Ep. 41 – Gespräch mit Jonas Malzahn
Shownotes
Wie entstehen eigentlich Initiativen und was lernen Studierende dabei über Architektur, Universität und sich selbst? In dieser Episode spricht Simon Frisch mit Jonas Mahlzahn, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur Städtebau, sowie Absolvent der Bauhaus-Universität Weimar.
Ein Schwerpunkt des Gesprächs ist die studentische Initiative Horizonte und der daraus hervorgegangene Lucia Verlag. Mahlzahn erzählt, wie aus einer Idee, spannende Vorträge nicht im Raum verklingen zu lassen, eine Publikation entstand, dann eine Zeitschrift und schließlich ein interdisziplinär organisierter Verlag. Es geht um Layouts, Druckereien, Förderanträge, Logistik und ganz viel Teamarbeit. Und um den Mut, etwas zu tun, das niemand vorformatiert hat. Der Verlag als Möglichkeitsraum: Architekturstudierende treffen auf Visuelle Kommunikation, Medienmanagement und viel Selbstorganisation.
Im zweiten Teil des Gesprächs beschreibt Mahlzahn seine eigene Lehre im Bereich nachhaltige Stadtentwicklung. In Seminaren, die wie Redaktionen funktionieren, arbeiten Studierende an Themen wie Verkehrswende, neuen Bautypologien oder Klimastrategien europäischer Städte. Es wird recherchiert, diskutiert, verdichtet, mit Blick auf ein tatsächliches Publikum. Schreiben als Teil des Entwerfens. Eine Folge über Initiativgeist, universitäre Freiräume und die Frage, wie Studium zu einem Feld wird, das weit über die Regelstudienzeit hinaus wirkt. Und über das Vertrauen, dass man Dinge in die Welt bringen kann, wenn man einfach anfängt.
Unser Host: Dr. Simon Frisch ist Vizepräsident für Lehre und Lernen an der Bauhaus-Universität Weimar und er leitet die Dozentur für Film- und Medienwissenschaft. Er interessiert sich besonders für die spezifische Praxis der Theorie und für die ostasiatischen Wegkünste sowie die Spaziergangswissenschaft als Perspektive und Methode in Lehre und Forschung.
Mitwirkende: Host: Simon Frisch Sound-Design und Schnitt: Jonas Rieger, Moritz Wehrmann Musik: Sebastian Lederle Artwork: Andreas Wolter Ton und Technik: Steven Mehlhorn, Moritz Wehrmann Marketing und Social Media: Claudia Weinreich, Marit Haferkamp Juristische Beratung: Laura Kister Transkript: Natalie Röhniß Produzentin: Nicole Baron Distribution: Ulfried Hermann, Jonas Rieger
Folgenwebsite: www.uni-weimar.de/lehre-podcast
Weiterführende Links: https://horizonte-weimar.de/ https://luciaverlag.de/ https://www.uni-weimar.de/de/architektur-und-urbanistik/professuren/staedtebau-1/aktuelles/
Transkript anzeigen
Jonas_Mahlzahn_Transkript
Simon Frisch
Das Mikrofon geht auf und zwei Stimmen treten auf, um 45 Minuten über Lehre und Lernen zu sprechen. Viele, viele Rollen stehen immer hinter den. Wir sind Kinder unserer Eltern, wir sind Enkel unserer Großeltern. Wir stehen in vielfältigen Beziehungen und müssen immer sortieren. 45 Minuten sind nicht so lang, dass wir uns nicht verlaufen, dass wir uns ein bisschen reduzieren. Ich selber spreche als Vizepräsident für Lehre und Lernen. Mein Name ist Simon Frisch und als langjähriger Lehrender Dozentur für Film und Medienwissenschaft und in der film und Medienwissenschaft, Kulturwissenschaft lehre ich seit 1990 und heute habe ich Jonas zu Gast.
Jonas, Als wer wirst du denn zu uns sprechen? Jonas Malzahn.
Jonas Malzahn
Ja, ich bin wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur Städtebauer Entwerfen bei Professor Steffen de Rudder, aber auch ehemaliger Student der Bauhaus-Universität. Ich habe mein Bachelor und Masterstudium der Architektur hier absolviert und habe da natürlich auch selber gelernt und Lehre sozusagen erfahren, miterlebt und kann ein bisschen natürlich auch reflektieren. Aus beiden Positionen. Und da freue ich mich heute mit dir drüber sprechen zu können, sozusagen bei Perspektiven einmal. Zu beleuchten vielleicht oder darüber auch für mich selbst Gedanken zu fassen und die mitzuteilen.
Simon Frisch
Das ist ein schöner Punkt, dass man im Gespräch ja erst die Worte findet für die Erfahrungen, die man ja irgendwie in sich trägt und dann kann man anfangen, sie plötzlich zu Worten, zu metzen, zu feilen, zu gestalten. Wortarchitektur zu machen zur Lehre. Du hast Lernerfahrung, also du hast Lehrerfahrung auch als Studierender hier. Erzähl doch erstmal von besonders gelungenen Lehrveranstaltungen, wo du oh ja. Da war was, das weißt du heute noch.
Jonas Malzahn
Also für mich sind. Die, glaube ich, prägendsten oder die mir auch lange Zeit noch im Gedächtnis geblieben Veranstaltungen, Lehrveranstaltungen, die über die Fakultätsgrenzen hinweg gingen. Also ich durfte zum Beispiel damals mit Gaby Koser, Dozentin an der Fakultät Gestaltung, Visuelle Kommunikation, Kurse belegen. Also das war gemischt waren, glaube ich, sogar auch Studierende der Fakultät Medien dabei. Da ging es um die Gestaltung auch des. Standes auf der Buchmesse zum Beispiel, da war ich mit beteiligt. Das hat mir sehr gut gefallen und da habe ich auch viel bei gelernt, viel auch für diese Dinge, die mich interessiert haben über die Architektur hinaus.
Ja, andere Lehrformate, die ich sehr gut fand, war immer, wenn man was gemacht hat, also sozusagen Designbild, wenn man nicht nur im Seminarraum geblieben ist, sondern auch wirklich was gebaut hat, geschaffen hat. Da gab es in meiner Zeit hier an der Bauhaus-Universität einige. Ich weiß noch, wir hatten einen Fabric Forming Workshop mit einem Gastdozenten aus den USA. Damals gab es noch eine Kooperation mit dem Washington Alexandria Architecture Center und daher kam der Dozent. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Und auch dann natürlich das Lernen oder das Sprechen in einer anderen Sprache mit einem Dozenten, der nicht hier aus Weimar stammt, sondern man da auch noch mal andere Eindrücke gewinnen konnte über vielleicht das das universitäre Feld, was man so aus dem täglichen Leben kannte.
Simon Frisch
Es ist interessant, gerade diese Vielfalt der Impulse, die du da aufgezählt hast, dass mir jetzt gerade der Gedanke kam, ob das aus Studierendensicht, soweit du dich erinnerst, überhaupt ein relevantes Thema ist. Wer hier hauptamtlich oder nicht hauptamtlich ist. Studierst du da personenorientiert oder was stand da bei dir im Fokus, wenn du dich erinnerst, bei den Lehrveranstaltungen letztlich dann auch da, wo es sich hinzieht oder nicht hinzieht?
Jonas Malzahn
Ich glaube, das ist so ein Mix gewesen. Natürlich hat man auch geschaut, welcher Professor was anbietet und man hatte so seine Favoriten, bei denen man gerne mal ein Projekt machen wollte. Aber darüber hinaus fand ich es immer sehr interessant, wenn auch Stimmen von außen kamen. Also wenn man Dozenten hatte, die vielleicht nur ein Semester da waren und die Möglichkeit hatte, dadurch auch wirklich Input nochmal vielleicht von außen zu bekommen, weil man dann natürlich von denen, die hier fest an der Universität waren, auch schon einiges kannte, wusste, Seminare belegt hatte, da war das natürlich einfach spannend für mich.
