Ep. 43 – Gespräch mit Silke Beinersdorf

Shownotes

Wie bildet man Ingenieurinnen und Ingenieure für eine Welt aus, in der Naturgefahren, Klimawandel und globale Vernetzung zur alltäglichen Realität gehören? In dieser Episode spricht Simon Frisch mit Silke Beinersdorf, Fachstudienberaterin, Lehrende und Forscherin im internationalen Masterstudiengang Natural Hazards and Risks in Structural Engineering, über Lehre zwischen Forschung, Praxis und persönlicher Begleitung.

Silke Beinersdorf erzählt von einem Studiengang, der konsequent international, forschungsnah und interdisziplinär angelegt ist: vom Umgang mit der Naturgefahr Erdbeben als Ingenieur*in über Gebäudeaufnahme und Risikoabschätzung bis hin zu Strukturdynamik und Finite-Elemente-Methoden. Sie beschreibt, wie aktuelle Forschung direkt in die Lehre einfließt, warum Lehrbücher oft nicht ausreichen und weshalb Projekte ein zentrales Element des Studiums sind. Besonders im Fokus stehen die Studierenden selbst, ihre unterschiedlichen Hintergründe, ihre Motivation und die Herausforderung, sie in kurzer Zeit auf ein gemeinsames Arbeitsniveau zu bringen.

Das Gespräch kreist um Beratungsgespräche, Wahlmöglichkeiten und Überforderung, um DAAD-Stipendien, internationale Lerngruppen und um das Lernen als sozialen Prozess. Es geht um gute Lehre, um Begeisterung für Inhalte, um Scheitern und Nacharbeiten und um Ingenieurinnen und Ingenieure als Problemlöser, die lernen müssen, Verantwortung zu übernehmen. Eine Episode über Studium als prägende Lebensphase, über globale Netzwerke und über die Kunst, Wissen zwischen Magie und Handwerk weiterzugeben.

Unser Host: Dr. Simon Frisch ist Vizepräsident für Lehre und Lernen an der Bauhaus-Universität Weimar und er leitet die Dozentur für Film- und Medienwissenschaft. Er interessiert sich besonders für die spezifische Praxis der Theorie und für die ostasiatischen Wegkünste sowie die Spaziergangswissenschaft als Perspektive und Methode in Lehre und Forschung.

Mitwirkende: Host: Simon Frisch Sound-Design und Schnitt: Jonas Rieger, Moritz Wehrmann Musik: Sebastian Lederle Artwork: Andreas Wolter Ton und Technik: Steven Mehlhorn, Moritz Wehrmann Marketing und Social Media: Claudia Weinreich, Marit Haferkamp Juristische Beratung: Laura Kister Transkript: Natalie Röhniß Produzentin: Nicole Baron Distribution: Ulfried Hermann, Jonas Rieger

Folgenwebsite: www.uni-weimar.de/lehre-podcast

Weiterführende Links: https://www.uni-weimar.de/de/bau-und-umwelt/studium/master-of-science/natural-hazards-and-risks-in-structural-engineering/fachstudienberatung/

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Transkript anzeigen

Silke_Beinersdorf_Transkript

Simon Frisch

Das Mikrofon geht auf und zwei Stimmen treten auf. Die eine Stimme, die jetzt spricht, gehört dem Vizepräsidenten für Lehre und Lernen von der Bauhaus Universität. Simon Frisch ist mein Name und ich bin als Lehrperson, aber auch in dem Amt sehr interessiert über Lehre und Lernen. Habe die Erfahrung gemacht, dass man am besten beim Reden über Lehre und Lernen mit Leuten, die damit zu tun haben, zu einer Sprache findet, was wir da eigentlich machen, was wir da eigentlich tun, wo die Schwierigkeiten liegen, was eigentlich unser Wissen ist, das sich irgendwie zwischen Magie und Handwerk bewegt. Darum heißt der Podcast auch so. Und heute habe ich Silke zu Gast, Silke Beinersdorf. Als wer wirst du denn mit mir sprechen?

Silke Beinersdorf

Ja, ich habe eigentlich mehrere Rollen. Ich bin zum einen die Fachstudienberatung des Studiengangs Natural Hazard and Risk Instructional Engineering. Das ist ein internationaler Studiengang an der Fakultät Bau und Umweltingenieurwissenschaften. Des weiteren bin ich Lehrende in dem Studiengang, habe also auch dahingehend Kontakt mit unseren Studierenden. Und dritte Rolle ist dann auch die Forschung, weil wir sehr forschungsorientiert auch lernen und versuchen auch forschungsrelevante Themen in die Lehre reinzubringen. Sprich, eigentlich habe ich drei Rollen, zwischen denen ich immer hin und her springe.

Simon Frisch

Und du bringst alle Rollen auch ein in die jeweils anderen Rollen, wenn ich das richtig verstanden habe.

