Ep. 37 – Gespräch mit Sabine Zierold

Shownotes

Zeichnen als Denken, Wahrnehmen als Entwurf. Darum geht es in dieser Episode. Simon Frisch spricht mit Sabine Zierold, zeichnende Architektin und Lehrende an der Fakultät Architektur und Urbanistik der Bauhaus-Universität Weimar, über das Sehenlernen, über die Rolle der Hand im digitalen Zeitalter und über die Verbindung von Analogie und Imagination. Zierold erzählt von ihrer Arbeit im Studiengang Media Architecture, der Architektur als Medium versteht und Disziplinen von Kunst bis Informatik zusammenführt. Im Mittelpunkt steht dabei das räumliche Wissen, das sich aus Anschauung, Bewegung und Zeichnung bildet. Wie entstehen Atmosphären, wie wirken Materialien, Licht, Klang und Geruch zusammen? Und was bedeutet es, Räume für alle Sinne zu gestalten? Im Gespräch geht es um Lehrformate zwischen Skizze und Seminar, um das Darstellen als Entwerfen, um den Bleistift als Denkwerkzeug und um den Übergang vom Analogen ins Digitale. Eine Episode über das Zeichnen als Schule der Wahrnehmung und darüber, wie Architektur immer auch eine Sprache der Sinne bleibt.

Unser Host: Dr. Simon Frisch ist Vizepräsident für Lehre und Lernen an der Bauhaus-Universität Weimar und er leitet die Dozentur für Film- und Medienwissenschaft. Er interessiert sich besonders für die spezifische Praxis der Theorie und für die ostasiatischen Wegkünste sowie die Spaziergangswissenschaft als Perspektive und Methode in Lehre und Forschung.

Mitwirkende: Host: Simon Frisch Sound-Design und Schnitt: Jonas Rieger, Moritz Wehrmann Musik: Sebastian Lederle Artwork: Andreas Wolter Ton und Technik: Steven Mehlhorn, Moritz Wehrmann Marketing und Social Media: Claudia Weinreich, Marit Haferkamp Juristische Beratung: Laura Kister Transkript: Natalie Röhniß Produzentin: Nicole Baron Distribution: Ulfried Hermann, Jonas Rieger

Folgenwebsite: www.uni-weimar.de/lehre-podcast

Transkript anzeigen

Sabine_Zierold

Simon Frisch

Das Mikrofon geht auf, zwei Stimmen treten auf. Die eine, die wir hier zuerst hören, gehört Simon Frisch, Vizepräsident für Lehre und Lernen an der Bauersuniversität und Dozent für Lehre und Lernen. Diese beiden Rollen rufen wir hier auf in diese beiden Rollen, treten ans Mikrofon. Und in dieser Perspektive interessieren wir uns auch in diesem Gespräch für Lehre und Lernen an der Bauhaus Universität. Ich habe heute Sabine Zierold zu Gast. Als wer wirst du denn zu uns sprechen?

Sabine Zierold

Guten Tag Simon, vielen Dank für deine Einladung zu dem Podcast hier und voraus auch schon mal vielen Dank für dein Interesse an der Lehre. Ich bin hier als Lehrende oder auch wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Bauhaus-Universität hier in Weimar und Fakultät Architektur und Urbanistik und ja auch als zeichnende Architektin. Und ja, freue mich auf das Gespräch mit dir.

Simon Frisch

Darauf freue ich mich auch. Zeichnende Architektin, das klingt irgendwie poetisch, die Betonung auf Zeichnung. Also ich meine, man könnte ja, naja, was Architekten zeichnen natürlich, aber die Betonung ist natürlich ganz schön. Was meinst du mit was zeichnest du alles?

Sabine Zierold

Es geht vielleicht nicht so sehr nur um das, was ich zeichne, aber auch um das, was ich den Studierenden vermittle. Und da geht es vor allem natürlich schwerpunktmäßig um das Zeichnen von räumlichen architektonischen Zusammenhängen, aber auch zunehmend um figürliches Zeichnen, oder? Das ist nicht ausgeschlossen, Aber auch dem Zeichnen sind natürlich auch noch andere Tätigkeiten vorgeschaltet und zum Beispiel erstmal das Sehen und Wahrnehmen lernen.

Simon Frisch

Das Sehen und Wahrnehmen lernen. Du hast ja auch lange Zeit geleitet, mit aufgebaut und auch zum Teil bist du noch mit befasst. Den Studiengang Media Architecture. Das kommt mir jetzt gleich in den Sinn, wenn du von dem einen Sinn, dem Sehsinn sprichst, weil ja dann möglicherweise verschiedene Medien aufgerufen sind, wenn wir Wahrnehmen üben, Sehen üben, dann kommen wir jetzt vom Zeichnen zum Sehsinn und zu den Medien. Kannst du dazu ein bisschen was sagen? Da wird wahrscheinlich jetzt unser Gespräch. Es sind mehrere Fragen in einer.

Ich frag mal so.

Sabine Zierold

Ja, Media Architecture, das ist ein Studiengang, den ich jetzt seit ungefähr 17, 17 Jahren begleitet hatte im Zusammenhang. Also er wurde 2005 gegründet, ein Masterstudiengang, interdisziplinär und auch interfakultativ und …

Simon Frisch

Welche Fakultäten?

Sabine Zierold

Fakultät Architektur und Urbanistik und die Fakultät Medien und hinzu kam dann auch die Fakultät Kunst und Gestaltung mit Professoren, die Kunst kooperieren in dem Studiengang. Und ja, also der Studiengang ist im Zusammenhang mit der Promotion, die ich hier auch abschließen durfte, interdisziplinär an der Bauhaus-Universität und wo es darum ging, die Architektur als ein Medium zu begreifen und im Kontext der damals sogenannten Neuen Medien zu positionieren. Also mein Mentor damals, Professor Gernd Zimmermann, sagte Architektur, was ihre Medien sind. Also das heißt, Architektur ist eingebettet in unterschiedlichste Medien, also analoger Art, aber zunehmend ja natürlich jetzt auch aktuell digitaler Art und Weise. Die Zeichnung ist eine Repräsentations- also zum einen eine Repräsentationsform oder Darstellungsform, die sowohl analog als auch digital eingebettet ist in diesen ganzen Prozess aktuell natürlich immer mehr digitalisiert wird.

Was mein Schwerpunkt allerdings ist, also war Digitalisierung mehr theoretisch zu betrachten und das Analoge zu praktizieren, könnte ich sagen.

Simon Frisch

Was ist die konkrete Praxis, in der du dann praktiziert hast im Kern oder was für Materialien, Werkzeuge hast du benutzt?