Simon Frisch
Dann ist es also schon so, man nimmt schon wahr, das sind die, die von hier sind, die sind irgendwie eine Kontinuität. Und dann merkt man schon, ah ja, und das sind jetzt Leute von außen, da kommt ein anderer Impuls. Und das können Kriterien sein zu oh ja doch, da gehe ich doch mal hin und hole mir einen Impuls. Das heißt, da gibt es eine Wahrnehmung, dass das unterschiedliche, dass das unterschiedliche Perspektiven sind. Was sind denn Kriterien für Lieblinge oder Favoriten hast du es gerade genannt? Ich nenne es jetzt mal Lieblinge, wo man keine Namen genannt, aber wo ist aus deiner Erfahrung, da gehe ich noch mal hin. Was sind das für?
Jonas Malzahn
Ich glaube, das ist jetzt sehr subjektiv natürlich aus meiner Warte gesprochen. Also für mich war immer auch der Umgang in einem Lehrformat wichtig, dass man wusste, OK, mit dem Professor oder den Dozenten kann man vielleicht auch auf eine Art Augenhöhe sprechen, die nehmen einen ernst. Darüber hinaus war mir immer wichtig natürlich die Projektinhalte, an denen ich das entschieden hab, wer vielleicht mein Favorit ist. Für mich waren immer sehr wichtig Formate, wo man vielleicht auch, also jetzt in der Architektur auch mal theoretisch abbiegen konnte, dass nicht unbedingt vielleicht ein gebautes Werk am Ende rauskommen musste, sondern dass man vielleicht dort auch was schreiben durfte. Die. Geraden Pfade der Architektur vielleicht mal auch so ein bisschen kurvig ausbauen konnte, um seine eigenen Ideen, aber auch vielleicht Stimmen und theoretische Inhalte, die aus anderen Feldern kamen, hinzuzuziehen.
Da gab es in meiner Zeit einige Professoren, Professorinnen, die das möglich gemacht haben. Das waren damals meine FavoritInnen, bei denen ich gerne studiert habe.
Simon Frisch
Ah ja, also ein sehr interessengeleitetes Studieren. Du hast nicht einfach geguckt, gib mir einen Stundenplan, ich mache das dann und am Ende ist dann die Haltestelle Bachelor oder Bachelor Master hast du wahrscheinlich studiert. Und dann muss man da auschecken und dann kriegt man seinen Zettel und das dann die Eintrittskarte ins Berufsleben, sondern ich höre da so ein bisschen raus auf der Suche, also Initiatives studieren und ich will jetzt ein bisschen eine Brücke bauen zu Initiativen. Wir haben im Vorfeld gesprochen. Was mich besonders interessiert, habe ich die Frage nochmal nach Du gehörst zu den Gründungsmitgliedern vom Lucia Verlag, richtig. Wie erinnerst du die Entstehung dieser Initiative? Das ist ja immer ein sehr prekärer Moment, wenn etwas auf die Welt kommt.
Das kann ja immer.
Jonas Malzahn
Vielleicht hole ich da so ein bisschen länger aus, Weil vor dem Lucia Verlag als Initiative war. Ich schon Teil von Horizonte, einer in der Fakultät Architektur angesiedelten studentischen Initiative, die es schon seit den 90er Jahren gibt. Eine studentisch organisierte Vortragsreihe. Ich glaube, jetzt muss ich lügen, ich glaube 1992 gegründet. Genau. Ist das eine Initiative, wo Studierenden der Architektur Architektinnen einladen, um Vorträge zu halten und das selbstständig machen. Also ohne, dass ein Professor drauf guckt und hier ich will den und den, dass der zu euch spricht, sondern da konnten wir einladen, wen wir wollten und hatten natürlich dadurch die Möglichkeit, auch mit diesen Architekten ins Gespräch zu kommen.
Gegebenenfalls hat man sich da seine Praktikumsplätze geangelt, aber auch einfach, weil man interessante Projekte sehen wollte. Aus diesem Engagement in der Initiative Horizonte hat sich auch mein Engagement für den Lucia Verlag entwickelt, weil wir oder die Gruppe, mit der ich dann bei Horizonte tätig war, entschieden haben, wir haben. Interessante Gäste, aber wir haben das nie festgehalten, was die so erzählen, was die uns für Input geben und haben dann entschieden, wir machen zusätzlich zu den Vorträgen noch eine Publikation und daraus ist dann auch die Zeitschrift entstanden. Horizonte Zeitschrift für Architekturdiskurs, die es jetzt auch dann schon seit, ich glaube 2009 gibt. Und genau am Anfang haben wir eigentlich die Inhalte für die Zeitschrift aus den Vorträgen entwickelt und da waren wir auch, also das war ein wahnsinniges freies Feld, was wir da hatten. Wir konnten uns die Themen setzen, die wir besprechen wollten, wir konnten die Gäste einladen, mit denen wir sprechen wollten und daraus haben wir dann die Inhalte für die Hefte generiert. Das passiert immer noch.
Die Initiative gibt es immer noch, Publikationen gibt es immer noch da. Es ist, finde ich wunderbar, dass weitere Generationen da auch einfach ihre Interessen mit einbringen. Genau. Und irgendwann war der Punkt, wir haben die Zeitschrift sozusagen im Selbstverlag rausgegeben, mussten als Initiative einiges leisten da auch, also haben die ganze Distribution, Versand, Kontakt zu Buchläden, das haben wir alles selber gepflegt. Das war Dilettantismus, sage ich mal, am Anfang. Also wir haben so gemacht, wie für uns das am besten ging. Wir hatten einige, wie soll man das nennen?
Heute nennt man das Mentoren oder Ansprechpartner auch hier von der Uni. Wir haben mit Leuten von der Bibliothek gesprochen, weil die natürlich wussten, wie macht man, holt man sich eine ISSN Nummer etc. Genau. Und so hatten wir die Infos und haben das selber gemacht.
Simon Frisch
Wie viele Leute wart ihr da?
Jonas Malzahn
Das schwankte, ich glaube, so der harte Kern, sage ich mal, waren wir so sechs bis acht Studierende.
Simon Frisch
Also am Anfang stand die Idee: wir wollen diese ganzen spannenden Vorträge irgendwie weitergeben, sichern, nachlesbar machen, also über die Zeit retten, Also im Grunde eigentlich Medienwechsel. Und dann ist man schon bei der Zeitschrift und dann relativ schnell in dem Format Verlag. So habe ich jetzt ein bisschen verstanden.
Jonas Malzahn
Ja, das ist die sukzessive Bahn gewesen. Irgendwann war es dann halt, wir haben halt gemerkt, dass dieser ganze die Distribution, das ist einfach super viel Arbeit und da gehört schon auch eine Professionalisierung wollten wir erreichen. Also wir hatten das Glück, oder wir haben. Die Zeitschrift hat Anklang gefunden. Wir haben ein paar Preise gewonnen, vor allen Dingen auch für die Gestaltung des Heftes. Darauf bin ich noch gar nicht eingegangen. Wir als Architekturstudierenden haben nämlich nicht das Design oder das Layout für die Zeitschrift gemacht, sondern da haben wir uns an unsere Kommilitonen gewendet, die VK studiert haben.
Simon Frisch
Fantastisch.
Jonas Malzahn
Die das dann in vielen Fällen als freies Projekt bei sich an der Fakultät gemacht haben. Genau. Und so war das eigentlich auch ein fakultätsübergreifendes Projekt immer. Und wir haben von unseren Kommilitonen der VK viel gelernt. Sie haben von uns was gelernt, also Inhalte zu generieren. Und so war das ein super Austausch. Wir haben daran gearbeitet an diesen Heften und ich hatte ja diese Professionalisierung angesprochen. Wir waren dann irgendwie irgendwann an dem Punkt, dass wir das nicht mehr leisten konnten eigentlich diese ganze Versenden und den Kontakt halten. Und das war zum gleichen Zeitpunkt, als die Universität sich entschieden hat, den damaligen Bauhaus Verlag aus der Universität auszugliedern.
Simon Frisch
Ah ja, das muss so um 2011 rum gewesen sein, oder?
Jonas Malzahn
Ja, genau. Das empfanden wir als Studierende irgendwie als nicht so gut, weil es dann natürlich kein Organ mehr gab, das vielleicht so etwas wie diese professionelle Distribution von studentischen Arbeiten, vor allen Dingen Publikationen leisten konnte. Und da stand was ganz naheliegend, dass wir dann okay, das versuchen wir irgendwie auch selber auf die Beine zu stellen.