Silke Beinersdorf

Ja, also das ist eigentlich keine ganz strikte Trennung, nur die Fachstudienberatung, nur die Lehre, nur die Forschung. Eigentlich fließt es ineinander über. Natürlich versucht man die Fachstudienberatung ein bisschen zu trennen, aber Lehre und Forschung gehen da schon auch stark zusammen, weil die Themen, die ich unterrichte, sind schon sehr vom Wandel einfach beeinflusst von den Anforderungen an gegebenenfalls die Studierenden nach dem Studium. Und da denkt man immer wieder drüber nach, welche Inhalte kann man jetzt schon in Lehre bringen, weil das vielleicht mal ein Punkt sein wird, den die Studierenden draußen dann in der Praxis brauchen, weil es auf sie zukommt.

Simon Frisch

Das heißt über Lehrbücher hinaus oder ich weiß gar nicht, ob es überhaupt Lehrbücher gibt in dem Feld. Also so klassische, wie es in anderen Studienrichtungen und Fachrichtungen gibt, bist du immer an der aktuellen Forschung dran und die fließt direkt nach Möglichkeit jeweils ins nächste Semester wieder mit ein?

Silke Beinersdorf

Ja, eigentlich schon. Also zum einen lehren wir oder ich Kollegen geografische Informationssysteme und Gebäudeaufnahme und die Gebäudeaufnahme ist ganz stark an unseren Forschungsthemen dran und es geht dann weiter in ein zweites Modul, das sich mit multiplen Naturgefahren beschäftigt, Risikoabschätzung. Und da gibt es nicht so viel fachlich, also so viele Lehrbücher ist mir gar nicht bewusst, denke ich immer drüber nach, noch mal eins zu schreiben. Da arbeitet man ganz viel mit wissenschaftlichen Papern, die den Stand der Technik abbilden, den man den Studierenden an die Hand gibt zum Lesen, wo man sich da Das ist ein ganz schnell wachsender und sehr interessanter Forschungszweig, der sehr interessant ist durch den Klimawandel immer mehr und dadurch ist man da schon stark auch immer an der Forschung dran, weil schnell der Wandel zu beobachten ist. Viele beschäftigen sich auch mit dem Thema, was total spannend ist.

Simon Frisch

Nochmal zurück, Gebäudeaufnahme. Was stellen wir uns darunter vor?

Silke Beinersdorf

Gebäudeaufnahme. Also ich komme aus dem Bereich quasi Naturgefahren, bin Erdbebeningenieur und da geht es immer Wir haben ein Ereignis, vielleicht zum Beispiel ein Erdbeben und Gebäude werden geschädigt und als Ingenieure können wir viel daraus lernen, welche Gebäude wurden geschädigt und welche nicht. Wir haben ein bestimmtes Erdbeben, das hat Schäden verursacht und jetzt müssen wir einschätzen, wieso, weshalb, warum, was sind die Gründe, wie ist die Verletzbarkeit der Gebäude? Und da haben wir eine ganz strukturierte Herangehensweise, sortieren die Gebäude in Klassen ein und was es da noch als Tool gibt, was wir stark verwenden, ist die europäische makroseismische Skale. Also eines meiner Forschungsthemen ist die Makroseismik und da spielt die Verletzbarkeit der Gebäude eine große Rolle. Und wir bringen den Studierenden bei, wenn ihr keine Daten habt und die haben sie für gewöhnlich nicht, wie bewerte ich die Verletzbarkeit meiner Gebäude? Weil wenn eine Naturgefahr sich ereignet, wie stark könnten die potenziell geschädigt sein, um dann in diese Risikoszenarien zu kommen? Was vielleicht mal ein Entscheider der Regierung, Bürgermeister, die brauchen vielleicht sowas, um festzulegen, wo werden Gebäude gebaut, wo nicht, wo lege ich ein Industriegebiet hin, wo nicht, was ist eine sinnvolle Entscheidung und vielleicht auch für den einzelnen Ingenieur, der Schäden begutachten muss. Überall kann das im Endeffekt eingesetzt werden, gibt verschiedene Methoden das zu tun. Wir verfolgen eine, wo man schon mit wenigen Parametern zu Entscheidungen kommen kann und nicht ganz detailliert die Gebäude aufnehmen muss. Bauwerkspläne haben muss, wenn man die hat, ist natürlich toll, aber es geht auch schon einfacher. Und das ist das, was wir den Studierenden an die Hand geben, weil sie gegebenenfalls, wenn sie in diese Richtung gehen oder diese Problemstellung haben, wissen, wie sie damit umgehen sollen.

Simon Frisch

Wir lesen in der Zeitung in den letzten Wochen, Monaten und so weiter immer Neapel, Istanbul, weiß ich nicht, war mal immer wieder groß in der Zeitung, wer weiß, wie lange steht es noch. Solche Regionen sind dann wichtig für die örtliche Verwaltung, um Leute zu haben, die bei euch im Studiengang studiert haben.