Sabine Zierold

Ja, also es ging im Projekt also um Raumerfahrung, um Raumwahrnehmung, um die Untersuchung von konkreten Orten, um sie mit Ideen auszustatten oder auch in Zusammenhang mit aktuellen Problemen vielleicht und Themen zu untersuchen und mit unterschiedlichsten Medien zu bearbeiten. Mein Handlungsfeld war das Entwickeln von Ideen zu motivieren, also weniger das Vermitteln von konkreten Tools im Sinne von Digitalisierung, aber Entwurfstechniken, Methoden könnte man sagen, Entwurfstechniken.

Simon Frisch

Wie stelle ich mir den Unterricht konkret vor? Also in diesem Studiengang habe ich das richtig verstanden. In dem Studiengang Media Architecture unterrichtest du das Entwickeln von Ideen?

Sabine Zierold

Ja, also wir hatten im Wintersemester immer ein sogenanntes Einführungsprojekt, wo unterschiedlichste Lehrkooperationen zusammengeführt wurden. Also das war auch eine Aufgabe, sozusagen die Lehrenden zusammenzubringen aus den verschiedenen Fakultäten, aber auch externe Kooperationspartnerinnen, zum Beispiel zum Thema Licht, Lichtstadt Jena. Also hatten wir die Aufgabe, also beginnend Ideen, wie kommt Licht zum Einsatz im öffentlichen Raum, im Stadtraum von Jena, also Jena, die Lichtstadt und mit welchen Projekten können da Studierende in den öffentlichen Raum hineingehen, Was brauchen sie dafür für Mittel, Medien, für natürlich auch Förderung und wie kann das dann auch weiter umgesetzt werden bis hin zu einer 1 zu 1 Realisierung, was dann nicht im Winter sondern dann im darauffolgenden Sommersemester stattgefunden hat und was natürlich dann auch sehr öffentlichkeitswirksam geworden ist und dank von Kooperationen eben auch nur realisiert werden konnte. Also externen Partnern dann.

Simon Frisch

Wie habt ihr da angefangen? Ihr geht dann da nach Jena und messt Licht oder zeichnet ihr Licht oder wie nehmt ihr Wie fängt man sowas an in der Lehre? Wir haben da Studierende, die nicht statt Jena Ich trage mich mal ein, mal sehen, was auf mich zukommt. Was kommt dann auf mich zu?

Sabine Zierold

Ja, also das Erste ist auf jeden Fall den Ort aufzusuchen. Also der sogenannte Sonnenhof war das zum Beispiel in Jena, wo die Stadt gesagt Das ist ein öffentlicher Ort, aber er wird nicht öffentlich genug von Passanten wahrgenommen. Also da gibt es Passagen, also er ist auch relativ neu geplant mit viel Beton und Stahl und Glas. Es sind Geschäfte da, aber die Leute gehen immer nur den gleichen Weg dadurch wie so eine Ameisenstraße. Und die Aufgabe war einfach mehr Aufmerksamkeit zum Beispiel darauf zu richten, eine andere Passage, einen anderen Weg oder sich auch mal länger aufzuhalten an diesem Ort. Und es kam natürlich auch ein Austausch zustande mit den Firmen, also Lichtfirmen in Jena, die dann auch als Sponsoren mit aufgetreten sind und bestimmte Technologien, Licht, Medien den Studierenden zur Verfügung gestellt haben, um dann die ins Projekt mit hineinzubringen. Also schauen, was gibt es für Ideen, aber auch was gibt es für Mittel und für Medien?

Das konnten dann sein, aber auch zum Beispiel Projektionen, also wo einfach Geschichten auch erzählt werden oder das Thema zum Beispiel Interaktion mit Pflanzen. Also weil es gab da ein bisschen Grün, aber vielleicht nicht genug an diesem Ort und gerade auf dieses Grün und die Interaktion mit den Menschen aufmerksam zu machen, das war dann zum Beispiel auch eine Kooperation mit der Professur HCI hier bei uns an der Fakultät. Ach ja, die eben den interaktiven Aspekt den Studierenden auch vermitteln konnten. Also mit welchen Medien und Tools, aber die Ideen erstmal von den Studierenden. Und das ist natürlich ein Prozess, also das ist ein Prozess der Entwicklung.

Simon Frisch

Das Thema war gar nicht Licht, sondern der Sonnenhof. Überschrift oder Perspektive war Lichtstadt Jena. Aber letztlich habt ihr dann den Raum dort organisiert durch Intervention, durch mediale Eingriffe, seien es digitale, elektronische, aber auch analoge Medien. Das heißt, vorhin alles ein bisschen aufgezählt, da habe ich mich gefragt, was das alles ist, aber jetzt kann ich mir so ein bisschen vorstellen, indem man zum Beispiel durch elektrisches Licht, aber eben auch durch Pflanzen oder sowas den Raum so organisiert, dass die Ameisenstraße keine mehr ist.

Sabine Zierold

Also wobei beim Berühren der Pflanzen kam dann das Licht ins Spiel, weil dann wurden die Pflanzen belichtet oder das Licht ging aus. Ich weiß es nicht mehr ganz genau. Also es wurde mit Licht reagiert.

Simon Frisch

Also Licht war schon das Thema, wir machen hier mit Licht und dann ging das. Also die Medien des Lichts wurden aber sehr, sehr weit und sehr vielfältig.

Sabine Zierold

Ja, oder eine Passage, die halt mit einer Lichtinstallation ausgestattet wurde und diese wiederum hat auch reagiert auf andere Orte. Also Licht war auf jeden Fall im Spiel, weil das Ganze hat auch eher in den Abendstunden stattgefunden, aber eben in unterschiedlichster Form.

Simon Frisch

Vorhin hast du gesagt, Zimmermann hätte gesagt, Architektur ist ein Medium, oder?

Sabine Zierold

Er hat gesagt, Architektur ist, was ihre Medien sind.

Simon Frisch

Was ihre Medien sind. Und dann kann ich die ganze Bandbreite im Grunde jetzt anfangen aufzurufen an Medien, aus denen Architektur besteht oder so. Also da fängt das an mit der Zeichnung, dem Entwurf, dann aber auch mit Mörtel, Wand, Holz, Bretter und dann weiter, was immer Licht und so weiter. Also Raumgestaltung, alles was zur Gestaltung dieses Raumes führt und was dann dem Raum die Gestalt gibt, die er hat, die dann zu einer Erfahrungsqualität. Wir haben vorhin von Sinnen gesprochen. Also in dem Raum stelle ich nicht einfach nur Möbel rein und mich selbst, sondern es sind eigentlich Erfahrungsräume, die ich organisiere?

Sabine Zierold

Ja, es sind Räume, die bestimmte Atmosphären auch erzeugen. Atmosphären oder auch eben Erfahrungen, Wahrnehmungen.

Simon Frisch

Atmosphären heißt ja Umgebungen, also ich gestalte eine Umgebung. Okay.