Simon Frisch
Schöne Perspektive dieser Geschichte mit dem Weggang des Verlags, dass da jetzt eine Lücke entsteht, zu der eine Initiative gerade passt. Ich habe jetzt so verstanden, das heißt, ihr wart auf dem Weg zu wir gehen mal auf diesen Universitätsverlag zu, auf den Bauhaus Universitätsverlag zu und schauen mal, ob wir die Horizonte da reinhängen?
Jonas Malzahn
Genau das stand im Raum. Wir waren halt auf der Suche, wie können wir das machen? Waren mit, wie gesagt, der Bibliotheksleitung und anderen, auch vom Bauhaus Verlag, die damals da tätig waren, im Gespräch, wussten aber dann von ihnen. Dass es darüber nicht mehr laufen wird, weil es den Verlag an der Uni nicht mehr geben wird.
Simon Frisch
Und dann wart ihr mit eurem Projekt auf dem Weg und das Projekt war stark genug und hatte genug Faszinationskraft und die Initiative war zu sehr schon auf dem Weg, um zu Dann lassen wir es ganz. Und dann habt ihr gesagt, dann wird jetzt aus der Initiative der Verlag. Um das mal so zuzuspitzen, habe ich das so gesehen.
Jonas Malzahn
Genau. Es kam noch hinzu, dass es auch Interessen nicht nur von uns als Horizonte gab, sondern auch aus der Fakultät Gestaltung wieder. Von der VK gab es auch Studierende, die großes Interesse daran haben, weil dort an der Fakultät entsteht die PORT, aber bei der Gestaltung auch zum Beispiel die Zeitschrift eject. Also da kamen einige zusammen, die wie wir von Horizonte ähnliche Bedürfnisse auch hatten mit ihren Publikationen, Büchern, Zeitschriften. Genau. Und dann am engsten war dann die Zusammenarbeit mit Yoshiko Jenczak, Die hat damals visuelle Kommunikation studiert und hat dann das gesamte auch sozusagen den gestalterischen Auftritt des Lucia Verlags, ich glaube als ihre Master oder Bachelorarbeit damals gemacht. Und mit ihr zusammen bin ich dann auch noch auf andere Studierende der Fakultät Medien zugegangen.
Weil die natürlich auch Interesse daran haben, so in dieses Themenfeld Bücher machen, aber auch darüber hinaus einzutauchen. Und da waren wir dann am Anfang, glaube ich, eine Gruppe von. Fünf, sechs. Studierenden aus der Architektur, aus der Fakultät Medien, von der Fakultät Gestaltung. Und haben uns dann entschieden, diesen Verlag zu gründen. Und dann haben wir mit dem Neu Deli gesprochen, die haben uns geholfen sozusagen das aufzusetzen, was wir denn alles brauchen. Wir haben da auch sozusagen erste kleine Mittel bekommen, um das aufzusetzen, eine Website zu machen.
Die Distribution zu spezialisieren und so ging es dann eigentlich los. Das ging dann eigentlich relativ fix. Und 2014 war es dann, glaube ich, hatten wir dann, waren wir gegründet, hatten einen Internetauftritt, hatten die ersten Publikationen parat mit der Horizonte, der PORT, der eject, hatten wir da gleich so ein kleines Programm und sind dann auch zu Independent Publishing Messen gefahren. Das war immer so ein bisschen das Highlight natürlich auch und konnten dann natürlich auch den Messestand der Bauhaus Universität sozusagen mit dem Lucia Vertrag und den Publikationen mit inhaltlich bestücken sozusagen.
Simon Frisch
Das heißt, der Lucia Verlag als studentische Initiative hat so ein interdisziplinäres Lehr- und Lernformat mehr oder weniger etabliert oder da ins Leben gebracht und dann diese verschiedenen Messen und Auftritte, aber auch die Anlässe, jeweils ein Heft zu produzieren und so weiter, sind dann eigentlich immer Projekterfahrungen, aus denen man dann eben alles, was du gerade aufgezählt hast, lernen kann. Jetzt noch mal viel konkreter wäre jetzt meine Frage dahingehend, wenn wir zur Erstsemesterin, Erstsemester von der Schule kommen und vielleicht noch nicht Schülerzeitung dort oder sowas gemacht haben. Wie sieht das eigentlich aus?
Ganz konkret, operational? Ihr hattet irgendwie, ich stelle mir vor, man braucht ja irgendwie einen Raum, einen Verlagsraum und dass man sagt, ich habe da eine Zeitschrift gemacht, die muss man ja irgendwie auch wahrscheinlich braucht, also was heißt wahrscheinlich, man braucht eine Druckerei und dann gibt es so verschiedene Prozesse und verschiedene Schritte, die müsst ihr dann lernen oder da habt ihr dann euch, und das habe ich auch schon rausgehört, Expertisen von VK geholt, zu deren Studieninhalte solche Dinge gehören eben, also Dinge umzusetzen, in Material zu bringen. Also ihr habt ja im Grunde, habt ihr Vorträge in gedruckter Buchform zu Objekten verarbeitet, die dann wieder und dazu gehören sehr, sehr viele Prozesse. Wie stelle ich mir die Verlagsredaktionssitzungen und so weiter und so weiter vor. Wo hattet ihr die Räume her und wie sah das aus? Wie kamt ihr auf den Namen? Also ich will das schon sehr genau wissen.
Jonas Malzahn
Du willst das genau wissen.
Simon Frisch
Ja, weil ich mir vorstellen kann, dass es sehr interessant ist, wenn man von außen hört.
Jonas Malzahn
Vielleicht noch mal Horizonte, da hatten wir einen Raum, oder ist glaube ich immer noch so, kann sein, dass ich mich irre, in der M oben im in der M hatten wir unseren Horizonte Raum, da haben wir die Vortragsreihe geplant, aber auch redaktionelle Sitzungen für die Zeitschrift gemacht. Und beim Lucia Verlag, da hatte ich ja gesagt, dass wir da im Kontakt mit dem Neu Deli standen. Da hatten wir dann unsere ersten Räumlichkeiten im Neu Deli unterm Dach, haben uns das mit anderen Initiativen geteilt. Genau, da haben wir dann uns getroffen und abgesprochen, wie das abläuft. Da ging es meistens darum, also beim Lucia Verlag hatten wir sozusagen die fertigen Publikationen meistens schon da. Da ging es eher darum, dass wir für die Initiativen, die diese Zeitschriften gemacht haben, dafür dann gesorgt haben, dass sie ihre ISBN-Nummer bekommen oder ISSN-Nummer für die Zeitschriften, dass wir den Kontakt mit den Buchhandlungen gepflegt haben, wie gesagt, dass wir auf Messen gegangen sind, das haben wir dann vom Verlag aus gemacht. Wir haben dann geplant.
Wo wollen wir hin, wo sind die Ansprechpartner für den Verkauf dieser Zeitschriften. Wir mussten natürlich auch, gibt es immer noch einen Onlineshop des Verlags, also diese ganze Abwicklung auch inhouse sozusagen abzuwickeln, ganz praktisch Sachen zu verpacken, zu versenden. Genau. Und bei dem Zeitschriften machen, da haben wir halt das Layout oder die Absprache darüber mit den Studierenden der VK. Da gab es dann Treffen, die wir gemacht haben. Wir haben ihnen die Inhalte nähergebracht, sie haben uns einen Pitch gemacht, wie sie sich die Gestaltung des jeweiligen Heftes vorgestellt haben. So war es dann wirklich so ein ganzer Entwicklungsprozess, meist über ein halbes Jahr, so ein Semester, auch in den Semesterferien.
Ich glaube, das ist vielleicht auch so was. Diese Initiativenarbeit hat nicht nur während der Vorlesungszeit stattgefunden, sondern auch darüber hinaus. Und da ging es dann darum, okay, was für ein Papier wollen wir, wollen wir drauf drucken? Da gab es dann auch den Austausch mit der Druckerei der Fakultät. Viel wurde auch hier in Weimar gedruckt, aber auch zu anderen Druckereien hatten wir dann Kontakt in Altenburg oder Druckveredelungs. Das hat man sich alles wirklich zusammen mit den Studierenden VK überlegt, was wollen wir, wie soll das aussehen. Wir als Initiative haben uns um die Finanzierung gekümmert.