Silke Beinersdorf

Auf jeden Fall. Und Istanbul ist ein ganz spannendes Thema, wenn man bedenkt, Istanbul ist ein riesiger Siedlungsraum, da könnte man nicht Gebäude für Gebäude aufnehmen. Und da nutzen wir dann Methoden, die nennen sich Random Urban Method. Das heißt, man nimmt statistisch eine Anzahl an Gebäuden, die wählt man aus und nur die werden aufgenommen. Auch das ist eine Methode, die wir den Studierenden zeigen, dass sie die nutzen können, um auch in solchen großen Ballungsräumen trotzdem zu einer Einschätzung zu kommen. Weil Istanbul ist tatsächlich ein Bereich, es könnte passieren jederzeit. Es ist nur noch ein ganz kleiner Bereich der Verwerfung in der Mamara See, der noch nicht versagt hat. Und wenn der versagt, dann könnten wir da schon mit einem sehr großen Ereignis im Mittelmeerraum rechnen und auch da mit den Auswirkungen. Und da ist es dann schon wichtig zu wissen, wie wird sich die Bebauung verhalten und wie stark könnten die Schäden sein, weil da ganz viele Personen eigentlich dran interessiert sein sollten, um vorbereitet zu sein.

Simon Frisch

Da fließt also Wissen ein, auch von Geologinnen und Geologen, also aus dem Bereich oder sind die Verwerfungen Teil eurer Studieninhalte?

Silke Beinersdorf

Einerseits sind sie Teil. Also das ist das Schöne an dem Studiengang. Es ist nicht nur das konstruktive Bauingenieurwesen. Wir haben zum Teil Geologen quasi, also der Input, der kommt von den Kollegen von der Geotechnik, aber auch Seismologen. Da haben wir auch eine Zusammenarbeit mit Geoforschungszentrum Potsdam auch selber. Wir in der Lehre bringen diese Themen unter. Das ist halt sehr breit gefächert. Und das ist eigentlich das Spannende an dieser Fachrichtung, dass wir auch mit sehr vielen Personen zusammenarbeiten können, die aus ganz anderen Fachrichtungen kommen, nicht das reine Bauingenieurwesen. Und da ist es auch wichtig zu vermitteln: Was ist wichtig den anderen Fachrichtungen, wenn wir miteinander reden, dass wir wissen, über welches Vokabular verfügen die anderen, damit wir nicht aneinander vorbeireden. Und das ist eigentlich eine ganz spannende Geschichte, was auch diese Ausrichtung des Bauingenieurwesens für mich persönlich sehr spannend macht.

Simon Frisch

Das ist ein konsekutiver Studiengang, ein Master und der ist konsequent auf Englisch. Komplett auf Englisch.

Silke Beinersdorf

Der ist komplett auf Englisch, obwohl wir natürlich unsere Studierenden dazu ermuntern, auf jeden Fall auch Deutsch zu lernen. Und tatsächlich arbeiten auch viele von unseren Absolventen hier in Deutschland. Das heißt, die verfolgen das auch selber. Da müssen wir uns gar nicht so sehr drum kümmern. Natürlich ihnen diese Option im Stundenplan eröffnen, dass sie das machen können. Aber die Lehre ist komplett auf Englisch.

Simon Frisch

Wer unterrichtet alles in dem Studiengang?

Silke Beinersdorf

Das sind ganz viele verschiedene Lehrende, also Professoren der Fakultät B & U, also Professor Morgenthal, Professor Kraus, Professor Staubach, Prof. Dr. Schwarz arbeitet jetzt noch mit, da ist gerade der Übergang, der hat es mit begründet und die Idee, wie wir das zusammenbauen, kam von ihm und Professor Asana Asju, die neu dazugekommen ist. Und auch diese Themen vertritt Professor Melsner, unter anderem dann noch die Kollegen vom ISM, also das ist ganz breit gefächert, Institut für Strukturmechanik, das ist in dem Fall zum Beispiel Professor Lamer, die quasi diesen Strukturdynamikteil behandeln. Der Studiengang ist schon so ausgerechnet, dass wir einen konstruktiven Ingenieur haben, der aber mit den dynamischen Anforderungen der Lasten klarkommen muss, die die Naturgefahr nun mal mit sich bringen und lernen muss, damit umzugehen, weil Gebäude werden normalerweise für die Gravitation bemessen, für die Kräfte von oben und sobald die starken horizontalen Kräfte auftreten und es ist nicht nur der Wind, können Gebäude dann schon zeigen, wo sie ihre Probleme haben. Und deswegen ist da natürlich ein ganz starker Fokus in unseren Fächern auch was wir dann an Fächern lernen, wo wir den Fokus darauf legen, auch die Infrastruktur, den Brückenbau, weil das sind natürlich Bauwerke, die stehen lange, die sollen sicher sein. Im Fall der Fälle müssen sie funktionieren, sie dürfen nicht versagen, um Ersthelfern zu ermöglichen, an den Ort des Geschehens zu kommen. Und deswegen ist das natürlich ein ganz wichtiger Teil bei uns im Studiengang. Aber im Endeffekt, ich würde sagen, ein ziemlich großer Teil der Fakultät trägt dazu bei, den Studiengang zu gestalten.