Sabine Zierold

Umgebungen, die entweder mehr oder weniger mit der Umwelt in Beziehung stehen. Also Umgebungen sind ja auch so was wie Luft, Licht, Luft, die Schall transportiert oder eben Kommunikation, wie jetzt hier gerade ermöglicht durch mehr oder weniger Schallübertragung im Raum, die Akustik.

Simon Frisch

Also das geht bis. Es ist eigentlich ein an die Sinne gerichtetes Gestalten?

Sabine Zierold

Ja, an alle Sinne.

Simon Frisch

An alle Sinne. Also es gibt ja auch Geruchsgestalter. Also das habe ich jetzt neulich gehört, dass Rolls Royce eine bestimmte Nummer, ich habe vergessen, welche bestimmter Bautyp von ihrem Auto nicht verkauft haben, weil der den Kunden nicht so roch. Also das haben die nicht bewusst, sondern sie haben ihn einfach nicht so angenommen. Und dann hat man gemerkt, dass der anders riechen muss, damit man jetzt stimmt's, Ich sitze wirklich in dem Rolls Royce und dann sind Duftgestalter ans Werk getreten. Also im Produktdesign weiß man, dass das auch der Klang von Türen, Motoren und so weiter, wie hört sich das Möbel an und so, dass das auch immer eine Rolle spielt. Das macht ihr auf der Ebene der Architektur?

Sabine Zierold

Ja, das ist natürlich eine relativ künstliche Ebene. Also wenn man ja, ich kenne es glaube ich auch oder habe es gelesen vom Kino, also wo dieses multisensorische Kino auch in den 20er Jahren oder so. Aber in der Architektur ist natürlich auch das Material, wenn man jetzt Holz verwendet zum Beispiel, das noch Geruch ausströmen kann oder Stein, der eher die Akustik, also vielleicht weniger riecht, aber mehr den Klang beeinflusst.

Das Holz natürlich auch.

Simon Frisch

Also da haben wir Nase und Ohr, zwei Sinne schon mal.

Sabine Zierold

Der Geschmack gut, da wird es ein bisschen.

Simon Frisch

Ja gut, wie schmeckt Architektur das wahrscheinlich auf der Ebene des Geruchs mit. Also es ist ja das Aroma.

Sabine Zierold

Synästhetisch. Ja, könnte man vielleicht sagen, Aber auch der Gleichgewichtssinn ist auch ein sehr wichtiger. Bewege ich mich auf einer schrägen Ebene oder steige ich auf oder ab? Im Raum können natürlich auch Schwindel hervorgerufen werden. Also ich sage jetzt mal den Gleichgewichtssinn irgendwie stören, was natürlich nicht so ein bisschen provokant.

Simon Frisch

Ja, ja, das gibt es. Also in manchen Museen oder sowas wird das eingesetzt, dass man eine bestimmte Erfahrung macht, die dann zum Schwindel führen soll. Ich entsinne mich ans Auswandermuseum. Das sind glaube ich die Schiffsinnenräume, da sind so Schiff in Bremerhaven, die sind so angeschrägt, dass man nach einiger Zeit das Gefühl hat, man schwankt beim Laufen. Also da läuft man eine Zeit lang durch die Innenräume, durch die nachgebauten Innenräume von einem Schiff, dass man ein Schwankungsgefühl bekommt. Das wäre ja schon Media Architecture, oder?

Sabine Zierold

Ja, das ist ein Aspekt. Aber es gibt natürlich auch, man kann denken an Räume, wo bestimmte Sinne vielleicht auch ausgeschlossen oder wo es mehr um den Sehsinn geht, zum Beispiel Illusionsräume, Bildräume in der Architektur ein Thema, das Panoptikon zum Beispiel oder nicht Panoptikon, das Panorama. Das Panorama meine ich mir, also wo der Sehsinn, vielleicht auch das Gehör mit angesprochen wird, wo die Außenwelt in dem Fall ausgeschlossen ist und es wird die Illusion einer neuen Welt in einem Inneren erzeugt.

Simon Frisch

Ach, ich verstehe. Media Architecture heißt auch eine Architektur für bestimmte Medien einzurichten. Also man könnte auch sagen, der Kinosaal, der Theatersaal, der Hörsaal, der Seminarraum und so weiter und so weiter. Das sind also medienarchitektonische Räume und nicht nur der Einsatz von Medien bei der Gestaltung von Wohnräumen oder sowas, sondern eben auch Medienräume gestalten, Kaufhäuser, Kaufräume, Präsentationsräume, Messebauten, solche Dinge, wo man immer auch die Medialität des Raums eine Rolle spielt.

Sabine Zierold

Ja, richtig. Also es sind auch gewisse Inszenierungen von Raum, gerade Theater, der, wenn ich da denke an das sogenannte Totaltheater Walter Gropius, also dieses sich in einem Raum auch immersiv irgendwie einfinden in so einer Atmosphäre, die eben für bestimmte Medien auch mit denen die Architektur angereichert ist.

Simon Frisch

Ist es also denkbar, dass Media Architecture jetzt auch sich kümmern könnte um die Einrichtung von Settings in Games oder in VR Simulationen, dass das auch mediale Architekturen sind?

Sabine Zierold

Absolut. Also das ist natürlich die Medialisierung von Architektur, also dass Architektur auch im Digitalen sozusagen reproduziert oder ganz neu erfunden werden kann, ohne physische Barrieren, Gravitation zum Beispiel. Also in Computerspielen, in Computer Games wird das ja immer weiterentwickelt, aber es wird auch immer wieder rückgekoppelt. Also was haben wir für Erfahrungen in der physischen Welt, glaube ich. Also ich bin jetzt ja keine Game Spezialistin, aber unsere Erfahrungen, die wir in physischer Welt uns aneignen, mit denen dann in die virtuellen Welten zu gehen, Orientierung und so weiter.

Simon Frisch

Also 2005 seit 20 Jahren gibt es diesen Studiengang und der ist jetzt in der Transformation, hast du mir erzählt im Vorgespräch. Seit wann transformiert sich der und wohin?

Sabine Zierold

Ja, also seit ungefähr letztes Jahr. Also es gibt eine neue Leitung des Studienganges, es gibt auch neue Verabredungen zwischen Professorinnen und Professoren dieser drei Fakultäten und er hat sich jetzt also auch bisschen das Profil geschärft. Also es gab die jetzt Reakkreditierung auch aktuell und es gibt einen neuen Titel, auch Digital Technologies in Architecture and Design ist der neue Titel. Also es ist nicht mehr das Medium im Titel, es ist mehr das Digitale. Das kommt einfach auch von dem Lehrprofil der betreuenden Professoren.

Simon Frisch

Der Titel ist vielleicht präzise für das, was es steht, aber er ist nicht so griffig. Man muss kurz nachdenken, wie hieß er gleich noch Media Architecture, das merkt man sich, das ist irgendwie ein Markenname. Das hier ist ein deskriptiver Name, kann man besser verstehen vielleicht.