Also das ging auch darum. Sponsoring Mittel einzusammeln. Das war auch eine steile Lernkurve, muss ich sagen. Also da haben wir wirklich das erste Mal so Förderanträge geschrieben, was jetzt als wissenschaftlicher Mitarbeiter, ich bin hauptsächlich für auch für Förderanträge, Forschungsförderung, das zieht sich so durch.
Da habe ich viel mitnehmen können von also dann so ein Projekt runterzubrechen auf was ist das eigentlich, was für Kosten kommen da auf uns zu? Also Kostenfinanzierungsplan aufstellen und sowas, das lernt man im Studium der Architektur nicht. Und sowas. Habe ich dann durch die Initiative gelernt.
Learning by doing.
Simon Frisch
Genau jetzt. Ach genau, das war jetzt meine Frage.
Learning by doing. Also. Das ist eine Erfahrung, die ich aus dem Studium auch habe. Immer wenn man ein Projekt macht, was nicht von der Universität vorformatiert ist, braucht man Ressourcen dafür. Jetzt gibt es die M18, dann gibt es das Neu Deli, dann sind da schon mal Räume. Das ist ja schon mal ziemlich klasse, sehr hilfreich. Sonst bringst du immer Rucksäcke mit Zeug mit oder immer ein Auto voller und so weiter.
Weil es war schon jetzt recht eindrücklich, wie materialbetont diese Arbeit ist. Einpacken, Lager, Bücher versenden, das ist auch viel Logistik, höre ich da, also relativ viele diese Bestellungen, die müssen ja raus. Du kannst ja nicht sagen, in zwei, drei Wochen schicke ich das Buch mal darüber. Soweit ich weiß, sind die inzwischen auch sehr international gefragt, die ganzen Zeitschriften. Das heißt, man ist da schon ganz schön, ganz schön unterwegs. Sehr viel Kommunikation und dann eben sehr viel hantieren. Du hast ja gesprochen und allein wenn ich daran denke, also wir kennen das alle, wie lange das braucht, bis man mal seiner Oma oder seinen Eltern wieder einen Brief schreibt, dann kann man sich vorstellen, was das bedeutet, wenn man also sozusagen nach Termin Erfordernis Bestellungen rausschicken kann.
Jetzt habe ich gehört, sehr interdisziplinär und ihr habt euch dann auch sehr schnell, habt ihr gesagt, ja diese Contents, wer kann denn Gestaltung, das sind die VK Leute. Ihr habt oder ich habe noch nicht gehört, dass ihr euch an die Ökonomen oder die Management Studiengänge jetzt übers Neu Deli hinausgewandt habt. Das wäre jetzt auch so eine Frage. Habt ihr daran gedacht? Gab es da Kontakte oder war das.
Jonas Malzahn
Also beim Lucia Verlag da? Also ich habe das vielleicht ein bisschen verallgemeinert. Fakultät Medien, also da waren Sabrina und Clarissa, die haben glaube ich beide Medienmanagement studiert, die waren von Anfang an dabei. Die haben wir auch, also Yoshiko und ich wussten, dass wir Kolleginnen brauchen, die sich damit beschäftigen, auskennen, die das interessiert und die waren von Anfang an dabei und haben uns da auch, die waren unverzichtbar. Das war ja, das sind eigentlich so. Haben wir da im Verlag sozusagen abgebildet, was man auch wirklich, denke ich, in einem Verlag für unterschiedliche professionelle Disziplinen braucht.
Die haben wir alle hier in Weimar an der Bauhaus Uni. Und bei so einem Projekt kommt das dann oder kann das dann gut zusammenkommen, dass wirklich alle mal zusammen an einem Tisch sitzen und an einem Produkt oder an einer Idee arbeiten.
Simon Frisch
Also das ist tatsächlich jetzt auch das Interessante, was mich an dem Gespräch jetzt auch interessiert hatte, eben von diesem wie bringe ich was in die Welt Und dass da dieser interdisziplinäre, also dass man das Projektstudium machen wir ja immer so stark und wenn man ein Projekt hat, braucht man viele verschiedene Kompetenzen, die man zusammenbringen kann. Und das ist dann gut, wenn die Leute disziplinäre Kompetenzen haben, die sie dann mit den anderen übereinanderlegen. Und in diesem Verlegen, da wird ziemlich deutlich, wie vielfältig also Gestaltung, Content vom Geist bis zur Hand, Logistik, aber eben auch die die finanzielle Seite. Und wenn ich jetzt das mal so ein bisschen hochziehe in Richtung initiativ werden an der Bauhaus-Universität, also das ist, finde ich jetzt schon Beispiel und ich glaube, das wird jetzt auch deutlich in den ganzen Geschichten, die du schon erzählt hast, dass die Universität durchaus ein Ort sein kann, in dem man als studierende Person initiativ werden kann. Das muss man dann aber eben auch tun und leisten. Da kann man sich Netzwerke bilden und dann ist es ein Studieren. Wir haben inzwischen Bauhausmodule.
Man könnte auch Ja, wir gründen einen Verlag, wir machen jetzt erstmal ein Bauhausmodul dazu. Was ich jetzt gerade interessant finde, ist, dass ihr das erstmal nicht institutionalisiert habt in Lehrformaten, sondern ihr habt das als Initiative für euch organisiert. Mich interessiert, was brauchen Initiativen oder was war da besonders förderlich? Und wie können wir diese Initiativen denken, auch sozusagen aus den strukturbildenden Organen der Universität heraus? Also ich sage jetzt mal ein bisschen kompliziert ausgedrückt, Also als Vizepräsident bin ich ja zuständig dafür, Lehre zu organisieren und ich will das nicht nur in Studienordnungen und Stundenplänen machen, sondern sozusagen mit Seitenblick, also Räume aufmachen, wo dann Leute reingehen, von denen ich gar nicht weiß, was denen da alles einfällt. Aber die Universität sollte solche Initiativräume aufmachen können. Und ich bin da manchmal ein bisschen skeptisch, ob die Bauhausmodule immer gleich eine Antwort sind, weil die dann eben auch eine bestimmte Fassung haben, wohingegen ihr durch dieses wir machen das jetzt mal, der Verlag ist euch sogar weggebrochen und dann habt ihr aber ihr habt dann nicht gesagt, ich kann so nicht arbeiten, sondern ihr habt euch aufgemacht und diese Ermutigung, die finde ich eigentlich eine gute Botschaft, die ich jetzt hier senden will.
Jonas Malzahn
Ja, vielleicht.
Simon Frisch
Also wir haben halt jetzt erst recht, wir machen das.
Jonas Malzahn
Wir haben halt gesehen, mit Horizonte, wie gesagt, gibt es seit 1990 dass so was studentisch Organisiertes sehr frei ist, wo wir wirklich eigentlich frei von allen Einflüssen der Professorinnen und anderen an der Uni das machen konnten, was wir wollen. Das hat funktioniert. Es besteht immer noch und deswegen war eigentlich bei dem Verlag auch unser Also es stand nie zur Debatte, dass wir das als Lehrveranstaltung oder sowas machen wollen, sondern uns war Wir wollen, dass das dann auch länger besteht, dass das in studentischer Hand ist, weil die Sachen, die wir dort verlegen, sind überwiegend von Studenten produziert. Wir hatten einfach durch Horizonte gute Erfahrungen auch gemacht und gemerkt, es gibt hier an der Bauhaus Universität diese Möglichkeiten der guten Vernetzung. Das ist super an Weimar. Man hat kurze Wege, man kennt sich eigentlich, man kann.
Man findet immer Partners in Crime, die da auch Interesse dran haben. Ich glaube, das ist an anderen Universitäten, die größer sind, viel, viel schwerer, da dann die geeigneten interessierten Kooperations-Projektpartner auch zu finden. Ja, und natürlich muss man sich dann auch auf die Suche machen, okay, überlegen, was brauchen wir jetzt, wen sprechen wir an? Da hatten wir dann damals das Neu Deli, da muss man schon so ein bisschen suchen. Und natürlich bei so einer Initiative steht halt, sagt ja schon die Initiative im Vordergrund. Man muss selber Initiative zeigen auch man muss das wollen.
Simon Frisch
Die Mobilisierung, also dass man die Kräfte, die man mobilisieren muss, die hat man dann nachher auch. Das ist irgendwie so eine Logik, wo man dauern muss. Ich aber wenn man nicht aufsteht, steht man halt auch nicht. Und das ist irgendwie schwierig, dass man im Sitzen steht oder im Sitzen läuft. Also das ist schon irgendwie eine Lektion aus den Initiativen. Und ich höre auch, dass das irgendwie. So eine Lektion sein kann für.