Simon Frisch

Das ist ziemlich spannend, das ist so vielfältig und Masterstudiengänge sind gar nicht so lang, wie ich mir jetzt vorstelle, von deinen Schilderungen her, wie man studieren müsste. Also diese vielen, vielen Aspekte. Jetzt bist du glücklicherweise Fachstudienberaterin und hilfst den Studierenden da einen Weg zu finden, dass das ein Studium wird, was dann auch das alles berücksichtigt. Wie machst du das?

Silke Beinersdorf

Zum einen haben wir den Kanon. Wir haben Pflichtfächer, Wahlpflichtfächer und natürlich den Wahlbereich, wo die Studierenden frei sind, was sie wählen können. Im Pflichtbereich ist all das integriert, von dem wir der Meinung sind, wenn man diesen Studiengang abschließt, sollte man das alles können. Zum Beispiel, man sollte sich auch mit Hochwasser auskennen. Das macht mein Kollege, der Dr. Maywald, Risikoszenarien auch in diesem Fall berechnen, weil das ist nun mal eine Problemstellung auch für viele der Studierenden, die zu uns kommen. Das ist ganz wichtig. Und dann haben wir einen großen Wahlpflichtbereich, wo die Studierenden einerseits viel ausprobieren können. Sie können in bestimmte Richtungen gehen, Sie möchten vielleicht mehr in die Strukturdynamik gehen oder mehr in die Risiken, ins Konstruktive vielleicht. Also das ist je nachdem, was so ihre Interessen sind. Es ist natürlich eine Challenge. Sie haben zwei Jahre und eigentlich sind die zwei Jahre zu knapp, um alles zu besuchen. Das ist tatsächlich das merken die Studierenden selber auch sagen: Eigentlich würde ich gerne noch dies machen und eigentlich noch gerne das Und der Bereich mit BIM bei Professor Koch, das muss ich auch noch irgendwie einbauen. Das ist für die wirklich eine Challenge, sich zu entscheiden, weil sie auch dazu neigen, sich zu überlasten.

Simon Frisch

Ja, das kann ich mir vorstellen.

Silke Beinersdorf

Also sie wählen so viele Module, wo ich wie viel hast du denn eigentlich gewählt? Ich würde dir vielleicht nicht empfehlen, überall die Prüfung schreiben zu wollen. Das schaffst du nicht. Da machst du dich total kaputt dabei. Das ist zu viel Workload. Das musst du, wenn dir ein bisschen verteilen. Viele machen auch tatsächlich ein bisschen länger, weil sie dann noch viele andere Module besuchen. Unsere Stipendiaten müssen in zwei Jahren fertig sein. Die haben diese Challenge, aber die anderen hängen oft dann auch noch ein Semester mehr dran oder zwei Semester, um das alles abzudecken, was sie interessiert. Weil das ist so eine Chance im Leben. Wenn der Master erst mal abgeschlossen ist und man geht dann raus in die Praxis, dann geht man nicht noch mal in Vorlesungen und eignet sich Wissen an. Dann ist man in der Praxis und hat viel zu tun. Dann fehlt einem die Zeit für sowas und obwohl man da vielleicht sehr interessiert dran ist. Deswegen ja, das ist eine große Challenge am Ende. Und ich versuche den Studierenden, die da auf mich zukommen, gut zu beraten, was so ihre persönlichen Interessen sind und dass sie es so hinbekommen, dass sie sich nicht selber überlasten, zufrieden mit dem sind, was am Ende dann rauskommt.

Simon Frisch

Wie machst du das? Wie findest du raus, was das für Interessen sind, die dir da gegenüber sitzen?

Silke Beinersdorf

Das ist normalerweise ein 1 zu 1 Gespräch. Die kommen zu mir, fragen mich, wie sie es organisieren sollen. Viele unserer Studierenden finanzieren sich ja ihr Studium selber, das heißt, sie arbeiten nebenher. Das heißt, geht es auch, welches Modul besuche ich, wann welche sind ganz wichtig, welches kann ich ein bisschen nach hinten schieben. Und dann versuche ich die schon zu interviewen, um zu schauen, wo soll es denn hingehen, Was sind deine Interessen? Manche wollen auch das ganz stringent machen und dann sage naja, aber jetzt hast du auch die Chance und Möglichkeiten. Denk drüber nach, dass vielleicht auch noch das eine Möglichkeit wäre, wenn dich das interessiert. Du musst nicht ganz rigoros diesen Pfad gehen. Du kannst auch ein bisschen abweichen und noch anderes Wissen mitnehmen. Bis jetzt ist das Feedback immer ganz positiv, wenn sie aus dem Gespräch rausgehen und zufrieden mit dem sind und sich dann irgendwie in der Lage fühlen, eine Entscheidung zu treffen, wie sie es dann am Ende gerne machen wollen.

Simon Frisch

Das klingt sehr spannend. Also der Studiengang selber ist von seiner Themenvielfalt ziemlich breit und du hast gerade von Pfaden gesprochen. Also Studierende können sich da Pfade ziehen innerhalb dieses Studiengangs und zwar in den unterschiedlich skalierten Wahlfreiheits- oder Pflichtverhältnissen, weil alles wählen kann man ja auch nicht, man weiß ja gar nicht, was wichtig ist. Und da geht einem dann das Curriculum an die Hand und die Sachen musst du können, wenn du rauskommst.