Sabine Zierold

Ist natürlich darüber diskutiert worden, ja, Media Architecture sind zwei sicher, da gibt es die Media Architecture Biennale, also weltweit, aber es gibt vielleicht heute ein bisschen andere Auffassungen zum Thema Medien auch.

Simon Frisch

Wie hat sich das Profil denn verändert? Du hast gesagt, das Profil ist geschärft worden. Sind aber noch alle drei Fakultäten dabei?

Sabine Zierold

Alle drei Fakultäten sind noch dabei. Also es sind neue Professoren und Professoren dabei. Also aktuell ist jetzt Professor König, das ist Informatik in der Architektur, es ist Professor Willmann, es ist Designtheorie, Juniorprofessor Pierce.

Simon Frisch

Was ist da? Das Fachgebiet habe ich jetzt nicht auswendig.

Sabine Zierold

Komme ich jetzt leider. Und nicht zu vergessen, Interface Design, Professor Hesselmeier, also was jetzt, soweit ich das verstehe, der Kern ist, aber es ist auch HCI, Professor Hornegger, ja, und weitere kooperierende Professorinnen, das wechselt ja auch immer ein bisschen.

Simon Frisch

Okay, da haben sich die Medien verändert und da hat sich das Profil verändert und jetzt sind doch ziemlich viel Interface Digital, elektronische Medien mit drin, die Gegenstand der Gestaltung sind, aber wahrscheinlich auch auf der Ebene des Entwurfs eine Rolle spielen oder des Entwerfens, Gestaltens der Architektur selber verstehe. Unterrichtest du noch in anderen Studiengängen?

Sabine Zierold

Ja, also nach wie vor im Bachelor Architektur, aber auch im Bachelor Urbanistik und aktuell auch mit meinen Kursen sehr interdisziplinär, also über Studiengänge. Also in den Seminaren, die ich jetzt aktuell gebe, sind sowohl Media Architecture als auch UDD. Also es ist ein internationaler, mehr urbanistischer Studiengang. Ja, also die Kurse sind jetzt auch ganz offen, also nach wie vor interdisziplinär und es mischen sich auch Bachelor und Master Studierende in den Kursen. In den Kursen, Also der Plan ist, dass die Kurse sehr barrierefrei sein sollen. Also viele Studierende abholen Deutsch und Englischsprachig Und ja, also es ist.

Simon Frisch

Ich stelle mir vor, wenn du Bachelor und Master unterrichtest, haben beide auf demselben Niveau noch keine Grundlagen, die dann bei dir vermittelt werden. Und da kommt dann das Zeichnen ins Spiel. Stimmt das?

Sabine Zierold

Ja, da geht es, also der Modultitel nennt sich Darstellen und Gestalten, also vorwiegend eigentlich für die Erstsemester Bachelor Urbanistik angelegt, aber eben auch geöffnet für die Erstsemester Masterarchitektur. Und es geht um das Darstellen als Entwerfen also Darstellen.

Simon Frisch

Das musst du mir erklären.

Sabine Zierold

Ja, also dass mit dem Darstellen oder mit dem Zeichnen oder Collagieren oder anderen Techniken immer Prozesse in Gang gesetzt werden, die auch im entwerferischen Prozess stattfinden bzw. Das Entwerfen von räumlichen Situationen oder Architekturen begleiten oder auch anstoßen, also darstellen. Ja, auch das Zeichnen setzt ja auch kognitive Prozesse in Gang und es ist auch sehr beeinflusst von den Materialien, die man verwendet.

Simon Frisch

Also es ist ein übendes. Also ich stelle es mir jetzt einfach mal so vor, Zeichenunterricht auf eine besondere Art und Weise.

Sabine Zierold

Das soll es eben nicht allein sein.

Simon Frisch

Okay, sehr gut. Dann widersprich ruhig.

Sabine Zierold

Nicht nur der Zeichenunterricht, sondern durchaus auch das Theoretische Betrachten, also zum Beispiel in die Geschichte schauen, was hat es da gegeben Oder was gibt es auch für andere Künstlerinnen oder Architekten? Wie gehen die vor in ihren entwerferischen Prozessen?

Was kann man daraus lernen? Und sich eben auch in einer Art von Vortragsweise oder Diskussion im Seminar darüber auseinandersetzen, aber dann selbst praktizieren.

Simon Frisch

Genau. Was machst du da?

Kohle, Bleistift, Tusche, Filzstift und was sind die Vorzüge von was? Was lernt man? Wobei am besten du bist ja auch Zeichenlehrerin an der Zeichen- und Malschule, Du kennst wahrscheinlich deine Materialien und setzt sie mehr oder weniger auch gezielt ein.

Sabine Zierold

Ja, also der Bleistift ist eigentlich so, begleitet mich schon immer durch alle Kurse, ist ja auch irgendwie so eines mit der ältesten Zeicheninstrumente und auch wahnsinnig vielfältig und präsent.

Simon Frisch

Was ist die Vielfalt des Bleistifts?

Sabine Zierold

Er hat verschiedene Härtegrade, die zum Einsatz kommen können. Er ist ja genau vielleicht.

Simon Frisch

Aber auch und dann sagst bring mal ein 6B, ein H2 und ein HB mit und ein Papierblock.

Sabine Zierold

Ja, also so eine erste Übung.

Simon Frisch

Was macht ihr dann?

Sabine Zierold

Ich lasse die Studierenden etwas zeichnen, was sie sich selber vorstellen in dem Moment. Ich sag zum Beispiel, also das ist jetzt wirklich das Einführen ins Freihandzeichnen in dem Fall. Stellt euch einen Gegenstand vor, der jetzt aus drei Elementen besteht zum Beispiel und zeichnet den axometrisch. Da ist natürlich vorausgesetzt, dass sie erstmal wissen, was das ist axometrisch. Und dann stellt euch vor, dieser Gegenstand rotiert in eurem Kopf und dann zeichnet ihn immer wieder, also jeder seinen aus unterschiedlichen Sichten auf das Papier. Und das ist schon mal, also es ist nicht ein abzeichnen, sondern es ist die eigene Vorstellungskraft in Gang setzen und trainieren. So ein Einstieg.

Simon Frisch

Was passiert denn dann? Also ich stelle mir vor, ich studiere das jetzt axometrisch. Erklärst du das an irgendeiner Stelle oder müssen die Leute das schon nachweisen, wenn sie sich immatrikulieren, dass sie wissen, was das ist axometrisch. Die Hörerinnen und Hörer wissen wahrscheinlich nicht, was das ist. Vielleicht können wir es Ihnen kurz erklären.