Für ein unternehmerisches Handeln. Ich nenne das mal jetzt unternehmerisches Handeln, das nicht profitorientiert ist, sondern eben auf Ich will was umsetzen und was unternehmen und auf einmal merke ich, dass ich dafür sorgen kann, dass meine Idee in die Welt kommt. Und ich muss nicht darauf warten, bis jemand anders die gut findet. Wenn ich sie gut finde, kann ich was dafür tun. Diese Botschaft finde ich eigentlich ziemlich interessant. Und dann habt ihr auch noch, das habe ich hier und da rausgehört, wart ihr in der Lage, diese oder jene Leistung, die im Rahmen dieses Projekts, dieser Initiative entstanden ist, in den Stundenplan ins Stunden Studierbuch, also sozusagen angerechnet werden konnte.
Jonas Malzahn
Genau, also einige, die dann beteiligt waren an den Zeitschriften, konnten sich das dann als freie Projekte anrechnen lassen. Ich persönlich, also in der Architektur gab es nie die Möglichkeit, also das, was wir da mit Horizonte gemacht haben, haben wir keine Punkte für gekriegt. Da hatten die Studierenden der VK das einfacher. Die hatten natürlich dann ein Produkt, eine Zeitschrift, die sie gestaltet haben. Aber das war uns auch nicht so wichtig. Ich glaube, bei Horizonte stand im Vordergrund die Möglichkeit, mit den Architektinnen und Architekten in Kontakt zu kommen, die man gerade interessant findet, mit denen man sich austauschen möchte. Das ist einfach der große Pluspunkt.
Man kann die nach Weimar einladen, das machen alle, kommen gerne an die Bauhaus-Universität. Das ist der große Vorteil. Auch da kann man schon den einen oder anderen Namen hier hinlocken und hat dann einfach die Möglichkeit, einen Abend mit denen zu verbringen, auszufragen, Kontakte zu knüpfen.
Simon Frisch
Also das klingt schon, ihr orientiert euch auf das, was da ist und was kann man mit dem machen? Da nutzt man dieses und jenes und diese Kraft und jene Kraft, anstatt gegen die Kräfte zu arbeiten, die da sind und was zu wollen, wofür gar kein Wind weht und so weiter. Jetzt hast du gesagt, für die Architektur gab es da gar nicht so viel zu holen. Finde ich jetzt interessant, weil die Architektur. Ja doch, mir scheint jetzt, also gut, du bist jetzt als Architekturstudent, ist es schon eine starke Initiative und aber auch eine starke Perspektive, aber eben auch eine starke Initiative in der Architekturtheorie oder sowas. Wäre da nichts zu holen gewesen oder habt ihr dann gedacht?
Jonas Malzahn
Weiß ich nicht, haben wir nicht so wahrgenommen. Ich glaube natürlich das dadurch, dass wir uns mit der Zeitschrift sehr für das Schreiben über Architektur, die Kommunikation von architekturimmanenten Themen, aber auch die irgendwie vielleicht mal ein bisschen Nebenschauplätze der Architektur zu beleuchten, Das war unser Interesse mit Horizonte auf jeden Fall. Und viele von uns haben auch viele Kurse bei der Architekturtheorie belegt gehabt. Damals noch bei Kari, der da auch, glaube ich, der das auch gefördert hat. Und da haben wir natürlich auch das eigene Schreiben irgendwie natürlich dann Feedback bekommen. Das war natürlich auch wichtig, dass da irgendwie mit der Lehre zu verzahnen.
Aber wir hatten nie eine Lehrveranstaltung, die irgendwie, sage ich mal jetzt, wie mache ich ein Architektursin oder sowas im Austausch auch mit anderen ähnlichen Publikationen gemacht. Also dadurch, dass wir Horizonte rausgegeben haben, standen wir auch relativ schnell in Kontakt mit ähnlichen Initiativen an anderen Universitäten. Also da gab es ähnliche, irgendwann gab es dann auch eine Wanderausstellung, Archiesenes hieß die, da wurden wir auch eingeladen, dass wir da unsere Zeitschrift mit einbringen und da stand man dann gleich in so einem ganzen globalen Kosmos der Independent Architekturseans und das war auch super, da hat man sich ausgetauscht, wie läuft es, keine Ahnung, bei der AA, die Studierenden, wie machen die da ihre Zeitschrift oder in der ETH. Und da hatten wir, gab es gleich so eine Vernetzung von, die glaube ich auch viele, die damals mit mir in der Initiative waren, auch immer noch zehren können. Also wir haben immer noch, diese Kontakte verliert man ja nicht, die hat man dann auch in seinem späteren professionellen Leben weiterhin. Genauso die Kontakte zu den Architektinnen und Architekten, die man eingeladen hat oder beim Lucia Verlag, die den Kontakt zu Buchhändlern Verlagen, die sind ja, nachdem man sein Studium abgeschlossen hat, die Initiative verlassen hat, die gehen einem ja nicht flöten, sondern auf die kann man sehr gut aufbauen. Und da hat man immer noch, also ich habe da immer noch gute Kontakte, von denen ich zehre, mit denen ich immer noch Projekte mache.
Also neben meiner Tätigkeit als Dozent oder als wissenschaftlicher Mitarbeiter bin ich freier Kurator, mach Ausstellungen mit meinen Partnerinnen Katharina Böttger und Matthias Schnell zum Beispiel fürs Deutsche Architekturmuseum, aber auch andere Museen. Und da spielen immer noch Kontakte eine große Rolle, die ich aus der Zeit in den Initiativen hier mitgenommen habe.
Simon Frisch
Also das ist auch dann die Antwort, wie habt ihr es euch verrechnen lassen? Ihr habt im Grunde die Früchte der Initiative selber sind schon der Lohn und da habt ihr schon gesehen, ne, das muss jetzt gar nicht alles über die Uni laufen. Also so wichtig diese ganzen Strukturen und so weiter sind. Nicht alle sind so initiativ wie ihr und nicht alle kommen auf die Idee und wenden sich gleich an die richtigen Leute. Da gehört natürlich auch Glück dazu, dass man da am richtigen Tag in der richtigen Laune die und die Person fragt und dann sagt die, klar, da fällt mir was dazu ein, kann auch passieren, dass die Person sagt, nö, machen wir sowas nicht. Dieselbe Person übrigens, das erlebe ich ganz oft.
Es ist immer Tagesform, manchmal auch abhängig. Und dann gibt es eben deswegen so, ich habe jetzt an solche Strukturen gedacht, Career Service und solche Sachen, netzwerkbildende Maßnahmen und so und so, aber ich will doch da ein bisschen Emphase, einen Akzent drauf geben, dass die Initiative etwas ist, Ich sage jetzt das als Format sozusagen. Das entstehen kann und was Studierende machen können. Jetzt wäre so ein bisschen meine Frage, wir haben ja aus vergangenen Zeiten gesprochen und du bist ja immer noch an der Universität hier. Wie nimmst du das wahr, wie die Räume und die Verhältnisse heute sind? Ist das immer noch jederzeit ein Feld, in dem man so wieder einen Lucia, ah, Entschuldigung, Bevor wir darauf kommen, wie kamt ihr auf den Namen?
Jonas Malzahn
Auf den Namen kamen wir. Wir haben. Gesucht nach einem, wie soll man sagen, Begriff oder einem Namen für den Verlag, der aussagt, wir wollen etwas machen, was andere unterstützt, hilft, was vielleicht manchmal auch ein bisschen unsichtbar ist. So ein Verlag ist ja für die, die darin publizieren, eine Grundstruktur, um ihre Bücher irgendwie dann in die Welt zu bringen. Und da sind wir dann auf Lucia Moholy gestoßen, die einfach lange Jahre auch in Vergessenheit war oder nie auch von den BauhäuslerInnen, die von ihr profitiert haben, ihr Mann, aber auch Walter Gropius zum Beispiel, für den sie viele Fotos gemacht haben, die er dann später unter seinem Namen immer verkauft haben. Also einfach eine eigentlich für das Bauhaus und vor allen Dingen die Rezeption auch sehr wichtige Persönlichkeit, die aber zu Lebzeiten und ja nie so. Die Wertschätzung dafür erhalten hat, die eigentlich auch im Hintergrund der Männer da immer stand.