Silke Beinersdorf

Genau.

Simon Frisch

Und dann gibt es aber Pfade in dem breiten Spektrum an Möglichkeiten, da eine Kompetenz zu erwerben oder ein Kompetenzfeld sich anzueignen im Studium. Der Studiengang entwickelt sich die ganze Zeit weiter, weil er dauernd Forschung induziert. Also du bringst Forschung ein und alle bringen ihre Forschung direkt in den Studiengang, mehr oder weniger wahrscheinlich mehr oder weniger nachgelagert, aber doch einigermaßen zeitnah mit ein. Und dann hast du von Stipendiaten gesprochen, Das ist ja auch ein Studiengang, wir haben schon mal drüber gesprochen, der DAAD gefördert oder DAAD war das richtig?

Silke Beinersdorf

Genau.

Simon Frisch

Kannst du darüber ein bisschen was erzählen?

Silke Beinersdorf

Wir sind Teil des DAAD-EPOS-Programms und dort bekommen. Wir Stipendien oder Vollstipendien, können sich Studierende bewerben aus Entwicklungsländern. Da gibt es eine Liste vom DAAD, die da zugelassen sind, sich bewerben zu können, oft aus Ländern, die überhaupt nicht die Chance hätten, in Europa zu studieren, weil sie es finanziell nicht leisten könnten. Und das sind sehr gute Studierende, die werden ausgewählt. Es ist ein sehr umfangreiches Verfahren gemeinsam mit dem DAAD und die haben auch schon vorher Berufserfahrung, mindestens zwei Jahre, kommen aus bestimmten Bereichen, sind in unserem Fall konstruktive Bauingenieure. Die Zielstellung ist da Personen zu wählen, die eine Zielstellung im Leben haben und die vielleicht dann auch in ihren Heimatländern in irgendeiner Form zu Gestaltern werden und dort vielleicht ein Ingenieurbüro gründen, gerne im Verwaltungsbereich arbeiten wollen, die Normenentwicklung weiterbringen möchten. Sie müssen ja auch mit einer guten Motivation hier ankommen und eine Zielstellung für ihr Leben haben und die werden dann in so einem Prozess ausgewählt und studieren dann hier innerhalb von zwei Jahren. Das ist ein Leistungsstipendium und die haben dann ein bisschen erhöhte Anforderungen, vor allem auch was die Zeit angeht. Die selber merken, ich würde gerne noch mehr machen, aber ich habe die zwei Jahre.

Simon Frisch

Okay, da habt ihr ein ziemlich motiviertes Studierendenfeld. Also schlussfolgere ich das klingt ein bisschen so, Leute, die wollen das unbedingt machen, die bewerben sich für dieses Stipendium, kommen dann hierher, Da ist ja sehr, sehr viel Kraftaufwand schon, um dann hier zu sein. Das macht man nicht mal, um rauszufinden, was man jetzt das nächste halbe Jahr so macht. So geht man in so ein Studium wahrscheinlich nicht rein, insbesondere wenn man Stipendiat, Stipendiatin wird.

Silke Beinersdorf

Ne, das ist, da hat man schon, wir haben ja mehrere EPOS Studiengänge in Deutschland und wir haben ein paar, die in diese Ausrichtung gehen, nicht so stark konzentrieren. Konstruktiver Ingenieurbau wie wir, aber auch im Hochwasserbereich in Dresden, Stuttgart. Also sieht man so bestimmtere Ausrichtungen im Lifelines Bereich. Und das sind Problemstellungen auch, die die Studierenden, die neuen Studierenden von zu Hause mitbringen. Die sehen, wir haben zu wenig Brücken, wir haben ein Problem, wenn Naturgefahren auftreten, dass bestimmte Bauwerke immer wieder zerstört werden und die eben nicht die Qualität zeigen, wie sie zeigen müssten. Und die suchen nach Möglichkeiten, sich dann im Master weiterzubilden, weil sie einfach diese Herausforderungen in ihrem Berufsleben sehen und sich da weiterentwickeln wollen und dann unseren Studiengang finden und interessant finden auch von den Themenausrichtungen und dass wir in der Lage wären, einige der vielleicht Problemstellungen, die sie haben, auch ihnen zu helfen, diese lösen zu können mit dem Wissen, was wir hier vermitteln. Und für das Stipendium in Kombination, dass sie den Kopf frei haben, studieren zu können, weil sie ein Vollstipendium bekommen bzw. Die Familien das einfach gar nicht leisten können. Und ich sehe das schon als eine große Chance für diese Studierenden. Und sie sind, da sie auch so ausgewählt sind, auch immer Leistungsträger im Kurs. Und das macht doch was mit der Gruppe und das ist auch gut für die Gruppe. Das bringt auch eine Diversität rein. Wir versuchen da natürlich Kontinente zu berücksichtigen, auch gezielt Frauen zu fördern. Und das hat sich bis jetzt immer eigentlich sehr positiv gezeigt.