Sabine Zierold

Also das geht immer aus von einer nicht verkürzten, also projektiven Aufsicht. Das heißt, die Sehlinien, Sehstrahlen sind parallel auf das Objekt gerichtet, von oben gesehen. Man könnte sagen, wie ein Grundriss oder Draufsicht des Objektes. Und dann findet eine Verdrehung statt dieser Draufsicht zur Bildebene, also zum Betrachter. Und dann werden vertikale Linien, also unverzerrt auf diesen Grundriss gezeichnet oder auf diese Draufsicht, entsprechend der Proportionen und Verhältnisse dieses Objektes. Und das ist ein Verfahren, was auch schon sehr alt ist und auch im Bauwesen, in der Architektur.

Simon Frisch

Also ich habe keinen Fluchtpunkt.

Sabine Zierold

Ich habe keine Fluchtpunkte. Ja, also es ist unverzerrt, das ist der Vorteil.

Simon Frisch

Und dann drehst du das und dann entsteht natürlich ein eigener Raum. Axometrischer Raum heißt es so, weiß ich nicht. Aber ich stelle mir vor, dass das natürlich ein Raum ist, der nicht mehr fluchtpunktorientiert ist.

Sabine Zierold

Ja, das ist wie ein Objekt fliegt durch den Raum imaginär und man sieht es mal, also man kann sagen mal 90 Grad gedreht oder 180 Grad gedreht und muss sich das vorstellen können, ohne dass das Objekt auf dem Tisch steht.

Simon Frisch

Also das ist schon ziemlich, also das trainiert die Imagination. Ich stelle mir das wirklich vor wie so ein Muskel, den man trainiert. Man lernt das wahrscheinlich immer besser. Und das ist, also der Ansatz ist der methodische Ansatz, würde ich sagen.

Übung, Übung durch Praxis.

Sabine Zierold

Ja, also Übung ist ein sehr wichtiger Aspekt, deswegen müssen die Studierenden auch Geduld mitbringen. Ich sage immer, das ist wie, wenn ich jetzt eine Sprache lerne, muss ich auch üben oder Instrument . Also ich muss mir Wissen aneignen, irgendwie Erfahrung, auch Hinweise und Tipps bekommen, aber ich muss es auch selber praktizieren und üben, damit ich natürlich das verinnerliche und auch gut abrufbar bekomme.

Simon Frisch

Das habe ich mir gerade gedacht. Also ich lerne mir, was vorzustellen. Also tatsächlich, jetzt verstehe ich auch, warum Darstellen und Gestalten miteinander hier sich verkoppelt, weil ich wirklich lerne mir was vorzustellen. Die Imagination wird trainiert, indem ich darstelle, ich stelle mir einen Körper vor und dann drehe ich ihn und stelle ihn so da, stelle ihn so da, stelle ihn so da. Und wir kennen das alle, wenn man das lang genug macht, fängt man an, irgendwann aus der Reihe zu zirkeln und dann fängt man an kreativ zu werden.

Sabine Zierold

Ja, natürlich gibt es auch noch andere Aspekte, dass die Studierenden sich auch auf wirklich existierendes, also in der Anschauung von jetzt räumlicher Umwelt sich Wissen aneignen, indem wir zum Beispiel, wir machen auch Exkursion oder gehen hier in Weimar an Orte, unterschiedliche Orte und erlaufen die uns erstmal zum Beispiel einen Platz.

Simon Frisch

Da macht man nicht immer nur den Stift, sondern man wägt auch mal den Körper mit den Füßen über den Platz und macht dann so eine Wahrnehmungsweise und dann kann man die miteinander vergleichen, weil man ja mit dem Stift eigentlich auch eine Wahrnehmungsaneignung vollzieht. So würde ich sagen, dass es so in eine Richtung.

Sabine Zierold

Also das Abschreiten erstmal auch eines Ortes oder ein Stadtrundgang zum Beispiel, um sich eine ganze Stadt auch anzueignen. Bei so einer Zeichenexkursion zum Beispiel natürlich dann auch mit Führung, also um etwas zu erfahren, was man jetzt nicht immer sieht gleich.

Simon Frisch

Okay, das ist interessant. Das mit dem, was sieht man eigentlich? Da habe ich schon oft drüber nachgedacht bei Stadtführungen, wenn die Leute anfangen aufzuzählen, wie viele Leute da mitgearbeitet haben, wie viel Eimer Farbe verbraucht wurde und so und so, dann stehe ich manchmal da und denke, was für nutzlose Information. Und ich habe mir oft gefragt, was das für einen Sinn hat, dass wir diese nutzlosen Informationen bekommen. Also ich habe es halt an der Stelle als nutzlos erfahren, wie viel Farbe da an der Fassade sind. Und dann habe ich manchmal, irgendwie hatte ich dann das Gefühl, aber während, also es ist eine Information, da muss ich mich nicht stark damit befassen, sind Zahlen, Eimer, Farbe und gleichzeitig stehe ich aber noch eine Weile hier und schaue mir es länger an und die Stadtführung sagt, aber ich schweige jetzt mal eine Zeit lang, schaut es euch mal an, dann weiß ich nämlich gar nicht, wo ich hinschauen soll, wie lang eigentlich und was da noch so passiert. Wenn aber die Stadtführung anfängt, Geschichten auf die Objekte zu legen, dann wandert mein Blick entlang der Geschichten über diese Objekte und tatsächlich schau sie mir an und guck nicht irgendwie in der Gegend rum.

Ist das ein bisschen der Ansatz?

Sabine Zierold

Und so ist es auch. Also die Studierenden zum einen eignen sie sich selber geschichtliche Kenntnis über die Stadt oder wir waren jetzt erst dieses Semester in Ústí nad Labem zum Beispiel, also eine sehr geschichtsträchtige Stadt mit vielen Narben. Mit vielen Narben und sich da die Geschichten zu den Gebäuden, aber auch eben zu der Gebäude städtischen Entwicklung vorab schon mal anzulesen und dann vor Ort abzugleichen und weitere, also von ansässigen Sachen Historikern oder mitzubekommen und ganz gezielt auf Dinge hinzuweisen, dann auch in den Raum auch reingehen zu können. Also und zu erfahren, was ist da drin eigentlich konkret? Ist da eine Ausstellung, ist das ein Kirchenraum oder sowas oder ein Theater? Und dann zu skizzieren auch und zu zeichnen. Also erstmal skizzieren auch und dann sich auch mal mehr Zeit zu nehmen und die Objekte anzuschauen. Und das ist zum einen ein Training, aber es ist auch ein Anreichern eines Bildgedächtnisses, würde ich sagen, für die Studierenden, weil im Laufe des Berufslebens eines Architekten, einer Architektin muss man sich ja eine Sammlung auch von räumlichem Wissen aneignen, also ein sogenanntes Bildgedächtnis.

Und um dann darauf auch zurückgreifen zu können, eben beim Entwerfen von beim kreativen und schöpferischen Tun.