Ja, und die fanden wir einmal, wollten wir sie in den Vordergrund mal rücken, aber fanden auch, dass der Name passt, weil sie Ähnliches geleistet hat, was wir vielleicht auch mit dem Verlag leisten möchten. Also Dinge möglich machen, Themen gut kommunizieren. Also sie war ja auch als Fotografin einfach, hat da die Rezeption des Bauhaus geprägt mit ihren Bildern.
Simon Frisch
Ja, genau. Also so eine schöne Geschichte und so einleuchtend. Also mir hat das immer gefallen. Also allein der Name Lucia Verlag so ein bisschen, man ahnt es ja, spielt so ein bisschen mit. Aber jetzt, wo du es so erzählst, das ist ja zutiefst sehr ausdifferenziert, durchdacht und passt absolut zu dem Projekt, wie wir es jetzt gerade durchdacht.
Jonas Malzahn
Wir sind irgendwann auf sie gestoßen, ist.
Simon Frisch
Dann gar nicht zu Ende und dann stimmt dann einfach, passte das einfach sehr gut, passt davor. Vielen Dank. Super. Kommen wir zu dieser Frage zurück. Initiativen heute, Wie nimmst du es jetzt Perspektivwechsel? Natürlich, du bist jetzt nicht mehr Studierender. Wie nimmst du das wahr?
Wie wäre deine Subjektive? Natürlich, wir sind ja immer nur.
Jonas Malzahn
Genau, also ich denke, das ist immer noch genauso möglich. Es zeigt ja auch Horizonte gibt es noch, die Zeitschrift gibt es noch, der Lucia Verlag läuft weiter und ich weiß jetzt nicht, wievielte Generation das dann schon an Studierenden ist, die das dann die Initiativen weiterführen. Also das funktioniert. Sie haben immer noch die Räume und ich glaube, das zeigt auch, dass es die Möglichkeit gäbe, neue Initiativen zu gründen. Ich glaube, da ist gerade auch hier in Weimar. Das Potenzial oder die Möglichkeitsräume sehr groß, weil einfach die Wege kurz sind, man eigentlich relativ schnell Mitstreiterinnen und Mitstreiter, glaube ich, findet. Natürlich, Ich fand damals die Zugänglichkeiten zu den Leuten, die wir brauchten in der Leitung der Fakultät oder so.
Waren gut und die waren immer für uns irgendwie auch als Studierende gut erreichbar und haben sich dem auch angenommen und waren offen dafür. Ich glaube, das ist immer noch so. Kann sich auch geändert haben. Ich glaube, da kommt es aber auch immer so ein bisschen auf den bisschen Mut an, da einfach mal jemanden anzusprechen. Wir haben das jetzt vor.
Ist das möglich? Können Sie uns helfen? Und natürlich muss man da ein paar Klinken putzen. Du hast gesagt, manchmal hat man an einem Tag, sagt er vielleicht ja am anderen Tag, ne? Ich glaube, so ein bisschen Beharrlichkeit gehört auch dazu. Und man kann sich natürlich auch so ein bisschen außerhalb der universitären Strukturen noch mal gucken, was es da gab. Also wir haben uns dann auch zum Beispiel an solche Dinge wie die STO-Stiftung, also Stiftungen gewendet, um Mittel zu akquirieren, dass wir gar nicht mehr auf universitäre Förderung so angewiesen sind zum Beispiel.
Und da gibt es schon auch Stiftungen oder Fördermöglichkeiten, die gerade solche Initiativen von Studierenden für Studierende auch fördern. Natürlich ist das auch, muss man die finden.
Simon Frisch
Das finde ich wirklich gerade auch noch mal einen schönen Gedanken, also insgesamt eine Ermutigung an alle, die das jetzt hier hören zu ach, ich werde jetzt mal initiativ. Also was will ich denn machen? Worauf freue ich mich, wenn ich am Abend ins Bett gehe, dass ich morgen wieder aufstehe? So klang das jetzt auch alles. Also dass man wirklich so sagt, nicht was brauche ich noch, damit mein Studium hinter mir irgendwann liegt, sondern wie nutze ich das hier? Wie nutze ich die Räume? Wie nutze ich die Potenziale, dass da ein Feld entsteht, das dann mein ganzes Leben prägen kann und nicht nur meine, nicht nur mein Zeugnis oder sowas.
Da finde ich dieses Feld der Initiativen ziemlich interessant, das nach wie vor noch. Und jetzt auch noch mal den Aspekt, wo du Wenn man sich abhängig macht von Fördergeldern, dann ist man natürlich sehr abhängig von den Fördergeldergebern und Geberinnen. Und wenn man aber selber auf die Jagd geht und weiß, wo die Pilze wachsen und wo die Fische so weiter, wo man sich die holt, dann macht es auch nichts, wenn die Leute im Restaurant sagen, heute kriegst du nichts, weil man ja weiß, wo man es herbekommt. Und das geht im Leben ja dann die ganze Zeit so weiter. Eigentlich besteht das Leben, Wo kriege ich meine Ressourcen her? Und wenn man Projekte hat, dann muss man gucken, wo man. Und meistens sind es Förderstrukturen.
Bis weit in die Industrie hinein sind das immer Förderstrukturen. Ganz toll. Also wechseln wir mal nochmal unser Gesprächsthema ein bisschen die Lehre gehen wir nochmal. Du bist ja auch jetzt Lehrperson und zwar in Studiengängen. In welchen Studiengängen lehrst du und was für Veranstaltungen?
Jonas Malzahn
Hauptsächlich in der Architektur und Urbanistik. Da können auch Studierende die Seminare oder Kurse belegen, die ich anbiete oder die wir von der Professur anbieten. Genau. Und da bin ich.
Simon Frisch
Was für Kurse bietest du zum Beispiel an? Was war so in den letzten Jahren, in den letzten zwei, drei Semestern.
Jonas Malzahn
Die letzten Seminare, Wir beschäftigen uns an der Professur viel mit der Transformation unserer Städte hin zu nachhaltigen Städten. Was heißt das, dass Städte klimaneutral werden? Das beschäftigt uns. Dazu gehört zum Beispiel die Verkehrswende. Da haben wir in den vergangenen Semestern mit dem Seminar „Bauten der neuen Mobilität“ Typologien untersucht, die sozusagen diese Verkehrswende. Ich wollte jetzt sagen, illustrieren sozusagen. Also es gab. In der Zeit des Automobils der verkehrsgerechten Stadt, da haben sich halt Typologien herausgebildet wie Drive in, Banken, Tankstellen, alles fürs Auto. Und wir beobachten jetzt, dass es natürlich durch vermehrten Fahrradverkehr in den Städten, die Besinnungen auf den Fußverkehr, also Thema der 15-Minuten Stadt, da sich jetzt auch Bauten Typologien herausbilden, die natürlich für diese Verkehre da sind, also Fahrradparkhäuser, Brückengebäude. Aber auch natürlich sowas wie der Bahnhof Mobility Hub. Verändert sich, weil es viel wichtiger wird. Damit wir nicht mehr so viel Auto fahren, sondern wirklich gut mit den Öffis oder mit dem Fahrrad fahren können, brauchen wir halt diese gut ausgebildeten Knotenpunkte damit eigentlich das Schwierige ist ja immer den guten Umstieg zu schaffen, wenig Zeit zu verplempern, den Weg zu finden, vielleicht auf dem Weg von Bahn über Fahrrad zur Arbeit noch irgendwas erledigen zu können. In diesem Seminar haben wir diese Typologien mit den Studierenden uns angeschaut, was es da gibt, die aufgenommen, durchgezeichnet und besprochen. Durchgezeichnet heißt sozusagen analysiert, dass die Studierenden auch einmal sich das wirklich vergegenwärtigen. Was ist denn das Neue vielleicht daran?