Simon Frisch

Es ist ein Studiengang, der in den Studierendenzahlen auch wächst oder jedenfalls mindestens stabil ist.

Silke Beinersdorf

Ja, wir hatten mal eine Zeit, da sind wir sehr stark gewachsen, da musste man dann reagieren, weil Wir waren dann 80, hatte zum Teil 100 Studierende in meiner Veranstaltung und ich biete immer ein Projekt an, da kommt man einfach an die Belastungsgrenze. Und auch die Studierenden, von denen kam das Feedback, ihnen ist die Gruppe dann auch zu groß gewesen, weil von einem Masterstudium hat man ja auch eine gewisse Erwartung, was die Zusammenarbeit in der Gruppe angeht. Das Netzwerken, das waren dann zu viele und da konnten wir in unserem Anspruchsniveau nach oben gehen so ein bisschen. Und jetzt haben wir immer so um die 50 Studierende und ich glaube, das ist eine ganz gute Gruppengröße, 50 bis 60, wenn wir die immer erreichen können, ist das eigentlich wunderbar, weil es ist nicht zu groß. Es ist stemmbar von unserem Konzept her, auch von den ganzen Projekten, die wir anbieten, dass wir die nicht streichen müssen und dann wieder in die komplett traditionellen Lehrkonzepte zurückfallen müssen, weil es einfach sonst nicht personell machbar ist. Und das ist eigentlich eine schöne Gruppengröße, mit der man arbeiten kann. Und was wunderbar ist, wir haben jetzt wieder die neuen Semester, den neuen Intake, wir bekommen Studierende aus der ganzen Welt und jede Gruppe ist anders, jede Gruppe ist neu und es ist immer toll spannend wie die aufeinander reagieren, wie die miteinander agieren, wie sie sich dann langsam kennenlernen und wie sie auch mit uns als Lehrenden agieren. Und das ist eigentlich jede Gruppe ist anders und da gibt es welche, die herausstechen, andere, die versuchen sich zu verstecken und dann das Beste aus allem rauszukitzeln. Das ist so die spannende Aufgabe für uns Lehrende.

Simon Frisch

Wenn du so von Gruppen sprichst, studieren die Studierenden tatsächlich in Gruppen? Also sind das gleichbleibende Gruppen, homogene Gruppen, in denen die sozusagen Kurs für Kurs.

Silke Beinersdorf

Für die Übungen richten wir Seminargruppen ein. Vor allem wenn die Computerpools gehen. Da haben wir einfach eine begrenzte Raumgröße, da könnten wir nicht mit der gesamten Gruppe reingehen. Und in Kleingruppen kann man noch mal anders miteinander arbeiten, auch ein bisschen gezielter auf Personen eingehen, wo man merkt, eigentlich ist ein Potenzial da. Die traut sich nur noch nicht ganz so die Person ein bisschen fordern und das macht sich in kleineren Gruppen natürlich gut. Oder wenn ich Übungen mache mit einer Software, was sind so die Problemstellungen? Da ist eine kleinere Gruppe immer hilfreich im Hörsaal mit dem kompletten Intake würde das eher nicht funktionieren und manche würden da vielleicht eher hinten runterfallen in der Betreuung. Und so kann man schon ein bisschen gezielter auf die Studierenden zugehen.

Simon Frisch

Das wollte ich gerade fragen. Genau, jetzt hast du es eigentlich schon selber noch ausgeführt. Also es gibt da wirklich ein gezieltes Studieren, Ihr nehmt die wirklich wahr, Ihr kriegt irgendwie mit da hinten oder auch da vorne. Ist egal wo, macht jetzt jemand gerade nicht so mit. Da könnte man sich um die Person noch mal ein bisschen anders kümmern und so weiter. Ihr seid sehr nah dran an den Studierenden.

Silke Beinersdorf

Es ist schon der Versuch, weil wir haben eine große Gruppe zurzeit indischer Studierender und es ist so ein paar Jahre her, da haben die sich extrem rausgenommen. Die haben ein, zwei geschickt zum Teilnehmen und die anderen haben okay, wir arbeiten und waren der Meinung, sie schaffen das. Das haben sie aber dann selber festgestellt. Das funktioniert leider nicht so. Das Teilnehmen in Präsenz ist schon sehr wichtig fürs eigene Verständnis. Ich kann nicht jemand anders für mich lernen lassen. Und das zu begreifen und mitzubekommen, da ist es dann auch wichtig, diese Gruppe ein bisschen auseinanderzuziehen. Sie nicht in ihren traditionellen Gruppen zu lassen weil das ist ja auch, denke ich, der Benefit von so einem internationalen Studiengang. Ich würde mir ehrlich gesagt auch noch ein paar mehr deutsche Studierende wünschen. Wir hatten immer mal ein paar. Das bringt auch noch mal einen anderen Drive in die Gruppe. Erasmus Studierende sind auch immer eine extreme Bereicherung. Und dass diese Gruppen miteinander lernen umzugehen, weil das sind unterschiedliche Lande, Länder, Entschuldigung, anderer Kulturkreis. Und da miteinander umzugehen, ist auch eine Sache, die man lernen muss. Wenn man mal plant, international zu arbeiten, glaube ich, ist das schon eine Hilfestellung, die man eigentlich hier schon beim Studium lernen kann.