Simon Frisch

Also räumliches Wissen finde ich einen tollen Begriff gerade oder einen sehr interessanten Begriff. Das ist ein räumliches Wissen und ein Bildgedächtnis. Also ich merke schon, wir versuchen zu beschreiben, was es eigentlich ist, weil räumliches Wissen könnte man jetzt sagen, ja gut, aber eigentlich muss man verstehen. Ich merke gerade, ich muss verstehen, was genau du versuchst mit diesen beiden Begriffen zu beschreiben, was ein Architekt im Beruf braucht oder eine Architektin, nämlich beim Bauen, wie auf so ein Formenrepertoire. Form ist aber eigentlich auch zu äußerlich, also auf ein Repertoire zurückgreifen zu können, um überhaupt entwerfen, gestalten und so weiter zu können. Das heißt, du hast vorhin Musikinstrument genannt, das leuchtet mir sehr ein. Oder vielleicht auch wie Tanz tanzen.

Wenn man keine Figuren kennt, keine Tanzfiguren kennt, kann man eigentlich nicht tanzen. Wenn man aber nur Figuren tanzt, dann tanzt man eigentlich auch nicht. Das heißt, diese Figur muss irgendwie zu einer Geste werden, die zu einem gehört. Und dann hat man vielleicht als Architekt, Architektin einen Gestus. Vielleicht ist das dann das, wo man sagt, Stil oder sowas in der Art und Weise, die Art und Weise, wie Formen abgerufen, wie Formen aber auch eingelagert werden und wie die miteinander verbunden werden und wie dann das Spiel sich realisiert. Da kommt dann vielleicht der Stil von der Architektur zum Ausdruck. Wobei ich jetzt Architektur immer viel zu stark als Gebäude denke.

Das ist wahrscheinlich völlig falsch.

Sabine Zierold

Also räumliches Wissen, ja, das sind ja auch die Zwischenräume und die Plätze und Straßen und Gassen, die dazugehören und die Architekturen ja verknüpfen und verweben und das auch mit der eigenen körperlichen Wahrnehmung, also eben abzuschreiten oder auch zu begreifen, anzufassen, zu spüren, also Dimensionen auch und Proportionen, also in der Stadt drin zu stehen und aufzuschauen zu Gebäuden. Also ist was anderes, als auf den Plan zu schauen, weil ich dann diese Materialität einfach ganz anders wahrnehme.

Simon Frisch

In der Architekturgeschichte habe ich so mal diese Veränderung der Kirchengeschichten gelernt oder in der Kunstgeschichte vielleicht auch dann in der Kunstgeschichte, in dem Teil Architekturgeschichte war es dann eben, wie von der Romanik zur Gotik zur Renaissance sich das jeweilige Raumgefühl und dann die gesamte Theologie eigentlich verändert. Einmal kommt sozusagen das Heil von oben und setzt auf der Erde auf, das ist in der Romanik, das andere Mal zieht es mich nach oben in den Himmel und das wird unendlich verklärt, das wäre dann in der Gotik, also ist alles viel größer als ich. Und dann gibt es plötzlich Proportionen und Verhältnisse von Räumen in Renaissance Architektur, in denen ich mich dann irgendwie wohlfühle. Und ja, ich passe dazu und das fällt mir dazu ein, dass du von Raumgefühlen sprichst, die ich organisiere. Und das macht ja dann Sinn, dass ich dann sagen kann, die Architektur von Mussolini oder dann Albert Speer und Hitler und so weiter, faschistische oder auch Stalinismus, die organisieren ja immer Raum, Mensch, Lebensraumverhältnisse und eigentlich auch Gefühle und Atmosphären, in denen dann eigentlich fast eine Weltdeutung oder ein ganzes Weltverhältnis zum Ausdruck kommt. Ja, ich will das mal noch mal runterbrechen aufs Haus am Horn, weil wir sonst zu sehr in der Politik landen, das hier ja hier oben steht, wo ich immer das Gefühl hatte 1923, der Fokus ist spürbar. Weißt du, was ich meine?

Also man schaut sich dieses Haus an, das nur aus Ecken und Flächen besteht und ich habe das Gefühl, da ist eine Musikalität immer. Ich spüre da immer eine Musikalität. Das ist nicht einfach nur ein Kasten, sondern da sind harmonische Beziehungen von Flächen und Abständen, die irgendwie schön sind.

Sabine Zierold

Ja, so richtig harmonisch habe ich es noch nicht empfunden. Wir haben schon ganz viele Projekte auch zu dem Haus entwickelt und es hat auch immer viel zum Thema Funktionalität kommuniziert und zum Thema auch innen und Außenverhältnis, aber vor allen Dingen, also dieses Thema privat und öffentlich auch.

Simon Frisch

Aber das glaube ich alles nicht. Ich bin dann immer beim Haus im Horn und denke, ja, die haben bei Johannes Itten und bei Muche erstmal Atemübungen gemacht, dann Bewegungen. Also eigentlich ähnlich wie du beschreibt, man geht hin, man schreitet den Raum ab und zu und so und irgendwann empfindet man ihn. Das kann man dann natürlich nicht mehr aufschreiben. Ich mache das, weil aber dann, ne, ich glaube den Mythos der Funktionalität, dem frühen Bauhaus zumindest erstmal nicht. Das ist natürlich, ja, das verstehe ich schon, dass man das erzählen muss, aber ich habe da ganz viel Formempfinden als Erlebnis und zwar dahingehend, dass die Schönheit eigentlich nicht im Draufgemalten, Ornamentierten oder Hingesetzten oder sowas ist, sondern in der Form des Hauses selbst. Natürlich in der Beziehung von innen, außen, Licht, wann, was und so weiter und so weiter.

Und möglicherweise eben auch aus der Funktion heraus. Da muss eine Wand hin, aber es ist halt nicht einfach irgendwie eine Wand, sondern es ist eine, die mit den anderen korrespondiert.

Sabine Zierold

Was natürlich auch sehr stark da spricht, ist die farbige Ausgestaltung, also wie die Wände wirken und wie sie mit dem Licht wirken und zu welcher Tageszeit oder auch Bodenbeläge. Und das spielt natürlich für die Wahrnehmung schon eine große Rolle. Aber es sind ja ganz bewusst also diese sogenannten kleinen Funktionsräume nach außen gelegt und es gibt auch aktuelle Wohnformen, wo das genau umgekehrt ist, also wo das Privatere nach innen und das Öffentlichere, also wieder das Wohnen oder zur Umwelt sich öffnen, nach außen gelegt ist, also genau die umgekehrte Form. Ja, also dieses Haus ist natürlich, also es ist ein Kosmos und ist jetzt in einen Zustand gekommen, der aus meiner Sicht ein bisschen statisch ist, weil er ja leider nicht mehr so bespielt werden kann wie in der Vergangenheit unter dem Freundeskreis der Bauhaus-Universität, aber auch immer wieder ein Objekt, was wir sehr gern besuchen und auch zeichnerisch..