Ist das wirklich ein Bau der neuen Mobilität? Was heißt dieses Neu oder ist das vielleicht eigentlich auch was, was wir schon immer haben, nur noch nicht so wahrgenommen haben, jetzt eine neue Wichtigkeit bekommt? Das waren angeregte Diskussionen, die wir auch hatten. Die Studierenden haben unterschiedliche Bauten vorgestellt und dann haben wir diskutiert, ist das wirklich was Neues? Was leistet dieses Fahrradparkhaus, was vielleicht ein anderes Parkhaus nicht leistet oder diese Brücke? Warum ist sie jetzt ein Bau der neuen Mobilität oder nicht? Genau das haben wir gemacht und im letzten Semester habe ich ein Seminar angeboten, das hieß „tut sich was“?
Da haben wir europäische Städte betrachtet im Hinblick darauf. Dass sich jetzt ja viele dieser Städte sind in unterschiedlichen. Initiativen. Climate Neutral Cities 100 oder ähnlichen, C-Forty Cities, also die alle sagen, wir tun was, um klimaneutral zu werden, um unsere Stadt zu transformieren.
Simon Frisch
Was Bedeutet die Zahl 100?
Jonas Malzahn
Es gibt Förderprogramme von der EU, da können sich Städte drauf bewerben mit ihren Klimaschutzmaßnahmen, Klimaanpassungsmaßnahmen und werden dann ausgewählt und kriegen dann von der EU Förderung, haben die Möglichkeit, sich mit anderen Städten zu vernetzen. Genau aus diesem Pool eigentlich der Städte, die erstmal nach außen und durch diese Förderung zeigen wir tun viel, wollten wir mal machen die wirklich was, was passiert da in diesen Städten? Sind diese Transformationen schon sichtbar oder nicht? Und da haben wir in dem Seminar gemeinsam. Wieder, vielleicht habe ich gewählt, ein Format der Redaktion, also wir haben eine Zeitung sozusagen war das Ziel zu machen und die einzelnen Seminarteilnehmerinnen waren sozusagen die Autoren, die Redakteure dieser Zeitung und haben sich eine Stadt ausgesucht, die sie dann über das Semester hin in verschiedenen Editorial Meetings haben wir sie genannt, also wir haben uns immer zum Seminar in unserem Editorial Meeting getroffen und dann bestimmte Fokuspunkte besprochen. Die sie unter recherchiert haben zu ihrer Stadt. Da ging es darum zum Beispiel, also ganz am Anfang erstmal, okay, was ist die Ausgangslage der Stadt geografisch, aber auch ökonomisch, also was ist vielleicht spezifisch für diese Stadt, was dann auch auf ihre Klimaanpassung Auswirkungen hat.
Dann sind wir tiefer eingestiegen und haben uns diese ganzen Dokumente, die die Städte anlegen, also ihre Pläne zur Klimaanpassung angeschaut, zum Klimaschutz, was sind ihre Ziele der Stadt. Viele Städte sind da auch ganz offen oder scheinen transparent zu sein und bis 2030, 2040 wollen wir klimaneutral werden. Und der nächste Schritt war dann, okay, wir haben geguckt, was für Maßnahmen sind denn schon umgesetzt worden und am Ende hat dann jeder Autor, jede Autorin der Zeitung sozusagen einen Artikel geschrieben über ihre Stadt tut sich was tut sich nichts, tut sich zu wenig. Also eine eigene Einschätzung gegeben, die Stadt vorgestellt und ihre Bemühungen. Genau, das waren so.
Simon Frisch
Also kann ich sehr gut nachvollziehen. Kurzer Werbeeinsprengsel, wer zu der Arbeit der Professur Steffen de Rudder mehr wissen will, kann sich auch noch den zugehörigen Podcast, den ich mit Steffen de Rudder selber gemacht habe, wo er schon angedeutet hat, Klimaneutralität, Transformation der Städte und so weiter. Dein Format, dein Zugang, wie du das methodisch machst. Also das Setting, die Dramaturgie des Seminars leuchtet mir sehr einfach. Nicht nur, weil du aus der Verlagserfahrung möglicherweise so geprägt bist, sondern weil letztlich das Seminarmachen auch so ein bisschen was editorisch Verlegerisches hat. Man bringt ein Thema in die Welt und setzt das gemeinsam um. Man ist gewissermaßen als Seminarleiter, Seminarleiterin, Redaktionsleitungs oder Verlagschef oder was in der Richtung.
Jonas Malzahn
Ich habe nicht versucht immer zurückzunehmen, sondern auch diese Rolle des. Der Editorial Meetings, dass jeder mal sozusagen die Aufgabe hat, dieses Meeting zu leiten. Also ich habe mich da eher auch in der Rolle gesehen. Natürlich irgendwie habe ich was vorgegeben, dass wir das in diesem Setting machen, aber dann waren die Teilnehmerinnen relativ frei darin, auch ihr Meeting zu gestalten, da durchzuführen.
Simon Frisch
Was mir daran gefällt, ist, dass ich in einem Schreibseminar, da hatten wir mal so, also da ging es um universitäres akademisches Schreiben und das hatten wir verschiedene Austauschrunden neben den praktischen Anteilen eben auch. Und da gab es eine Runde, die eigentlich ein bisschen traurig und frustriert war, wo Alles, was ich schreibe, liest eigentlich niemand. Und was ja stimmt, Also zwei, drei Leute lesen es, bewerten es und dann gibt es eine Note und das war's dann. Also die Kommunikationsidee des Schreibens, des verbalen Austausches, die ist eigentlich im akademischen Hausarbeiten Betrieb gar nicht gegeben. Und jetzt habt ihr aber das Format Komm, wir denken gleich in Hinsicht auf einen Artikel an eine Leserschaft, ein Auditorium, Publikum und so weiter und so weiter.
Jonas Malzahn
Das war natürlich auch eine Herausforderung, glaube ich, auch für die TeilnehmerInnen. Weil man sich da wirklich auch überlegen muss, okay, es ist ein Zeitungsartikel, Sie haben eine Doppelseite in der Zeitung bekommen, das sind. Bisschen mehr als 4000 Zeichen inklusive Leerzeichen, das ist jetzt nicht besonders viel, Dann muss man das noch illustrieren mit guten Abbildungen, gegebenenfalls Grafiken. Das ist schon eine Herausforderung zu sagen, diese Flut oder diese Menge, die man natürlich auch recherchiert zu seinem Thema, zu seiner Stadt, das dann auf diese Kürze zu runterzubrechen, dabei auch im Kopf zu haben okay, wer ist eigentlich meine Leserschaft? Also ich habe nicht umsonst die Zeitung gewählt, sollte nicht in unserem Fachdiskurs bleiben, sondern so formuliert sein, dass das ja wirklich auch alle außerhalb und dazwischen lesen können und interessiert finden können. Genau das haben wir auch während des Seminars besprochen, was da wichtig ist bei der Gestaltung, bei der Formulierung so eines Textes, bei der Auswahl der Bilder.
Dass man da immer im Blick hat, auch für wen schreibe ich das? Was ist vielleicht auch mein Narrativ? Dass man sich überlegt, dass man einen Spannungsbogen vielleicht auch hat, Wo kann ich vielleicht meine Informationen ein bisschen runterbrechen? Wo ist aber wichtig, Fakten auch zu nennen? Das waren Themen, die wir dann auch in unseren Editorial Meetings dann besprochen haben. Was ist jetzt gerade wichtig zur Bebilderung des Artikels zum Beispiel? Wo finde ich Bilder?
Wie gehe ich dann auch damit um mit den Quellen? Wer will genannt werden, muss genannt werden? Wo finde ich vielleicht auch Quellen, die ich Creative Commons mäßig nutzen kann? Bei der Darstellung von Grafiken ist ja auch beim Thema Klimaneutralität spielt dann natürlich die OK Emissionen, Mit was werden sie verglichen? Was bezieht die Stadt überhaupt. In ihre Messungen ein, in ihren Klimahaushalt? Ist es nur der Verkehr zum Beispiel, der in der Stadt stattfindet?
Wird auch der Durchgangsverkehr berücksichtigt? Welche Industrien spielen mit rein? Das waren wirklich komplexe Themen, die wir da auch in einer relativ kurzen Zeit besprochen haben. Da konnte natürlich nicht alles in der Tiefe durchgegangen werden, aber mir war wichtig, da den Teilnehmerinnen einfach zu vermitteln. Es kommt auch darauf an, eine Auswahl zu treffen, zu wissen, wo man vielleicht was findet, wie man damit umgeht, dass man auch, wenn man eine. Gute grafische Darstellung hat, da dann noch mal drauf schaut, okay, wie sind die Angaben gemacht, Versteht das jemand, der nicht Physiker, nicht Meteorologe ist oder wie kann ich den Graphen, den ich da gerne zeigen möchte, dann so nochmal vereinfachen, dass er trotzdem noch. Richtig ist, aber einer breiteren Leserschaft dann auch zugänglich ist.