Simon Frisch

Lustiger Satz. Ich kann nicht jemand anderen für mich lernen lassen. Ist schon wirklich ein schöner Satz. Und es ist bemerkenswert, wenn man das aussprechen muss, dass man, dass man auf die Idee kommt, finde ich interessant. So ein Remote Lernen, so ein stellvertretendes Lernen, das wäre mal ein interessantes Konzept, aber es funktioniert eben nicht. Du hast von Lehrkonzepten gesprochen, Projekte immer wieder betont und dann hast du demgegenüber klassische Lehrformate. Was verstehst du unter klassischen Lehrformaten?

Silke Beinersdorf

Ja, so einfach klassisch wäre Vorlesungen, Übungen und dann eine Prüfung schreiben, wo das Wissen abgefragt wird. Entweder Closed oder Open Book. Da sind ja die Lehrenden frei, wie sie das machen möchten. Aber wir haben bei sehr vielen unserer Lehrveranstaltungen auch immer einen Projektanteil drin. Entweder so als Prüfungsvoraussetzung, um zu üben, um Methoden anzuwenden, die man gelernt hat, um zu Habe ich das wirklich begriffen für mich? Oder sind da eigentlich noch offene Fragen, um mich dann auch zu trauen, diese Frage zu stellen? Das habe ich nicht so ganz verstanden. Was haben Sie damit gemeint, damit wir nicht nur sagen, wir stellen Kochrezepte bereit, sondern dass sie das anwenden, gegebenenfalls auch weiterdenken, weiterentwickeln, selber auf Ideen kommen, selber lernen, Fragen zu stellen, sich trauen, diese Fragen zu stellen. In manchen Ländern, also manchen Ländern, wo unsere Studierenden herkommen, ist das ja nicht trainiert, auch nicht gewollt. Die sollen dasitzen, dem Unterricht folgen, es auswendig lernen und wiedergeben in der Prüfung. Aber das ist nicht das Verständnis für uns, für einen Ingenieur. Das ist ein selbstständig denkender, arbeitender Mensch, der Probleme lösen muss. Es sind immer wieder neue Probleme, einzigartige Probleme und ich muss sie sofort lösen können und ich muss diese Entscheidung treffen und die auch so kommunizieren können. Und das ist schon etwas, was die Studierenden in den Projekten auch lernen sollen, selber Sachen zu erarbeiten, vielleicht auch mal was zu präsentieren, das nicht erst zum Schluss in der Masterarbeit zu tun, sondern auch vorher zum Teil nutzen Lernende Gruppenprojekte, wo die Gruppe dann miteinander arbeiten muss. In den Special Projects, das ist ein Bereich, der sehr forschungsorientiert schon ist. Da stellen Lehrende Projekte zur Verfügung, die die Studierenden wählen können. Sie können eins dann besuchen, also sie werden ausgewählt dafür, können sich bewerben.

Simon Frisch

Ah ja, es gibt Bewerbungen. Und wie groß sind die etwa die Projektgruppengrössen?

Silke Beinersdorf

Das kann ich gar nicht so genau sagen. Ich denke mal so bis maximal sechs Personen, oft auch Einzelprojekte. Das sind die Lehrenden frei, wie sie das gestalten. Aber in diesem Special Project ist schon so, dass die sehr forschungsnah sind, weil das Aufgaben der Doktoranden, der Postdocs sind, die im Moment in Forschungsprojekten bearbeitet werden und wo Studierende mitarbeiten können im Endeffekt durch ihre Aufgabenstellung vielleicht auch eine Vorbereitung von einem Projekt. Und da kann man sich auch mal ausprobieren, schauen, ist das Thema was für mich eine Vorbereitung dann für die Masterarbeit? Man kann das dann auch weiterführen. Wir haben auch immer mal wieder Studierende, die auf einen Feldeinsatz gehen, da passiert so kurz vorm Special Project etwas und dann merken sie, das passt gut zu meinem Thema. Ich würde gern zu Hause eine Gebäudeaufnahme machen, ich würde gerne Schäden aufnehmen, hatten wir jetzt immer wieder und ich erst vor zwei Jahren und das ist ziemlich bereichernd und wurde dann auch in der Masterarbeit weitergeführt, sodass die Studierenden am Ende auch sehen, ich habe da wirklich was erreicht und kann vielleicht auch was tun für mein Heimatland oder generell für die Methoden oder etwas lernen aus den Schäden und zum Beispiel in unserem Fall, also in meinem Bereich, so dem Risikobereich. Das ist, finde ich immer wieder extrem spannend, weil es immer wieder neue Themen sind und auch neue Themen aufgeworfen werden.