Simon Frisch

Ach so, das macht ich auch. Ihr analysiert das auch wieder zeichnerisch. Das finde ich jetzt interessant. Gut, zeichnerisch analysieren. Darüber habe ich nämlich gerade nachgedacht. Wenn wir jetzt sagen, die Räume an der Universität, wie müssten die eigentlich aussehen, wenn wir jetzt, ja, das wollen wir jetzt mal rausfinden, ein Semester lang, wie würdet ihr da reingehen? Wie müsste die Universität als Raum gefügt werden, damit man das ist eine funktionierende Universität.

Sabine Zierold

Das ist natürlich.

Simon Frisch

Drunter mache ich es jetzt nicht.

Sabine Zierold

Da gibt es ganze Projektreihen, also über Campusentwürfe von.

Simon Frisch

Das stimmt ja immer, aber jetzt will man ein Seminar machen und natürlich, wenn ich sage, ich bin ja Filmwissenschaftler, wenn ich sage, ich will jetzt ein Seminar zum Western machen, gibt es unendlich viel Literatur. Trotzdem muss ich in 14 Wochen mit den Studierenden irgendwas arbeiten. Was würdest du da machen, wenn ich sage, wir interessieren uns jetzt mal für die Universität als Atmosphäre?

Sabine Zierold

Ich glaube, man müsste erst mal gucken, was funktioniert gut jetzt an unserer Universität? Also was sind gute Lehr- oder Lernräume? Ich weiß auch nicht, ob man es immer am Raum an sich, also am physischen Raum festmachen kann, sondern wie ja eigentlich genutzt oder ausgenutzt wird oder einfach auch vielleicht wie gar nicht vorgeplant gedacht plötzlich. Also genutzt wird ein Raum und auch wie, ja, was gehört zu so einem Campus? Zum Beispiel denke ich immer, bei uns im Campus haben oft Orte gefehlt, wo man so eins zu eins, also wo man draußen mit Wetterschutz, aber auch gut arbeiten kann, Also nicht nur im Innen im Seminarraum, sondern auch, es gab immer viele Projekte auch die größere Dimensionen hatten und wo man einfach einen Außenraum und bei Regen und so weiter geschützt auch benötigt hat, wo es ja den X Stahl eine Zeit lang gab. Jetzt sind das natürlich auch Labore, die bei den einzelnen Fakultäten angesiedelt sind, also für solche Praktiken des Bauens in kleineren Formaten. Also ich finde, es gibt ganz tolle Räume, die wir haben.

Also wir sind jedes Wintersemester im Hauptgebäude im zweiten Obergeschoss, wo wir die Erstsemester betreuen dürfen, im Kernmodul, also von Bachelor Architektur und auch Bachelor Urbanistik. Und das sind halt Atelierräume, die schon jetzt über Jahrhunderte existieren, aber nach wie vor sehr gute Möglichkeiten aus meiner Sicht bieten und auch eine gewisse Variation. Trotz Denkmal Auflagen in den Räumen. Wenn man natürlich jetzt neue Universität und neuen Campus, braucht es glaube ich viel Flexibilität und auch Austauschmöglichkeit für die Räume. Also sie immer wieder. Ich meine, es braucht eine Infrastruktur auch, es braucht es für Klima, für die Beleuchtung hier und natürlich auch für Abstellmöglichkeiten für Mobiliar, aber Freiraum, um Räume vielleicht zusammenschalten zu können oder zu verkleinern, also so eine Variationsmöglichkeit. Aber auch das natürlich dann akustisch funktioniert, weil zum Beispiel in den Glasgruben, also eine Betonwand reagiert akustisch ganz anders als eben eine Wand mit Verkleidung.

Und ja, aber ich denke also.

Simon Frisch

Und die Ateliers im zweiten Stock im Hauptgebäude, in dem großen Henry van der Velde Hauptgebäude, also nicht im Winkelbau, die funktionieren schon seit 100 Jahren, gut 100 Jahren oder was als Arbeitsräume. Und das habe ich so verstanden vielleicht, dass man das mal herstellt, weil man das vielleicht, das wissen vielleicht gar nicht alles, dass die Studierenden dort einziehen zu Beginn des Semesters und an ihren Projekten arbeiten. Das werden dann wirklich zu kollaborativen Räumen. Können die da jederzeit ran rund um die Uhr oder gibt es ab irgendeiner Uhrzeit 22 Uhr oder was, dann ist gut und morgen um 7 wieder oder wie ist da die Organisation dieser Zugänglichkeiten?

Sabine Zierold

Ja, die Zugänglichkeit, also in der Regel sind das also die ganze Woche durchgehende Arbeitsräume, die ja auch wieder vom Sicherheitsdienst irgendwie kontrolliert werden, aber da gab es wechselnde Regelungen, also mal länger und mal weniger lang. Es geht immer darum, dass sie auch in einem Zustand bleiben, der dem Gebäude Respekt zollt.

Simon Frisch

Okay, genau. Aber das sind Arbeitsräume und dann arbeiten die da aber unter Anleitung zu etwas, was irgendwie wohin führt, was mal jemand gesagt hat, das soll werden, wie stelle ich mir das vor oder kommen ab und zu Lehrende dazu und so, Hört mal kurz auf, jetzt machen wir ein bisschen Unterricht, danach könnt ihr wieder weiterarbeiten.

Sabine Zierold

Wir also mit dem Kernmodul, also das heißt das erste Semester Bachelor Architektur und auch Urbanistik, wo es also ein Wechselspiel zwischen Vorträgen oder auch Workshops gibt, also um die Studierenden in ein Thema hineinzuführen, aber dann haben sie eben auch Arbeitszeit, wo sie entweder einzeln oder auch in Teams oft zusammenarbeiten können. Dann gibt es immer wieder, gibt es natürlich auch die Rückmeldung, also es gibt Rundgänge im Rahmen des Semesters.

Simon Frisch

Ist das alles im selben Raum, also auch die Vorträge und so weiter, dass dann die Leute kurz ihr Zeug auf zur Seite und so. So dann kommt da ein Vortrag rein und dann sagt man so und dann diskutiert man noch Fragen und dann sagt gut, jetzt könnt ihr wieder weiterarbeiten.

Sabine Zierold

Ja, im letzten Wintersemester war es tatsächlich so. In vorhergehenden waren wir auch teilweise im Hörsaal

Simon Frisch

Und dann ziehen die kurz um und gehen nachher wieder zurück an ihren. Mhm, verstehe ich ja.

Sabine Zierold

Also weil das hängt auch immer bisschen von der Gruppengröße ab und von der Verfügung der Räume.