Simon Frisch
Also die Leserschaft Orientierung am Ende strukturiert irgendwie auch schon den ganzen Prozess. Das ist tatsächlich oftmals eine Hilflosigkeit, die entsteht, wenn man so Hausarbeiten oder sowas schreibt, wo man als Leser, also die Adressierung ist eigentlich eine Prüfungsperson und das ist eigentlich ein merkwürdiger Leser, was will man dem eigentlich mitteilen, außer ich kann das alles, was du erwartest. Und das ist auch eine komische Textform, die man dann macht. Also das muss man wahrscheinlich anders moderieren. Dann sagt man eben. Die Hausarbeit oder der Text ist eigentlich ein Selbstgespräch, das man da schreibend mit sich selber führt und darüber man sich selber aufschreibt, worüber man eigentlich Klarheit haben will. Und das habt ihr ganz anders geframed.
Dann habt ihr Gruppen, dann habt ihr da Gruppen gebildet. Wie habt ihr das mit der Recherche gemacht? Stellt ihr das Datenmaterial zur Verfügung oder die Datenbanken oder noch nicht mal das.
Jonas Malzahn
Wir haben Tipps gegeben, Literaturtipps, Quellentipps. Aber darüber hinaus war auch die Recherchearbeit bei den Studierenden, also da wirklich zu finden. Wir haben auch darüber gesprochen, OK, wo findet man Dinge, welche Quellen muss man nochmal vielleicht genauer checken, wo muss man noch mal genauer reingucken, was sind eigentlich vertrauenswürdige Quellen? Genau darüber haben wir gesprochen. Das war auch dann immer ein Thema.
Also die Studierenden haben dann ihre Funde sozusagen ihre Rechercheergebnisse vorgestellt, sich gegenseitig und dann haben wir besprochen, okay, was ist da jetzt wichtig, wo hast du es gefunden, aber wo sind vielleicht auch Fehlstellen, wo hat man vielleicht mal nichts gefunden, weil das sind ja auch interessante Themen, okay, wo. Stadt XY, da finde ich jetzt gar nichts zu den Zahlen, was da, keine Ahnung, die Schwerindustrie an Emissionen in die Luft ballert, woran liegt das? Das kann man ja dann auch thematisieren, wenn es vielleicht Fehlstellen gibt über solche Dinge. Quellenlagen haben wir dann auch besprochen. Natürlich über so ein Semester geht das. Da könnte man ein eigenes Seminar, eigene Lehrveranstaltungen zu machen, aber ich glaube, es ist wichtig, sowas einfach auch mal in so einem Rahmen. Okay, wenn ich jetzt so einen Text schreibe, wie gehe ich da mit meinen Quellen um.
Welche brauche ich, wo finde ich sie? Dass man da einfach Anhaltspunkte hat für auch ein nächstes Mal schreiben, vielleicht auch in einen anders gearteten Text, dass man aber sowas einfach mal gehört hat und da vielleicht darauf zurückgreifen kann, wenn man.
Simon Frisch
Dann später im Umweltamt oder im Bauamt oder sowas arbeitet. Ich bringe jetzt mal Ämter ins Spiel, dann muss man ja Entscheidungen treffen in diese oder jene Richtung und das muss man auf Grundlage von Datenlage und Information tun. Und wenn ich jetzt da richtig raus höre, lernen die Studierenden wachsam aufmerksam zu werden in solchen Prozessen und zu sagen, da gibt es diese und jene und man muss Daten immer lesen und interpretieren. Die Daten selber sagen erstmal nicht, was das Richtige ist oder was das Falsche ist. Sie stehen immer in einem Kontext von Vorhaben oder Strategien und das habe ich jetzt auch gehört. Also da gibt es Städte, die haben Strategien und dann suchen sie nach Maßnahmen, um diese Strategien umzusetzen und so weiter.
Also hier haben wir es auch mit Umsätzen zu tun oder auch mit Umsatz, also auch wieder etwas in die Welt bringen, Prozesse in die Welt umzusetzen. Wir haben jetzt noch knappe fünf Minuten. Eigentlich gibt es noch etwas, was wir vergessen haben, wo du, da will ich nachher noch unbedingt dazu kommen, aber jetzt sind wir gerade so schön im Gespräch.
Jonas Malzahn
Mir ist gerade noch eingefallen beim Thema Texte machen. Du hattest angesprochen, man schreibt seine Hausarbeiten und schreibt sie nur für seinen Professor, für den Prüfer, die Prüferin. Da ist mir in den Sinn gekommen, mit Horizonte, mit der Zeitschrift haben wir auch immer einen Open Call herausgeben. Das heißt, nicht alle Inhalte sind durch die Vortragsreihe zustande gekommen, sondern wir haben auch immer externe AutorInnen und Autoren, das waren andere Studierende, aber auch wissenschaftliche MitarbeiterInnen an einer Universität. Also eigentlich einen freien Aufruf gemacht, Schickt uns zu einem Thema XY, was wir als Heftthema hatten. Euren Vorschlag, was wir dazu doch publizieren könnten und dann hatten wir wirklich die Qual der Wahl.
Auch da gab es viele Einsendungen. Wo ich darauf hinaus will, ist, dass das ja auch eine Möglichkeit ist als Studierender. Solche Open Calls gibt es von anderen. Zeitschriften auch bestimmt in anderen Fachbereichen noch mit anderen Themensetzungen, dass man da einfach Ausschau hä Wo bringe ich vielleicht den Text, den ich für mein Seminar geschrieben hab? Kann ich ihn vielleicht noch unterbringen? Dass man da auch, wie du gesagt hast, vielleicht noch so einen größeren Mehrwert hat oder seine Ideen, seine Meinungen, seine wissenschaftlichen Inhalte, die man während des Studiums da generiert hat, dann auch noch mal woanders lässt, außer an der Uni und vielleicht in seinem Hausaufgabenheft, nenne ich es jetzt mal, sondern dass man da auch die Möglichkeiten gibt es. Da muss man natürlich nachschauen.
Aber ich hatte ja die anderen auch Architektur Scenes angesprochen. Also da gibt es, ich kann das jetzt nur von der Architektur sagen oder dem Städtebau, da gibt es diese Zeitschriften, wo man auch als Studierender Texte unterbringen kann und schreiben kann. Und ich glaube, das sind gute Gelegenheiten, die dann auch für die Zeit nach dem Studium wichtig ist, weil dann kann man, wenn man sich irgendwo bewirbt, auch schon mal angeben, hier, ich habe schon mal in der Horizonte in der Zeitung XY einen Text geschrieben und wenn man sich vielleicht auch gerade für sowas interessiert. Eine berufliche Laufbahn bei einer Zeitschrift oder sowas, da ist das natürlich dann Gold wert, was schon mal irgendwie sagen zu dürfen, mal zeigen zu können, dass man da schon mal einen Text publiziert hat.
Simon Frisch
Absolut. Also wir haben in dem Gespräch sehr viele Wege und Möglichkeiten und Felder aufgezeigt, wie man die Universität als ein Studienfeld bereichern oder auch Schätze heben kann, die gar nicht immer unbedingt aus den Strukturen unmittelbar angeboten werden. Es gibt vielfältige Möglichkeiten, Studium zu gestalten. Man muss nicht immer auf Verrechnungen und Abbildbarkeiten und sowas. Gerade im Gespräch immer wieder auch auf deiner Lehrseite waren, war deutlich geworden, dass Kompetenzen sehr, sehr unterschiedlich verteilt sind und auch erworben werden, nicht nur, weil sie in den Überschriften stehen, sondern einfach aus den vielfältigen Projekten und Prozessen heraus, die man hier finden und gestalten kann. Ein sehr bereicherndes und hoffentlich ermutigendes, inspirierendes Gespräch für Initiativen an der Universität. Ich danke dir sehr, Jonas, für dieses schöne Gespräch.
Jonas Malzahn
Danke für das Gespräch.
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