 – Gespräch mit Florian Hesselbarth
Shownotes
Wie können Bodybuilding, Tattookunst und Nail Art zusammenkommen? Florian Hesselbarth bringt seine Erfahrungen und Lehrideen aus der Freien Kunst mit und unterhält sich mit Simon Frisch über die vielfältigen Ausdrucksweisen und spannenden Möglichkeiten, sich künstlerisch auszudrücken und auch zu arbeiten – Kunst als Praxis!
Unser Host: Dr. Simon Frisch ist Vizepräsident für Lehre und Lernen an der Bauhaus-Universität Weimar und er leitet die Dozentur für Film- und Medienwissenschaft. Er interessiert sich besonders für die spezifische Praxis der Theorie und für die ostasiatischen Wegkünste sowie die Spaziergangswissenschaft als Perspektive und Methode in Lehre und Forschung.
Mitwirkende: Host: Simon Frisch Sound-Design und Schnitt: Jonas Rieger, Laura Khachab, Moritz Wehrmann Musik: Sebastian Lederle Artwork: Andreas Wolter Fotografie: Hélène Dal Farra Ton und Technik: Steven Mehlhorn, Moritz Wehrmann Marketing und Social Media: Claudia Weinreich, Marit Haferkamp Juristische Beratung: Laura Kister Transkript: Laura Khachab Produzentin: Nicole Baron Distribution: Ulfried Hermann, Jonas Rieger
Folgenwebsite: www.uni-weimar.de/lehre-podcast
Transkript anzeigen
Gespräch mit Florian Hesselbarth
Frisch: Herzlich Willkommen zu Magie und Handwerk, ein Podcast der Bauhaus-Universität. Mein Name ist Simon Frisch, ich bin Vizepräsident für Lehre und Lernen und Dozent für Film- und Medienwissenschaft. Ich habe natürlich jede Menge andere Rollen, die ich auch in dem Podcast immer wieder aufzähle. Ich will das jetzt nicht jedes Mal tun, aber in diesen vielfältigen Rollen wählen wir immer eine, in der wir dann ins Gespräch gehen, in der wir auftreten, in der wir dann auch da sind. Ich freue mich, Florian Hesselbarth heute als Gast zu haben. Als wer bist du denn heute gekommen?
Hesselbarth: Hallo. Grüße. Ja, ich freue mich sehr, hier zu sein. Gute Frage. Ich bin als Dozent gekommen. Als Dozent an der Bauhaus-Universität in der Freien Kunst.
Frisch: Ausgezeichnet. Als Lehrperson sozusagen. Als Dozent. Und über Lehren wollen wir auch sprechen in diesem und dann passt es ja sehr gut. Wir haben ja im Vorfeld, genau, auch schon ein bisschen uns verständigt. Du lehrst in der Freien Kunst. Wie kann ich mir das vorstellen? Wie viel Lehre hast du unter der Woche? Was machst du für Lehrerfahrungen?
Hesselbarth: Also, ich hab laut Vertrag ist es so, dass ich einen Fachkurs anbiete. Das sind, ich glaube, acht Semesterwochenstunden. Ja, acht Semesterwochenstunden und dann bin ich noch Assistent, Mitarbeiter in einer Professur und bin da eher so im Hintergrund tätig, das Organisatorische, halte der Professorin so ein bisschen den Rücken frei, organisiere zum Beispiel Exkursionen oder auch wenn es Einzelkonsultationen, also der Wunsch von Studierenden gibt, Einzelkonsultation zu haben, dann organisiere ich das auch ein bisschen und mache die Termine fest, nicht mit mir, sondern mit der Professorin und ich baue den Beamer auf.
[Beide lachen]
Frisch: Wie viele Studierenden hast du in deinen acht Semesterwochenschulen?
Hesselbarth: Also es schwankt. Es ist so, dass ich glaube, es hatten sich 18 Leute eingeschrieben. Ich habe, glaube ich, fast allen zugesagt. Wir wären eigentlich bei 15 gewesen, es sind 12 aufgetaucht. Und ja, zum Ende, wir stehen kurz vor dem Ende des Semesters, die Winterwerkschau steht vor der Tür. Es sind dann ein paar Leute dann doch weggebrochen. Muss man leider so sagen. Aber es hat sich ein harter Kern herausgebildet, die es mit mir knallhart durchziehen bis zum Ende.
Frisch: Und das sind dann wie viel?
Hesselbarth: Acht.
Frisch: Acht. Harter Kern von acht ist eigentlich ganz gutes Team. Also, ich kann mir vorstellen, Einzelkonsultation und was du gerade gesagt hast, in der Freien Kunst ist man da doch sehr persönlich an jeder Person dran. Wie gestaltet sich das? Du beobachtest die Leute wirklich Woche für Woche und begleitest, hast alle so auf dem Schirm?
Hesselbarth: Ja, also das ist schon so, dass ich ja, es kommen jedes Semester natürlich neue Leute und man lernt sie dann so nach und nach kennen und man hat aber auch in der Freien Kunst im Fachbereich schon auch so seine Leute auf dem Schirm und ich denke, dass ich bei fast allen irgendwie weiß, wo die ungefähr stehen, mit welchen Themen die sich auseinandersetzen, wie auch die Entwicklung ist. Ich hatte ja mal die Freude auch das erste Semester zu unterrichten und daher weiß ich dann, okay, da haben die angefangen, das waren so die ersten Steps. Und dann kam vielleicht die erste Ausstellung und die nächste Gruppenausstellung und dann gibt es so einige Leute, die jetzt bereits im vierten Jahr sind, ich glaube im vierten Jahr, wo man dann eben schon ganz klar sehen kann, okay, hat sich super entwickelt oder hat vielleicht nochmal den Abzweig genommen oder es zeichnet sich ab, dass die Person ein totales Interesse in dem und dem Bereich hat, Film oder Zeichnung oder so. Es ist glaube ich schon so, dass dadurch, dass die Fachkurse und die Klassen nicht mit 200 Leuten vollgepackt ist, sondern bei mir sind es jetzt vielleicht durchschnittlich 10 und da ist es mir schon möglich, ziemlich genau zu gucken, wo, was will die Person, wo kommt die her und wie kann ich der vielleicht auch individuell helfen, indem ich da vielleicht auch mal so ein paar Kunstbücher mitbringe oder Referenzen nenne, so: schau dir doch das mal an oder fahr doch mal dahin und guck dir die Ausstellung an. Also ich bilde mir ein oder ich bemühe mich, sagen wir so, da schon fast schon Individualunterricht zu machen. Das klappt nicht immer. Es klappt nicht immer, muss ich auch sagen. Aber dass ich das schon auch sehe, wer die Person ist und was ihre Interessen sind und dem mich dann auch anzupassen und dazu sagen, da nochmal so einen individuellen Support zu geben.
Frisch: Ganz kurz bevor wir „auf klappt nicht immer“ und so kommen, was wirklich sehr interessant ist, also wo man dann Gelingen und Scheitern in der Lehre, Magie, Handwerk, wie geht das eigentlich? Kannst du kurz erklären, was ist ein Fachkurs?
Hesselbarth: Ah ja, also es gibt dieses spezielle Angebot, denke ich, das habe ich so jetzt an anderen Universitäten auch nicht so richtig erlebt. In Leipzig gab es das nicht an der HGB, so richtig. Also ein Fachkurs, das ist eigentlich eine coole Sache, weil wir als künstlerischen Mitarbeiter, wir sind jetzt nicht nur da, um in der Professur zu assistieren und da im Prinzip im Hintergrund zu arbeiten, sondern wir dürfen auch selber Lehre machen und dann halt vor der vor den Studierenden stehen und unseren Input mitbringen, unsere Themen setzen und das heißt dann eben Fachkurs, das ist keine Professur, aber wir haben die Chance, die ersten Lehrerfahrungen zu sammeln und dann eben genauso vorbereiten. Okay, da ist dieses Semester steht vor der Tür, was mache ich mit den Studierenden eigentlich? Und dann muss man tatsächlich sowas wie einen Stundenplan schreiben und überlegen, Exkursionen, lädt man vielleicht einen Gast ein oder so. Und das ist dann so ein kleiner, so ein kleines Unterding. Die Studierenden müssen auch Fachkurse belegen in ihrem Studium, ich glaube zwei oder vier, sowas in der Richtung. Und da können sie sich dann aus einem Riesenbuffet, was es an der Uni gibt, Architektur, visuelle Kommunikation, Produktdesign, aber auch in der Freien Kunst. Und dann gibt es auch immer so ein Misch, also Bauhaus Weimar Modell, also bei mir sind jetzt ist auch eine Architektin oder Urbanistik ist auch dabei oder Produktdesign. Da gibt es einen ganz guten Mix von Leuten, die dann denken, ach, das ist ein cooler Kurs, den gebe ich mir jetzt mal noch.