Simon Frisch

Ja, ja, aber schönes Konzept. Also diese Idee, ich habe das seit einiger Zeit, diese Idee, dass lauter Studierende arbeiten und ab und zu kommen Lehrende dazu und bringen Input und danach arbeiten die aber weiter. Im Moment erlebe ich es ja so, die Studierenden stehen alle vorm Raum, dann kommt die Lehrperson und macht die Tür auf und dann gehen wir alle rein, dann machen wir unseren Unterricht, dann gehen alle wieder raus und dann wird abgesperrt und dann ist dieser Raum eben in Ordnung natürlich und so weiter. Das ist natürlich nochmal eine zweite Geschichte, Aber die Studierenden sind dann wieder draußen aus dem Raum.

Sabine Zierold

Das ist meist die Praxis bei den Seminaren, also die halt nur für die Unterrichtszeit die Räume freigegeben werden. Aber bei den Kernmodulen, also im Bachelorstudiengang oder auch bei den Projektmodulen in den Masterstudiengang, da stellt die Fakultät schon immer auch feste Arbeitsräume zur Verfügung.

Simon Frisch

Das ist spannend. Das liegt natürlich auch an dem Gegenstand oder an dem Fach, weil man eben irgendwie baut und stehen lässt, trocknen lässt, weitermacht. Also das ist ja zum Großteil sehr konkret handwerkliche Projekte, die dann da zum Teil entstehen. Was hast du denn noch an Themen mitgebracht? Du hast ja ein paar Aufzeichnungen auch dabei. Unsere Zeit verfliegt nämlich schneller, als ich das gehofft hatte oder befürchtet hatte vielmehr. Und wir müssen jetzt schon auf die Zielgerade zu steuern können.

Aber noch etwas, was wir vergessen haben.

Sabine Zierold

Also vielleicht noch mal zum Thema so ein bisschen der Architekturzeichnung, also wo ich auch immer versuche, sowohl Studierende, die mit wenig Vorerfahrung kommen, in den Kurs zu motivieren, sich einfach auch dieser Technik zu öffnen und das auch zu begreifen, also als Schulung der Wahrnehmung, die sie einfach auch ein Leben lang begleiten kann, diese Praxis, um ihre Ideen eben auch auszutauschen, anderen mitzuteilen, also sei es im Entwurf oder auch dann später fürs Berufsleben. Und ja, also das ist zum einen eben dieses aus der Anschauung analysieren und Aufzeichnen, aber auch dann das Einbringen ins schöpferische und kreative Tun, also in dem zeichnerischen Entwurfsprozess und dass auch dieser zeichnerische Entwurfsprozess durchaus dem Zeichnen am Computer vorgeschaltet sein kann oder sollte, vielleicht bevor es eben in das technische Zeichnen geht und die genauen Dimensionen und exakten Materialitäten und so weiter.

Simon Frisch

Also da gibt es die Idee von der kreativen Hand, die noch mal anders mit Wahrnehmung und Gehirn und Entwurf und Kreativität und so weiter agiert, als wenn ich das über Tasten, Maus, digital steuere, diese Haptik, der würdest du da immer noch irgendwie zumindest einen Unterschied machen?

Sabine Zierold

Ja, auf jeden Fall.

Simon Frisch

Machen ja nicht mehr alle oder nicht mehr viele. Ich kann das gut teilen, weil natürlich alles anders ist. Besser und schlechter kommt ja immer darauf an, in Hinsicht auf was. Also der Kuchen wird besser, wenn er süßer ist oder fruchtiger und die Pommes werden salzig besser und der Kuchen wird nicht automatisch, also Salz ist nicht an sich ein gutes Gewürz und so weiter. Und so könnte man das hier auch Jedes Werkzeug bedient ein anderes Interesse und anderes Anliegen. Die Zeichnungen, die werden dann auch immer ausgestellt, wenn ich das richtig weiß, ab und zu laufe ich durchs Hauptgebäude und dann sind da ganz viele Zeichnungen, da steht dann immer da Kernmodul so und so oder manchmal steht auch nichts da oder steht jedenfalls nicht gleich für mich erkennbar da und dann sieht man, was die Leute alles sich so erarbeitet und erzeichnet haben. Es gibt auch, wenn ich das richtig weiß, beim so ein sich in die Stadt reinzeichnen, wenn vom Belvedere oder Tiefurt kommend die Leute erstmal da, bis sie dann in die Universität sich reingezeichnet haben.

Sabine Zierold

Also diese Vorgehensweise hatten wir auch in der Vergangenheit im Einführungskurs immer diese zeichnerische Annäherung an den Ort durch die verschiedenen Räume, eben von der Landschaft über die Dachlandschaft und in die Stadt.

Simon Frisch

Ja schön wie so ein Raumschiff, das landet oder so.

Sabine Zierold

Aber ja, also das ist schon auch Vorgehensweise, also bei Zeichenexkursionen und auch Zeichenkursen. Und ja, die Ausstellung ist ein sehr schönes Format, was natürlich die Arbeiten der Studierenden auch würdigen soll. Und es ist auch für Besucher der Universität, also über einen längeren Zeitraum natürlich auch ein Schaufenster zu zeigen, was passiert und was auch zum Studium dazugehört. Ja, das Zeichnen ist ja auch eine Form von Wissensaneignung. Also es ist jetzt neben dem Texteschreiben oder in anderen Medien Videos produzieren oder fotografieren, ist es eben eine Praxis, die aber auch in die Digitalisierung hineinreicht. Also zum Beispiel hatte ich auch sequenzielles Zeichnen mal praktiziert, wo das heißt also in kurzen Sequenzen durch den Stadtraum Weimar sich bewegen und Schnellskizzen anfertigen, aber immer unter der Prämisse, dass das dann in eine Animation übersetzt wird.

Simon Frisch

In eine Animation sogar da wird eine kleine Bewegung draus, Animationsfilmchen.

Sabine Zierold

Ein Film, wo man sich dann sozusagen durch diesen Raum bewegen kann. Das war auch eine schöne Kooperation mit einer Mitarbeiterin der Fakultät Kunst und Gestaltung, also Expertin für Animation außer Animation. Anna, Ja, richtig.

Simon Frisch

Anna Maria.

Sabine Zierold

Genau, Anna Maria. Und eben aufzuzeigen, also Schnittstellen zwischen dem Analogen und dem Digitalen.

Simon Frisch

Jetzt verstehe ich die Zeichnung, deswegen willst du dich auch nicht auf den Bleistift festlegen. Die Zeichnung bewegt sich quer durch alle Medien und das unterrichtest du im Bereich der der Architektur, durch alle Sinne und durch alle Medien. Liebe Sabine, ich danke dir für das schöne Gespräch. Unsere Zeit ist abgelaufen.

Sabine Zierold

Vielen Dank, Simon, für das Gespräch und die Einladung.

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