Frisch: Okay, das sind interdisziplinär zusammengesetzte Kurse mitunter. Fachkurs hast du jetzt unterschieden von Kursen, die von Professuren, von den Professoren oder Professorinnen gemacht werden? Fachkurse sind speziell künstlerische Mitarbeiter, die das betrifft?
Hesselbarth: Genau.
Frisch: Interessant. Und Winterwerkschau vielleicht, das wissen vielleicht auch nicht alle, was das ist.
Hesselbarth: Die Winterwerkschau ist das große Finale vom Wintersemester. Studentisch organisiert, muss man sagen. Wir als Lehrende sind angehalten, uns da ein bisschen rauszuhalten und das auch nicht in die Benotung miteinfließen zu lassen. Aber wenn es nachgefragt wird von den Studierenden: „Hey, könnt ihr mal drüber gucken, könnt ihr uns vielleicht ein bisschen helfen?“ Oder so, dann machen wir das natürlich gerne. Die Winterwerkschau ist mit dem Rundgang vergleichbar. Es gibt eigentlich an jeder Kunstuniversität oder an jeder Universität, die was mit Gestaltung zu tun hat. Das ist im Winter im Prinzip machen alle das Atelier auf, die Türen gehen auf. „Hey Leute, kommt mal vorbei, guckt euch das an, was wir hier Tolles gemacht haben“.
Da ist dann auch Weimar eingeladen, die Stadt, die Bürgerinnen und Bürger und das wird dann schon immer ein bisschen zelebriert. Die Studierenden geben sich Mühe, präsentieren ihre Arbeiten. Bei den Architekten sind es die Modelle, bei Produktdesign sind es dann die Produkte, bei uns sind es die Kunstwerke und das ist dann schon eine richtige Ausstellung, eine richtige Show. Mit der entsprechenden Arbeit verbunden ist das dann und ja, und das ist dann auch immer noch mit ein bisschen Party verbunden, dann wird dann auch irgendwie abends, dann gibt's dann nochmal ein Umtrunk und ein bisschen Musik und so, wenn der ganze Stress vorbei ist. Und das Ganze geht drei Tage lang. Donnerstagabends ist Eröffnung, Freitag, Samstag. Sonntag ist dann eigentlich auch nochmal, aber da ist dann meistens so sehr die Luft raus und dann Abbau und so, da geht nicht mehr so viel.
Aber ich würde mal behaupten, das ist sozusagen großes Finale vom Wintersemester. Ist vielleicht auch ganz cool, da vielleicht nochmal so einen Moment zu haben, wo man drauf zusteuert oder auch für die, da gibt es noch mal den Moment, wo nochmal alles gezeigt wird und wo auch so ein formaler Abschluss fürs Semester gefunden wird, insbesondere. In der Freien Kunst, wo man dann auf irgendwie „ich zeige das jetzt“, es muss aushalten, dass andere es anschauen und so weiter. Darauf zuschauen.
Hesselbarth: Genau.
Frisch: Ja. Wie geht das mit der Lehre? Du lehrst jetzt wie lange schon?
Hesselbarth: Ich bin jetzt im zweiten Jahr als künstlerischer Mitarbeiter, das sind anderthalb Jahre fest. Und vorher habe ich aber die Grundlehre gemacht, das ist die Betreuung fürs erste Semester, also für die für die Erstis, die dann gerade an die Kunstuniversität kommen oder an die Bauhaus-Universität. Und da war ich dann so der Coach, Begleiter, hab ein, zwei Exkursionen organisiert. Und jetzt, um die Frage zu beantworten, in der Summe sind es drei Jahre. Dreieinhalb Jahre. Dreieinhalb Jahre ungefähr, genau.
Frisch: Vom Gelingen und Scheitern in der Lehre. Vorhin hast du angedeutet, es klappt nicht immer, was man sich so überlegt. Erzähl mal aus deinem Erfahrungsschatz von Gelingen und Scheitern.
Hesselbarth: Also, ich würde mal so sagen, ganz viele Sachen klappen so, oder? Ja doch, am Ende klappen ganz viele Sachen. Es sind oftmals gute Ausstellungen, die am Ende bei rauskommen. Und manchmal funktionieren dann Dinge aber nicht so von selbst, wie man sich das vielleicht wünscht –
Frisch: Was ist das mit dem Klappen, wenn man sagt, da klappt was in der Lehre? Hast du Beispiele vielleicht, wo du sagst, da und da, das weiß ich noch, da hat was geklappt. So was ist natürlich immer besonders interessant für uns.
Hesselbarth: Okay, okay, dann machen wir einmal Positiv-, einmal Negativbeispiel.
Frisch: Also, Gelingen und Scheitern muss ja nicht positiv – Wir lernen ja auch aus dem Scheitern.
Hesselbarth: Ja, ja, genau, genau das meine ich. Ich kann dann auf jeden Fall auch eine Sache sagen, wo es nicht so gut funktioniert hat.
Frisch: Ja, sehr gern.
Hesselbarth: Zwei Beispiele vielleicht. Das eine Beispiel, wo es sehr gut geklappt hat, war tatsächlich mein erster Fachkurs. Das war so fresh Start an der Uni. Und mir war dann auch irgendwie. Ich hatte das Gefühl, okay, ich muss jetzt mich schon nochmal vielleicht nochmal ein bisschen mehr ins Zeug legen. Und das ist so eine Sache, die man sich dann so vielleicht einbildet oder so. Aber ich dachte mir, das wäre jetzt cool, da noch mal ein bisschen Gas zu geben. Und in der Kunst ist ja zum Beispiel das große Thema, wie geht es nach dem Studium eigentlich weiter? Wie verdient man sein Geld mit der Bildenden Kunst? Das ist schon auch eine Frage, die vielleicht auch von vielen Eltern und Verwandten gestellt wird.
Frisch [lacht]: Einen selber interessiert es ja letztlich auch. Man macht immer die Verantwortlichkeit an die Verwandten aber eigentlich…
Hesselbarth: Ja, richtig, richtig. Und ich hab einen Kurs dazu angeboten. Ich hab gesagt: „Hey Leute, es gibt die Chance, dass es mit der großen Karriere eventuell nichts wird.“
Frisch: Sehr selten, aber…
Hesselbarth: Sehr selten. Aber ihr werdet natürlich alle Superstar, aber eventuell klappt es auch nicht. Und für den unwahrscheinlichen Fall will ich euch da vielleicht ein paar Sachen erzählen.
Frisch: Ja, das ist aber interessant. Das ist schön, dass wir da draufkommen. Da werde ich vielleicht nachher noch mal draufkommen, aber ja, super schön.
Hesselbarth: Und dann habe ich gesagt, also okay, die Kunst ist schon sehr speziell mit den Galerien und den Museen und es gibt da, ja, nicht jeder kann da jetzt eine Ausstellung machen und so weiter. Aber glaubt jetzt mal nicht, dass ihr hier ohne Bildung rausgehen würdet. Ihr lernt nebenbei einen Haufen wichtiger Sachen, die euch in verschiedensten Jobs weiterbringen. Zum Beispiel abstraktes Denken, komplexe Themen angehen oder komplexe Probleme lösen. So eine Ausstellung ist ein komplexes Problem oder ein längerfristiges Projekt über ein Semester zu koordinieren, ist ein komplexes Problem.
Ihr lernt das hier, damit umzugehen. Habt aber auch ganz handfeste Skills, wie Zeichnen lernen oder mit Computerprogrammen umgehen, Fotos machen und so. Das lernt ihr alles hier. Kommunikation, euch mit Leuten abzusprechen, das sind so Sekundär-Skills, die euch vielleicht nicht so bewusst sind, aber die kriegt ihr hier schon mit. Und damit könnt ihr später in ganz verschiedenen Bereichen arbeiten. In der Werbeagentur, beim Fernsehen, beim Radio. Meinetwegen soziale Arbeit, das ist, da gibt es so, das wird da schon auch alles gebraucht. Empathie, das lernt ihr auch hier. Mitgefühl und so Sachen.
Und okay, das war die Einleitung und die Idee war am Ende eine Jobbörse zu veranstalten, zu organisieren. Und Firmen einzuladen, die was mit Kreativität zu tun haben und gutes Geld verdienen. Als Beispiel, wir hatten Nail Artist Minky Warhol aus Leipzig da, die macht so ganz opulente Nägel und die Leute lieben das. Die ist immer ausgebucht, die Nägel sind bunt, groß und so. Total kurios, aber sie verdient gutes Geld und bringt die Familie durch. Und ich sage so, Leute, ja, es ist vielleicht nicht die Museumskunst, aber die Leute sind glücklich, wenn sie neue Nägel haben. Das nächste war, als Beispiel jetzt, ist ein Tattoo Studio, aber der Valentin sagt, ich kann den ganzen Tag zeichnen und die Leute sind glücklich. Die verlassen glücklich das Tattoo Studio. Ich bin dann glücklich, weil die Leute glücklich sind. Und obendrauf ist es gut bezahlt. Also, ich habe ein gutes Leben.
Und das sind so Beispiele, wo sozusagen diese Museums-Galerie-Karriere nicht passt, aber die Leute da irgendwo eine Nische gefunden haben, wo sie gutes Geld verdienen und irgendwie Leute glücklich machen, selber glücklich sind. Das nächste war ein Taschenproduzent, also jemand, der irgendwie so ein Gefühl für Stoffe hat und Designs und so. Und das dann einfach so Do It Yourself gemacht hat mit einer Nähmaschine. Und das geht durch die Decke, der kann sich vor Anfragen kaum retten und am Ende hatten wir so eine Messe und verschiedene Vorträge auch. Da waren dann auch so Unternehmer dabei, die mit Kunst zu tun haben, aber nochmal anders ihr Geld verdienen, aber auf eine gute Weise und so weiter.
Und das ist alles in diesem Kosmos. Und ich wollte den Studierenden zeigen: Hey Leute, da gibt es schon Möglichkeiten, in diesem kreativen Umfeld zu leben und auch gutes Geld zu verdienen. Da muss man natürlich sich ein bisschen was überlegen und zu gucken, wo die Lücken sind. Und jetzt, um die Frage mit dem geglückt oder mit dem Klappen, diese Messe war super cool, also wir hatten das zur Summaery.
Frisch: Erzähl mal ein bisschen. Genau. Ja, ja, erzähl.
Hesselbarth: Wir hatten das zur Summary vor anderthalb Jahren und wir hatten diesen tollen Raum und hatten wie überall so kleine Messestände. Da hatte war das Tattoo Studio, die haben tätowiert, dann war da ein Stand mit dem Nagelstudio, die hatte Nägel gemacht und dann konntest du weitergehen. Da wurden dann Taschen verkauft und dann oben, also wir haben so zwei Etagen. Oben waren Vorträge und dann waren da so verschiedene Künstler, die Vorträge darüber gehalten haben, wie sie eigentlich ihre Karriere gemacht haben und wie sie auch die Familie durchbringen. Also, wie das Geld reinkommt, ist ein wichtiger Faktor und so.
Frisch: Irre.
Hesselbarth: Und das war so total cooles kleines Messeformat. Und da muss ich, was dann geklappt hat, ist, die Studierenden haben voll mitgezogen. Also, da auch noch mal Kompliment an diese tolle Gruppe, die da mitgearbeitet haben. Weil da gab es dann irgendwann so einen Punkt, wo dann Initiativen von den Studierenden kamen, wo die ich habe noch die Idee oder könnten wir nicht vielleicht das machen oder ich habe hier im Atelier noch das und das rumzulegen, das würde gut passen. Und das ist dann so der Moment, wo die Sachen gut funktionieren, gut klappen und wo dann so sich eine gewisse Magie entfacht, wenn die Studierenden anfangen, selber zu diesem Projekt beizutragen.
Frisch: Was haben die da rumliegen, was da passt?
Hesselbarth: Dachlatten.
Frisch: Ah, okay. Um diese Messe zu bauen.
Hesselbarth: Messestände zu bauen und dann sagen: Hey, ich habe hier noch irgendwie so ein Eimer Farbe, aber irgendwie ist die Farbe doch, die würde doch gut passen. Und dann muss man, sagt man: Ey ne, ist super, ist eine gute. Und dann kam einer, Shout Out, also Hauke, ob der Name jetzt, aber der kam im letzten Moment noch mit einer Bar um die Ecke. Der hatte, das war also wirklich im allerletzten Moment. Und dann kam der so an: Ja, hier, ich habe irgendwie diese Bar noch gebaut aus Holz. Wir haben doch noch diese Getränke und so, das können wir doch noch anbieten. Und das sah super aus.
Frisch: Und jetzt musst du natürlich… „Oh nee“, oder „oh doch“ oder „nehmen wir das“ oder „haben wir jetzt plötzlich ein Problem mehr? Hält er uns auf“? Das ist ja jetzt, die Lehrperson muss ja an der Stelle plötzlich agieren oder irgendwas machen.
Hesselbarth: Genau. Und in 90 % der Fälle konnte ich sagen: Super. Also, diese Bar sah fantastisch aus. Die brauchten wir auch so im Eingangsbereich, dass die Leute willkommen geheißen werden zum Flyer auslegen. Das war in dem Moment genau das richtige. Und wenn es richtig gut klappt, dann kann man eigentlich dann zu allen sagen: Toller Beitrag. Das ist genau das, was jetzt dieses Projekt braucht. Cool. Und dann gab es dann irgendwann mal einen Moment, wo das verstanden worden ist, was ich von denen wollte. Die war natürlich abstrakt. Ja, ich will hier eine Messe machen und so eine Jobmesse und so. Könnt ihr euch das vorstellen?
Frisch: Hast du so angefangen? Gingen so die ersten Sitzungen los? Hallo, folgendes wird hier passieren. Wir machen eine Messe und alle: „Warte… ich studiere Kunst…?“
Hesselbarth: „Was ist denn hier los?“ Ja, genau.
Frisch: Ah ja, von Anfang an hast du das so eingefädelt.
Hesselbarth: Ich habe das im Vorlesungsverzeichnis schon so gesagt, hey, das wird eine Jobbörse, eine Jobmesse. Es wird auch richtig viel Arbeit, Leute. Also ich habe schon. Ich weiß nicht, ob den Text wirklich jemand gelesen hat. Ich frag mich das die ganze Zeit, ob wirklich jemand – Oder ob es nur nach dem Titel geht.
Frisch: Ich glaube schon. Doch, doch, doch. Also was ich so höre, die Leute lesen sich das durch und versuchen, wollen irgendwie so viel wie möglich schon wissen, weil mehr geht ja nicht. Der erste Moment ist ja dann so, Seminarraum, da stehen jetzt alle. Jetzt fühle ich's. Vorher hast du kein… wahrscheinlich. Ja, man liest es dann wahrscheinlich schon.
Hesselbarth: Ich habe dann glaube ich, also ich habe mich da... Ich habe ihnen dann irgendwie gleich zu Anfang gesagt, das ist jetzt vielleicht noch ein bisschen abstrakt. Was soll das hier werden? So eine Jobbörse, eine Jobmesse? Wie soll das gehen? Wir fangen ganz slow an. Ich habe so eine gewisse Dramaturgie im Kopf von dem Kurs. Es gibt erstmal eine kleine Übung, dann kommt ein Gast vorbei, dann machen wir mal eine Exkursion.
Frisch: Wie sah die aus, die kleine Übung? Wie hupft man ins Wasser? Wie stelle ich mir das vor? Das ist echt spannend.
Hesselbarth: Lebenslauf schreiben, Future Lebenslauf. Die Idee war, Leute, okay, Lebenslauf, wir müssen es mal kurz lernen, wie man so ein Lebenslauf schreibt. Benutzt die und die Schrift, das ist gut. Helvetica, da macht da nichts falsch. Die und die Schriftgröße, Schriftgröße 12, alles in Ordnung, Überschriften fett. Die Aufgabe ist jetzt aber Future Lebenslauf, also ab nicht jetzt in die Vergangenheit, was ich 2018 gemacht habe, sondern was ab jetzt kommt. Also 2026, 2030, 2035. Bei Künstlern, die wollen ja mal große Ausstellungen machen. Erst hier in Köln, dann irgendwo New York und dann vielleicht nochmal Tokio. Stellt euch das vor. Stellt euch eine traumhafte Karriere vor, eine große Karriere.
Und dann schreibt ihr rein, wie soll diese Ausstellung, was war der Name der Ausstellung? Wo habt ihr ausgestellt euren idealen Lebenslauf, der so bombastisch ist, wie es nur irgendwie geht. Träumt mal so groß. Habt ihr das Stipendium bekommen, das Stipendium. Gibt es da vielleicht ein neues Stipendium? Und das war super lustig. Also, da gab es ein paar Leute, die haben so lustige Ideen angebracht, also die Titel auch der Ausstellung. Und das war dann so die Denksportaufgabe, ich will jetzt hier nicht so was ihr schon, sondern stellt euch mal irgendwie einfach die geilste Karriere vor, die ihr jemals haben könntet.
Frisch: Ja, super. Und sind die dann alle im Kunstbetrieb gelandet? Also, in diesen Visionen?
Hesselbarth: Ja, ja. Also, die haben dann… war da auch einmal dabei, Football Halftime Show, sagt dir das was? Football ist ja in Amerika dieses große Ding und dann gibt es ja in der Halbzeitpause Beyoncé Auftritt oder Jay Z auftritt und so. Das war dann auch etwas sehr Lustiges, was dann jemand reingeschrieben hat. Ich bin so eine große Künstlerin, ich wurde eingeladen, die Football Halftime Show, also so in Amerika kulturell wahrscheinlich so das…
Frisch: Das Heißeste, was es gibt.
Hesselbarth: Das Heißeste, was es gibt, weil du hast irgendwie 1 Million Zuschauer oder so. Und wenn du da diese Halftime Show bespielst, Madonna ist da so, dann bist du wirklich so top. Und das hatte jemand reingeschrieben, fand ich sehr lustig.
Frisch: Dass die das Design macht?
Hesselbarth: Oder die Gestaltung, die Bühnengestaltung.
Frisch: Okay, gar nicht dumm, weil da ist Geld, denn da gibt es jede Menge Geld.
Hesselbarth: Das größte Geld ever, das größte Publikum. Also, da ist man sozusagen, ich glaube ja, da ist Beyoncé, Jay Z, Michael Jackson und sowas haben das gemacht und so. Und das war dann sehr witzig sozusagen. Und dann einfach nur als Fantasie, hey, ihr müsst euch in dem Fall jetzt nicht klein machen, sondern das war eine coole Aufgabe zum Start. Und dann haben wir aber auch so Mini-Exkursionen gemacht, also wir hatten Career Center von der Bauhaus-Uni, die machen ja eine Jobbörse, ist dann mehr so für Architektur und Bauingenieurswesen und so. Die Kunst ist so auch ein bisschen dabei, aber nicht so dolle. Wir gucken uns das mal an, gucken, was wir da so mitnehmen können. Da gibt es auch viele Goodies, da könnte ein Zollstock abstauben, braucht ihr doch auch und so.
Und das war aber, macht Zeichnungen, setzt euch dahin und zeichnet euch das ab. Wie sieht denn sowas aus? Messe mit den Roll Ups und mit den Tischen und so und Zeichenaufgabe, ja, setzt euch, nimmt euch dann Brett mit und dann macht ihr so Zeichnungen. Wie wird da auch geredet, wie stehen die Leute, sitzen die Leute und so weiter. Und so nach und nach haben wir uns diesem Ding auch so angenähert so.
Frisch: Und dann haben alle so allmählich, also so mehr oder weniger, so nebenbei organisiert, wenn ich das so richtig, wenn ich das so richtig verstehe, wo Leute was lernen, wo sie gar nicht wissen, dass sie das jetzt. Ich meine, wenn die dauernd zeichnen, zeichnen die ja auch. Nach der Zeichnung habe ich ein bisschen mehr Zeichenübungen und nach zwei Zeichnungen habe ich schon zwei Zeichnungen mehr. Also, so geht das alles miteinander in Verbindung.
Hesselbarth: Ja, das ist so meine Idee. Also dann ist es dann eben gut, wenn dich das jetzt mit der Messe nicht so interessiert, ist es wenigstens Zeichnen üben oder man verbindet beides miteinander. Und so konnten wir uns dann mit einigen Aufgaben dem immer mehr annähern. Dann waren wir nochmal, muss ich noch erzählen, geile Sache, Exkursion nach Berlin. Und da sind wir, haben wir drei Punkte besucht. Das erste war dieses Tattoo Studio, mit denen ich befreundet bin. Da war der Zugang eben leicht und da haben wir einen Blick reingeworfen und der Valentin, super netter Typ, hat uns gleich willkommen geheißen, uns alles gezeigt, wie sowas funktioniert, Hygienevorschriften und wie sorgsam er auch mit seinem Business umgeht und aber auch mit den Kundinnen und Kunden und so. Und das war dann so der erste Teaser und dann habe ich gesagt, naja, der Valentin, der würde vielleicht auch in Weimar vorbeikommen und bei unserer Messe mitmachen und so, jetzt lernt ihr den schon mal kennen und so.
Und dann war eine zweite Sache, dann waren wir nochmal im Studio Gregor Hildebrandt. Gregor Hildebrandt, großer Künstler. Und der war so gastfreundlich und da hat er so ein bisschen das System, dass der auch mit Assistentinnen und Assistenten arbeitet. Also, das ist so bisschen Werkstatt, er hat die Ideen, macht so Entwürfe und dann gibt es eben auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die an den Entwürfen weiterarbeiten und auch die Organisation übernehmen und das realisieren. Und dann habe ich auch gesagt: Hey Leute, es ist vielleicht auch gar nicht so schlecht, nach dem Studium vielleicht nochmal ein Jahr da mitzuarbeiten in so einer Werkstatt oder so. Man saugt da auch noch mal neue Sachen auf und versteht nochmal, wie die großen, wie die großen Künstlerinnen und Künstler das machen, wie so das Business auch läuft. Das ist vielleicht gar nicht so schlecht als so eine Art Master, Straßen-Master, Arbeitsmaster, irgendwie Werkstudent in dem Sinne. Ein Jahr, macht nicht zu viel, sonst bleibt ihr dort kleben, aber so ein oder zwei Jahre und aber das war ein cooles Ding, weil die uns auch ganz viel gezeigt haben, wie Ausstellungen konzipiert werden.
Die haben so Modelle gehabt und dann wurden da so Miniaturformat die Bilder so arrangiert und wir haben eine tolle Führung bekommen und das war dann auch großes Glück, weil das cool für die Gruppe war und hat dann sozusagen diese Gruppe nochmal so ein bisschen befeuert. Es gab vielleicht auch ein Bonding Moment, das darf man glaube ich, auch nicht vernachlässigen, so ein Team, dass sich ein Team so zusammenfindet. Man fährt zusammen nach Berlin. Das dauert ja auch immer ein bisschen, bis man da ist und so Teambuilding.
Frisch: Ah ja, das ist dann so nebenbei wieder. Das finde ich ziemlich interessant. Ich entsinne mich, dass ich auch so was gehört hatte. Ich hatte, als ich Filmwissenschaft studiert habe, gab es viele, die wollten eigentlich Filme machen. Und da haben dann unsere Profs immer gesagt: Geht dahin, macht Kabelträger, egal was, weil ihr lernt dann, wie die reden, wie das ist, wie sich das anfühlt, wie man so die Kräfte und so weiter. Das kann man gar nicht. Viele wissen das einfach auch gar nicht. Ist ein bisschen so ähnlich wie bei uns Lehrenden, wenn man jetzt aufschreiben würde, wir haben ja irgendwie keine richtige Sprache dafür, was wir da tun. Du hast es gerade so angedeutet, so eine Künstlerperson im Kunstbetrieb, die hat so ein Tacit Knowing, also so ein internes Wissen. Wenn man jetzt fragen würde, wie geht denn das eigentlich? Wüsste gar nicht, was ich sagen soll. Also, es geht halt so oder so oder so. Und dann ist man da und sieht, du baust Modelle von der Ausstellung und so. Ja klar, sowieso, aber man kommt ja nicht drauf. Also, unbedingt. Und dann kriegt man das dauernd so mit. Der Alltag ist ja das Entscheidende.
Hesselbarth: Das ist der Alltag, genau.
Frisch: Und man kriegt ja vielleicht auch mit, so die tägliche Praxis.
Hesselbarth: Genau.
Frisch: Was ich gerade wirklich, ich habe so ein bisschen gerade auch notiert noch nebenher, weil ich das auf keinen Fall vergessen wollte. Du hast ja gesagt, Kunst sind so viele Skills. Also, Kunst ist gar kein Ausbildungsstudiengang in dem Sinn, dass man danach Künstlerin, Künstler ist in dieser einen Form oder Kunstlehrer. Also, das ist ja manchmal so ein bisschen so eng. Man stellt sich so vor, wenn man nicht Kunstlehrer wird, dann macht man Ausstellungen, ansonsten nichts. Aber das ist ja gar nicht so. Erstens mal hast du viele Berufspraktiken gerade aufgezählt, die alle künstlerische Berufspraktiken sind, die sich in dem Bereich, natürlich sagen dann die Leute Kunsthandwerk, angewandt und so und so, damit man Nase rümpfen darf.
Aber diese Nase rümpfen, vielleicht sollte man davor auch einfach diese Übung mal weglassen. Also die Nase einfach mal glatt lassen. Und du hast erzählt, die Leute sind so glücklich und ich habe neulich mit Freunden gesprochen, die befreundeter, ja, auch Künstler, der es nicht geschafft hat, würde man sagen, der sehr glücklich in der Kunstpraxis arbeitet als Pfleger. So kommt sein Geld rein. Und er hat aber nie aufgehört, Kunst zu machen. Und er ist inzwischen in einer fröhlichen Kunstpraxis gelandet, wo er dann irgendwann auch sagte, früher hat er immer gedacht, er müsste hier oder da oder dort landen, das fehlt ihm gar nicht mehr. Fand ich dann interessant, wo ich so gefragt und hast du es geschafft oder hast du es nicht geschafft?
Und ich habe so das Gefühl, war ein Wochenende, hatte ich ihn besucht. Und hatte das Gefühl gehabt, der hat nicht eine Karriere, sondern eine Praxis gefunden. Und das mit der Praxis ist, glaube ich, was ganz Entscheidendes. Das finde ich gerade auch in deinem Ansatz so. Es geht darum, eine Praxis zu finden. Und da sind wir als Lehrpersonen ja, das ist ja eigenartig. Also was bringen wir den Leuten dabei, wenn sie ihre Praxis finden müssen?
Hesselbarth: Das ist gut, dass du das sagst, weil ich glaube, das ist wahrscheinlich eine der Hauptaufgaben, den Leuten dabei zu helfen, ihre Praxis zu finden. Also, gerade in etwas sehr Freiem wie der Kunst, wo es auch sehr unterschiedliche Ansätze, also wo wir die Leute auch bestätigen, darin ihren eigenen Weg zu finden oder der sehr individuell ist. Die eine Person findet Zeichnung super, die nächste, nee, es muss gleich die totale Kunst sein und Skulptur und Performance dazu. Und dann sagen wir, ja, es gibt nicht diesen einen Masterplan, sondern das ist okay, wenn du jetzt diese fünf Jahre, die hast du jetzt, das ist einfach so, das gibt es hier in Deutschland, das ist auch was sehr Besonderes, das gibt es in den USA zum Beispiel nicht. Also das kostet sehr viel Geld. Hier kostet es fast kein Geld. Okay, aber die fünf Jahre hast du jetzt, um tatsächlich deine Handschrift auszuformulieren, deinen Weg zu finden. Und wie der jetzt so sein wird, wissen wir gerade auch noch nicht so genau, aber wir helfen dir dabei und versuchen dich vielleicht auf Gefahren hinzuweisen oder so. Auch vielleicht bei Sachen zu bestätigen, wo du dich eventuell nicht traust. Es kann ja auch sein, manchmal gibt es so Leute, wo dann irgendwie herauskommt, naja, die quälen sich irgendwie die ganze Zeit mit der Malerei.
Frisch: Und dann nimmst du ihnen irgendwann die Farben weg und siehe da, sie kommen auf ihre Praxis. Oder so was.
Hesselbarth: Und dann kommt aber so ein Ding nebenbei raus, wo die merken, ja, ich habe jetzt hier aber noch so einen Song geschrieben oder so, aber das war nur so nebenbei, habe ich mal so abends gemacht. Ja, zeig doch mal. Und dann ist das irgendwie ein geiles Ding, obwohl das mit dem Handy aufgenommen ist und so. Ja, hast du da noch was? Naja, wenn du jetzt schon so fragst, ich habe eigentlich schon irgendwie so fünf Songs vorbereitet, die sind aber alle Quatsch und so. Nein, nein, ganz ruhig, zeig doch mal so. Ja, das ist, das ist manchmal sehr verblüffend sozusagen. Oder das hatte ich dann schon mehrmals, die Situation, wo Studierende dann irgendwie vor mir standen und vielleicht so eine Erwartungshaltung mir gegenüber war, dass ich das gut finden würde oder dass sie das wegen mir machen oder dass sie denken, so ist Kunst.
Frisch: Ja, ja. Aha.
Hesselbarth: Und das ist ein komischer Twist, den man sehr schwer beschreiben kann. Und dann ja, ich glaube, das klappt irgendwie sieht es, rockt es nicht, irgendwie. Warum weiß ich jetzt nicht genau, aber was hast du noch so? Und dann gibt es manchmal so diesen Moment, wo dann so ein schüchternes „Na ja, ich habe hier noch so dieses eine Video gemacht oder ich habe so eine Zeichnung“, wo du sagst geil, guter Humor, gute Zeichnung, radikaler Ansatz, mach das, lass das andere beiseite. Also, da muss man dann manchmal auch so –
Frisch: So den Leuten das wegnehmen, also das, woran sie sich irgendwie ja und ich soll, ich muss und so, das dann wegnehmen.
Hesselbarth: Das ist eine komische Sache, wo –
Frisch: Wie machst du das? Ich stelle mir gerade vor, dass du nach dem Unterricht lauter Aufzeichnungen machst. Vor dem Unterricht? Also das ist ja wie, also ich weiß nicht, wie behältst du die Leute im Blick? Wie kann ich mir das vorstellen?
Hesselbarth: Irgendwie geht es, also es ist ganz komisch. Also ich versuche mir manchmal, also kann ich mal so sagen, ich schreibe Tagebuch. Das ist aber glaube ich, eher so ein bisschen für mich persönlich, was mir so widerfahren ist. Und manchmal mache ich mir so Notizen, wie so ein Tag auch verlaufen ist, aber tatsächlich die meisten Sachen behalte ich irgendwie im Kopf. Wenn man so sagt, die Person steht gerade da und da oder da gibt es gerade die und den Twist, keine Ahnung. Also, irgendwie ist es dann so.
Frisch: Also, das kann ich total gut nachvollziehen. Ich habe jetzt ein bisschen provokativ gefragt, weil man ja auf die Idee kommen könnte, du würdest da dauernd Klassenbuch führen und so. Und so macht man das eigentlich nicht. Man kriegt es in den richtigen Momenten so mit. Also, ich würde das beschreiben, ich teile das in meiner Lehrerfahrung, dass man Leute so mitkriegt, wenn die auf so einem Weg sind. Und dann gibt es so Kraftfelder, wo man merkt, jetzt bin ich einbezogen. Und dann gibt es Momente, da läuft es so vor sich hin und irgendwie kriegt man es mehr oder weniger mit. Natürlich nicht immer optimal.
Hesselbarth: Manche Sachen gleiten einem auch so durch und manche Sachen, da hat man keine Ahnung. Zum Beispiel muss ich das mal so sagen, also ich glaube, was so bei den Studierenden, sage ich mal so als Studenten, weiß ich nicht. Also, manchmal weiß ich auch nicht, was so in der Studierendenschaft so direkt passiert. Man kriegt immer so ein paar Momente mit, aber die behalten natürlich auch ihre Geheimnisse für sich. Ist aber auch okay.
Frisch: Das ist auch total gut. Genau, wollte gerade sagen, also das ist, das ist so eine. Das ist immer so ganz spannend, diese Blackbox. Und wo ich aber auch, das ist gar keine Blackbox, das ist so ein eigenes Milieu, in das wir keinen Einblick kriegen und wo ich auch überhaupt gar nicht eindringen will. Also, das ist so ein Beispiel. Ich trau mich z. B. kaum in die M18 zu gehen aus diesem Grund. Ich habe so das Gefühl, ich will diesen Raum von mir unberührt lassen. Das ist für mich immer ein bisschen merkwürdig, weil die sollen da mal schön ihre… Die sollen nicht fragen, oh, was soll ich machen? Die sollen viel selber machen.
Das ist bei mir immer so. Und das scheint ja in deinem Ansatz höre ich das auch so ein bisschen raus. Darf ich noch mal auf das Seminar kurz zurückkommen? Das heißt, im Grunde habt ihr während des Ganzen, das ist ja eigentlich ein Projektstudiumansatz. Also, ihr habt ein Projekt und an dem lernt man ganz, ganz viel. Du hast ja gerade so Gruppenbildung und dann sich miteinander austauschen und dann zeichnen und gestalten und auf die Idee kommen, ich habe Material, das kann ich einbringen und so weiter. Das ist ja ein riesiger Komplex an Skills, die da irgendwie aufgerufen werden. Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Aber im Kern, wart ihr an Messegestaltung dran oder haben die Leute irgendwann gesagt, ich wollte doch eigentlich Kunst machen hier. Oder hat das nie einer das Gefühl aufgebracht?
Hesselbarth: Ich habe immer gesagt, also wir gestalten einen Raum und ich würde das mit der Kunst auch nochmal ein bisschen erweitern. Und sagen, was wir versuchen mit Ausstellungen, mit Kunst, ist, eine gute Atmosphäre zu erzeugen, wenn wir eine gute Ausstellung machen oder eine besondere Atmosphäre, wo wir sagen, wir versuchen etwas zu installieren, etwas zu bauen, wo Leute nach der Arbeit gerne hinkommen. Das ist ja vielleicht eine Ausstellung, 19 Uhr ist Eröffnung. Und wie schaffen wir das, dass es interessant, bereichernd, schön, lustig ist, dass Leute bereit sind, nach einem harten Arbeitstag in der Firma dann doch noch da vorbeizukommen und sich dafür zu interessieren. So begreife ich das ein bisschen. Vielleicht würde der eine oder andere sagen, ist ein bisschen zu entertainig, willst du jetzt Entertainment machen? Aber ich sage, man muss das respektieren, dass die Leute alle arbeiten gehen und auch sich in ihren Jobs hart abarbeiten. Und dann noch Familie. Da müssen wir, glaube ich, uns auch ganz schön Mühe geben, damit die nach Feierabend, wenn die Akkus eigentlich alle sind, dann noch bei uns vorbeikommen und sich unsere schönen Bilder angucken.
Frisch: Ich finde das einen schönen Ansatz und das Entertainige würde ich da gar nicht stark machen wollen. Es geht eigentlich um die Organisation von Kraftfeldern, wo man einfach, wo die Leute auch irgendwann sagen, mein hart erarbeitetes Geld lege ich jetzt auf den Tisch und nehme das mit nach Hause, weil ich will von diesem Ding umgeben sein. Ich möchte mich damit verbinden und so. Ich glaube, so kann man das auch beschreiben. Und ich glaube, das wäre so ein Ansatz, wo man auch eine Praxis findet. Du hast vorhin so viel von Freude machen oder glücklich oder sowas gesprochen. Das würde ich aber auch eher emphatisch sehen, also in einem tiefen und auch ernsten Sinn von Freude.
Ich glaube, da organisiert sich was, was auch, sagen wir mal, wir sind in der Bauhaus-Universität, Bauhaus interessiert hat, nämlich Kunst auf den Frühstückstisch zu bringen oder in den Alltag zu bringen, zu sagen, wir umgeben uns eigentlich noch. Eine uralte Schiller-Idee oder noch älter. Wir umgeben, wir bringen sozusagen die Kraft der Schönheit, aber nicht Gefälligkeit, sondern Schönheit auch in diesem bedrohlichen Sinn. Schönheit ist ja was, was einen auch kaputt machen kann. Also, in diesem, ist ja ein starkes Kraftfeld, Schönheit. Diese Idee, das in den Alltag zu organisieren. Das würde ich an der Stelle ein bisschen aufmachen, um gar nicht erst sich da irgendwie entschuldigen zu müssen und Entertaining und sowas sozusagen mit einer schlechten Bewertung reinzubringen, so würde ich das aufbauen.
Hesselbarth: Das ist tatsächlich meine Idee.
Frisch: Ich habe hier noch was notiert, ich kann mal so einen Schnitt machen, weil wir im Vorfeld, du hast was von einem Bodybuilder erzählt und natürlich ist das eine tolle Anekdote, die würde ich gerne erzählt bekommen.
Hesselbarth: Ja, erzähle ich gerne, dass dockt tatsächlich auch ein bisschen kraftfeldmäßig an. [Beide lachen] Wir hatten diesen wunderbaren Kurs „Der Giftschrank der Kunst“ und ich dachte, ich beschäftige mich mit all den igitt-igitt Themen, die in der Kunst eigentlich eher selten verhandelt wird. Wir haben eine Exkursion zu Ikea gemacht, aber auch da wieder gezeichnet und eigentlich geguckt, wie ist eigentlich so ein Ikea Markt aufgebaut? Da gibt ist ja so labyrinthartig, die haben ja schon einige Tricks am Start, wie sie dich zum Kaufen animieren. Das war eine Sache. Und eine andere Sache war dann zum Beispiel Aktzeichnen. Zeichnen gehört irgendwie auch bei mir ein bisschen dazu. Das betrachte ich als… Und dann dachte ich aber okay, Aktmodell wäre doch super, wenn wir da vielleicht mal auch ein bisschen über die Stränge schlagen.
Und ich hatte das große Glück, den ostdeutschen Meister im Bodybuilding einladen zu können und das war super. Also, Valentin, wirklich ein Muskelpaket, total durchtrainiert, ausdefinierte Brust, Arme, Beine. Und der hat dann für uns gepost, also griechische Antike, wirklich der Krieger. Und der war so cool, also das ist so ein netter Typ gewesen, der hatte gute Laune mitgebracht und so Energy Balls hat er uns mitgebracht aus Haferflocken und Schokolade. Hat dann erstmal die Stadt Studierenden so, hier braucht ihr doch jetzt zum Zeichnen so ein bisschen Energy.
Frisch: Cool.
Hesselbarth: Und ja, dann hat der eben seine Posen gemacht, so wirklich wie so ein Halbgott sah der aus. Und die Studierenden haben dann Aktzeichenübungen gemacht und das war super. Und er ist dann noch seine Kür für uns gelaufen. Also, immer wenn der einen Contest hat, dann gibt es einen Tanz oder eine Performance, es gibt einen Ablauf mit Form, Anspannung, Bauch zeigen, Beine zeigen, zu einer bestimmten Musik auch. Es heißt „die Kür“ und die ist er für uns nochmal gelaufen, die geht ungefähr zwei Minuten und dann saßen wir alle im Kreis und er ist seine Performance, hat er uns sozusagen –
Frisch: Voll freundlich, ganz offen. Super.
Hesselbarth: Es war so genial.
Frisch: Haben dann alle mitgezeichnet, so Sekundenzeichnungen oder so was? So was gibt’s ja auch.
Hesselbarth: Nee, das war dann der Moment, das war dann am Ende des Tages.
Frisch: Zuschauen.
Hesselbarth: Wo dann alle nochmal einfach gucken durften. Und das coolste war eigentlich, dass der auch so ein bisschen motivationsmäßig unterwegs war. Also ich glaube, er muss Bodybuilding ist schon sehr intensiv, also auch mit den Diäten und so und das Training und die müssen sich die ganze Zeit selber motivieren und motivieren aber auch ihre Kolleginnen und Kollegen. Und der hat dann aber so mit so einer guten Laune auch die Studierenden motiviert und immer so jede Zeichnung so bewundert und „wow, das sieht super aus!“ und es war aber ehrlich gemeint, also der kennt das nicht so, der kennt nur das Gym, also ist immer nur beim Trainieren und toll und ja, „an der Spitze ist immer Platz für Qualität und ihr schafft das“. So Motivationssprüche, aber die waren ehrlich gemeint, das waren jetzt nicht nur Plattitüden. Und ich habe gemerkt, dass das bei den Studierenden auch gut ankommt, wenn da mal jemand so coachmäßig…
[Beide lachen]
Frisch: Guter Punkt. Ah, interessant, also mehr Coaching im Seminar, das ist eine tolle Geschichte, mega gut.
Hesselbarth: Und der hat so gute Laune verbreitet und ich glaube, ich werde es einfach nochmal machen, weil es einfach, man muss auch sagen, es war schon Eye Candy, also das sah schon alles sehr besonders aus, aber hat dann auch wieder in die Kunst reingepasst, so Kunstfigur. Bodybuilding ist auch so ein ganz besonderer, für viele Leute eigenartig anmutender Sport. Der… da geht es dann irgendwie um drei Minuten auf der Bühne. Die trainieren ein ganzes Jahr, machen eine brutale Diät, um drei Minuten auf der Bühne richtig gut auszusehen. Das ist so auch das Verhältnis hat auch ein bisschen was mit Kunst zu tun. Da arbeitet man manchmal auch ein ganzes Jahr lang, um dann einmal eine coole Eröffnung zu haben und so. Aber auch so Kunst. Ich meißel meinen Körper, Skulptur.
Frisch: Das mit der Skulptur ist mir gleich durch den Kopf gegangen. Klar, du hast ja auch gesagt „definiert“ und so weiter. Das ist ja auch das Vokabular, das man da hat. Also „ich bring meinen Körper in eine Form“. Es ist eine skulpturale Tätigkeit, die aber indirekt irgendwie arbeitet, die nicht mit dem Meißel ansetzt, sondern der Meißel sind da bestimmte Übungseinheiten und bestimmte Nahrung und so weiter und so weiter. Und mein Material ist der Körper. Also, Bodybuilding ist auch, es ist eine ziemlich interessante was da alles passiert. Also, wie Körper, Geist, Subjekt, wer ist Material, wer ist ich, wer ist nicht? Ist natürlich ganz spannend. Das habt ihr aber nicht alles aufgerufen, oder habt ihr da dann nochmal ein Thema draus gemacht?
Hesselbarth: Also, ich hatte auch das Gefühl, dass ich daraus wahrscheinlich nochmal einen ganzen Fachkurs machen könnte, weil das ist tatsächlich etwas, wo das Feld nicht aufhört. Es gibt dann eben auch diese Contest, die wirklich sehr szeneintern sind, aber für die Leute absolut wichtig. Also die Hungernden zwei Tage vorher trinken kein Wasser, pinseln sich mit Farbe an.
Frisch: Warum mit Farbe? Also, auch Malerei dabei? Sozusagen.
Hesselbarth: Auch Malerei ist dabei, ja. Also es gibt natürlich verschiedene Hauttypen. Manche sind ein bisschen dunkler, manche sind ein bisschen heller. Und das wird gesagt, dass die dunkleren Hauttypen einen Vorteil hätten, weil die Kontraste der Muskeln mehr zum Vorschein kommen, also mehr definiert sind. Und um diesen Vorteil, den die dunkleren Hauttypen haben, auszugleichen, pinseln sich alle so bronzefarben, dunkelbraun an, damit alle ungefähr so von den Kontrasten her auf demselben Level sind. Darum wird das gemacht und die nehmen das super ernst. Dann stehen dann die Frauen immer noch mit der Rolle oder mit dem Pinsel da und machen unter den Achseln nochmal, da ist noch ein bisschen was verlaufen und so. Gleich geht's los. Hier nochmal.
Frisch: Die Frauen sind die Frauen von den Gattinnen sozusagen, Ehefrauen.
Hesselbarth: Bei Valentin, bei unserem Modell war das jetzt einfach, der hat drei Kinder und seine Frau ist immer mit dabei und die Kinder sind immer mit dabei und die fahren dann immer irgendwo durch Deutschland zum nächsten Contest und so. Und sind alle irgendwie mit involviert. Und die Frau ist dann immer noch mit so einer Rolle und macht den Rücken noch mal, streicht nochmal nach.
Frisch: Also, so eine richtige Lebenspraxis. Also, auch eine eigene Praxis.
Hesselbarth: Ich habe das Gefühl, also die hängen auch die ganze Zeit im Fitnesscenter, die ganze Familie.
Frisch: Genau, da weiß man schon... Spannend. Ja, natürlich. Das leuchtet mir ein, da einen Fachkurs draus zu machen. Das ist spannend. Igitt-igitt Themen. Was gab es denn noch für Igitt-igitte Themen? Igitt-igitt ist ja nicht Igitt-igitt. Also du hast ja nur so genannt, aber.
Hesselbarth: Ja, ja, also wir haben uns dann auch so mit so Sachen beschäftigt. Also Kitsch war zum Beispiel ein Thema und wir haben uns dann auch in einem Unterricht dann auch beschäftigt, wie so Kitsch funktioniert, also wie Mechanismen, bestimmte Farben wir einfach uns nicht wehren können und darauf Katzenbilder. Wir springen total, wir können uns nicht wehren. Baby, Babyfotos, wir finden es automatisch süß.
Frisch: Affekte.
Hesselbarth: Bestimmtes… ein Sonnenuntergang oder Mallorca, Bali Urlaubsfotos und so. Wir können uns dem nicht entziehen. Und da haben wir uns auch verschiedene Künstlerinnen und Künstler angeguckt, die das sehr bewusst einsetzen. Man könnte das so ein bisschen als billigen Trick nehmen oder auch reflektiert drüber nachgedacht und dann eingesetzt als eine Methode. Ich glaube, mir ging es darum, den Studierenden zu vermitteln, hey, sozusagen da so ein bisschen in den Giftschrank zu greifen und so, ist auch okay. Also, ich will jetzt nicht, dass ihr euch das Leben unendlich schwer macht, nur weil ihr irgendwie so akademisch-aristokratisch über den Dingen stehen wollt. Also, es gibt in der Kunst so eine Tendenz zum Purismus und man sagt, ich halte mich fern von all diesen triggernden, leuchtenden Sachen und versuche so ein bisschen mönchshaft die Kunst zu machen. Verstehst du, was ich meine?
Frisch: Absolut. Gibt es in der Kunstgeschichte immer wieder mal.
Hesselbarth: Eine ganz trockene, wo dann aber sämtlicher Spaß ausgeklammert wird und eigentlich gar nicht stattfindet und das dann vielleicht wissenschaftlich sehr fundiert ist, alles okay, aber so völlig ohne…
Frisch: Keine Trigger, keine Affekte, keine Emotionen, keine Sinne.
Hesselbarth: Keine Sinne, keine Freude, sondern… und das… okay, ich will da jetzt – Das machen Leute so, das sollen sie so machen. Es ist ja auch okay. Aber ich habe gesagt, hey, es ist völlig okay, wenn da auch der Humor reinkommt und auch der billige Trick und ein schlechter Witz ist eben auch manchmal okay. Und so müsst ihr, ihr müsst euch da nicht so ein Zölibat auflegen. Das war glaube ich so die Message, die ich…
Frisch: Total interessant.
Hesselbarth: Und darum auch so auch so Ikea und so, die arbeiten also so. Ja, das kann schon alles mit reinfließen. Das ist. Die Leute kriegen das auch schon mit, so dass ihr da vielleicht auch den einen oder anderen, das eine oder andere Katzenbild in eure Ausstellung mit reinschmuggelt.
Frisch: Ich verstehe den Ansatz.
Hesselbarth: Dass die Freude nicht untergeht in so einem Purismus oder so, dass das schon auch ein Effekt ist. Dass am Ende die ganze Sache auch Spaß machen darf. So und da ist es dann eben auch okay, dann einen Bodybuilder einzuladen, der dann Spaß macht und so ein Ausflug zu Ikea oder sowas.
Frisch: Das sind ziemlich, also da ist ein Lehransatz, das haben wir vorhin noch aufgerufen und eigentlich heißt ja auch der Podcast so „Zwischen Magie und Handwerk“. Vielleicht das noch. Wir sind schon ein bisschen über der Zeit, das macht nichts, aber vielleicht können wir, du hattest irgendwie angedeutet, dass du dazu auch noch vorbereitet hättest oder darüber nachgedacht hättest, dass wir das vielleicht zum Schluss noch mal aufrufen. Zwischen Magie und Handwerk.
Hesselbarth: Gerne, danke. Ja, ich fand den Titel ziemlich gut gewählt, weil es tatsächlich handwerkliche Aspekte gibt, die ganz klar nachvollziehbar sind, die auch jeder ohne weiteres lernen kann, ohne dass es dafür besonderes Talent geben muss. Das kann man ganz einfach vielleicht auch für die Kolleginnen und Kollegen, die gerade anfangen oder so. Viel geht über gute Vorbereitung. Bei einem guten Vortrag oder wenn man eine Vorlesung macht, gute Bilder raussuchen, die scharf sind, die das illustrieren, was ihr erzählt, vielleicht in die Bilder einer Dramaturgie reinbringen. Ich will vielleicht nochmal jetzt erzählen, wie ich es mache. Ich übe das. Also ich übe eine Vorlesung. Und dann merke ich ganz oft, dann spreche ich die ein oder zweimal durch und merke, oh, hier doppel ich mich, hier komme ich ins Palavern rein, kann ich rausnehmen, die checken das schon. Oder dieser Aspekt ist vielleicht noch interessant, den kann ich noch mal ein, zwei Beispielbilder raussuchen. Ich denke, dass viel durch gute Vorbereitungen klappt.
Frisch: Handwerk.
Hesselbarth: Das auf Handwerk, dann vielleicht auch handwerklich, dass man Gäste, gute Gäste einlädt, die das Ganze unterstützen. Da ist dann eben eine ganz gute Gästebetreuung, dass man einfach freundlich ist, dann mit denen noch was essen geht und vielen Dank und ich kümmere mich um die Abrechnung und das wird alles laufen. Du musst dich um nichts kümmern, würde ich auch als Handwerk bezeichnen, was man erstmal ohne weiteres machen kann.
Frisch: Ja, absolut.
Hesselbarth: Und dann vielleicht als Letztes, wenn man Exkursionen macht, da auch wieder das Ganze gut organisieren und sagen, hey, es geht um 9 Uhr los, wir treffen uns am Hauptbahnhof, dann fahren wir nach Leipzig, dann haben wir die, die, die Punkte auf dem Schirm, das passt. Also da auch wieder die Vorbereitung, dass das zeitlich alles passt und da ist noch gar nicht so viel, dass man selbst als Motivator oder Coach oder Zauberer dasteht, sondern das ist erstmal so, das kann man machen. Und damit hat man schon mal so glaube ich, 70 bis 80% des Jobs irgendwie souverän gemacht.
Frisch: Ja, würde ich auch sagen.
Hesselbarth: Da würde ich immer sagen, hey, Vorbereitung, auch wenn es manchmal so wirkt, dass das so aus der Hüfte herausgeschossen wird. Ich habe die Feststellung gemacht, dass gute Vorbereitung echt hilft. So, das ist natürlich alles Zeit und so weiter, aber der Unterricht profitiert wahnsinnig davon.
Und zur Magie, das fand ich auch sehr interessant, weil es ist mir tatsächlich auch in den Sinn gekommen, dass es in manchen Momenten magisch wird, wie zum Beispiel bei dem Get Rich, Maybe Not Famous, bei der Jobbörse oder auch bei dem Bodybuilder, wenn man sich nämlich so Sachen morgens überlegt oder eine Woche vorher und so, naja, vielleicht so und so und dann könnte es klappen. Und wenn ich den Bodybuilder einlade, dann könnte das vielleicht eine coole Nummer werden. Aber es ist auch immer, wer weiß, wie der drauf ist. Vielleicht hat er einen schlechten Tag oder eine Grippe oder so. Oder die Studierenden finden, ob die das jetzt gut finden oder so, weiß ich jetzt auch nicht so richtig. Und mit dem Zeichnen, vielleicht sind die überfordert. Man weiß, man hat so viele Ungewissheiten, wo man sich so wünscht und vorstellt, es könnte gut gehen, aber es könnten auch Sachen passieren, die dann vielleicht irgendwie nicht klappen.
Und dann gibt es manchmal Momente, wo gute Kräfte zueinanderkommen. Der Bodybuilder ist gut drauf, der bringt dann sogar noch was zu essen mit. Die Studierenden haben Zeichenmaterial mitgebracht sozusagen, das Licht ist gut und die Stimmung ist konzentriert und dann wie so ein Kraftzentrum, wie du das schon beschrieben hast, Energiezentrum.
Und dann am Ende des Tages, ich meine, man hat im Vorfeld, war nervös und hat Blut und Schweiß geschwitzt und dann klappen, dann kommen aber die guten Kräfte zueinander und tatsächlich am Ende hatte man einen genialen Tag. Und dann sagen wir, die Sache ist größer geworden als ich oder als wir zusammen irgendwie. Es gibt ja dieses „Größer als die Summe der Teilchen“.
Frisch: Genau. Sehr schön. Das ist dann die Magie der Lehre.
Hesselbarth: Schon. Also, so war das auch bei dem Get Rich, Maybe Not Famous, wo die Jobbörse dann tatsächlich gelaufen ist, funktioniert hat und all die Gäste, die ich wollte, sind gekommen, die Studis haben mitgezogen und sind dann on top nochmal, haben auch Überstunden gemacht und haben Ideen mitreingebracht und dann ist die ganze Sache, ist gezündet irgendwie, würde ich so sagen. Die Fackel wurde entzündet und hat lichterloh gebrannt. Und für mich ist das dann Magie. Ich stehe daneben, daneben und freue mich einfach. Also, so das und dann, dann ist es schon so, dann gibt es dann eben schon so diese neben der ganzen Arbeit und Vorbereitung und so auch teilweise sehr mühevoll und dann, wenn es dann aber klappt, wenn der Plan aufgeht, dann empfinde ich das schon so als magisch.
Frisch: Sehr schön. Schönes Schlusswort. Vielen Dank lieber Florian für das sehr, sehr schöne Gespräch.
Hesselbarth: Vielen Dank lieber Simon. Hat mich sehr gefreut, dass ich hier sein durfte.
Frisch: Klasse, war ganz, ganz toll. Danke dir sehr.
Hesselbarth: Vielen Dank, Simon. Hat mich sehr gefreut. Tolle Fragen.
Frisch: Tolle Geschichten. Also wirklich, wir haben das mit der Kunst. Ich glaube, wir haben… Das hatten wir noch nicht. Also so in dieser Breite Kunst zu differenzieren und dieses Kunstunterrichten, das ist ja irgendwie, was stellt man sich da vor? Ich glaube, dass viele, die da keine Ahnung haben, was das eigentlich ist, von unserem Gespräch jetzt was haben können.
Hesselbarth: Hat mich auch sehr gefreut.
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