Simon Frisch

Wie viel Zeit in der Woche nimmt so ein Projekt ein?

Silke Beinersdorf

Naja, für mich, also ich sehe die Studierenden regelmäßig, das macht jeder ein bisschen anders. Also ich habe so einen Zeitplan, so alle zwei, drei Wochen möchte ich sie mal kurz sehen, damit sie mir über den Stand berichten können. Andere machen vielleicht weniger, aber für die Studierenden selbst, die müssen da schon das ist eine Workload halbe Masterarbeit, da muss man eigentlich in der Woche, würde ich so sagen, 10 bis 20 Stunden schon mal so reinstecken, vielleicht auch am Stück, dass man lernt, sich selber diese Zeit einzuteilen. Wir sind da gerade im Wechsel, weil wir hatten 12 Credit Points Projekte und ändern es jetzt wieder auf 6 Credit Point Projekte, weil wir gemerkt haben für unsere Studierendengruppen, die fühlen sich oft dann allein im Bearbeiten und sind da vielleicht auch ein bisschen überfordert und dass diese 6 Credit eher dem entspricht, was sie zu dem Zeitpunkt im Studium gut abbilden können. Die Möglichkeit gibt es dann auch 12 Credit Projekte anzubieten durch eine Aufstockung. Das haben wir jetzt gerade geändert, dass wir okay, das ist ein Student, eine Studentin, die auf mich zugekommen ist, die schafft das für sich auch zu arbeiten, sich selbst zu strukturieren. Dann gibt es andere Studierende, die vielleicht nicht ganz so leistungsstark sind, die man ein bisschen mehr auch fachlich an die Hand nehmen muss. Für die ist eher so ein 6 Credit Projekt das Richtige, um am Ende auch zufrieden mit dem zu sein, was man selber erreicht hat.

Simon Frisch

In welcher Studienphase kommt das Projekt? Wird das Projekt überhaupt relevant, als du als Fachstudienberatung sagst, dann vielleicht an dem und dem Punkt jetzt lieber noch nicht oder sowas.

Silke Beinersdorf

Das Projekt haben wir vorgesehen, ist im Wintersemester, im dritten Fachsemester. Im Endeffekt, wenn Sie in der Zeit studieren, ist das kurz vor der Masterarbeit, weil es ja schon auch eine Vorbereitung auf die Masterarbeit ist. Ich muss schon im größeren Umfang selber ein Projekt bearbeiten, eigenständig. Ich kriege ein bisschen Feedback von meinen Lehrenden, die das betreuen, aber eigentlich muss ich diese Aufgabenstellung selber lösen. Das ist jetzt nichts, was wir schon im zweiten Fachsemester sehen, weil da immer noch Grundlagen vermittelt werden. Das ist halt diese Challenge bei einem Masterstudiengang. Wir haben nur vier Semester, wir bringen ihnen sehr viel Wissen bei, aber wir müssen sie dann auch rechtzeitig darauf vorbereiten, den Abschluss erfolgreich starten zu können. Deswegen ist das, was das angeht, das Special Project ist im Pflichtbereich dann schon auch durchstrukturiert, um das ihnen an die Hand zu geben. Das ist wichtig. Und wenn ihr in der Zeit studieren wollt, wenn ihr eure Zielstellung habt für die Karriere, dann diesem Pfad müsst ihr auf jeden Fall folgen.

Simon Frisch

Und die Formate in den ersten beiden Semestern, welche dominieren da oder wie ist da die Lehrkonzept zusammenhängen.

Silke Beinersdorf

Das erste Fachsemester ist generell eine große Challenge, weil sie kommen an. Sie kommen in ein neues Land mit einer neuen Sprache. Es wird die dunkle Jahreszeit kommen.

Simon Frisch

Ach das auch noch.

Silke Beinersdorf

Die meisten unserer Studierenden kommen aus Ländern mit sehr viel Sonne, mit sehr viel Wärme. Und das ist tatsächlich eine große Herausforderung. Also Weihnachten ist dann so, wo man sagt, jetzt könnt ihr mal durchatmen, ihr habt viel geschafft. Ich weiß, es ist anstrengend und es ist nicht einfach, weil ihr euch hier eingewöhnen müsst. Und gleichzeitig haben sie einen höheren Anteil, also einen sehr großen. Der größte Anteil an Pflichtmodulen ist im ersten Fachsemester. Wir bringen da auch gewisse Upliftbereiche mit rein, damit wir die alle auf ein Level kriegen, wo wir sagen.

Simon FrischWas sind Uplift Bereiche?

Silke BeinersdorfDas sind keine vier Credit, also vier SWS Module, sondern sechs. Und diese zwei davon sind quasi, wenn wir einen deutschen Studierenden, Studierende hätten, die einen Bachelor bei uns gemacht haben, die kommen ja mit einem gewissen Background dann in den Master. Und dadurch, dass unsere internationalen Studierenden so einen ganz diversen Hintergrund haben, so viele verschiedene Hochschulen, so viele verschiedene Länder, unterschiedliche Lern- und Lehrkulturen, da fehlen manchmal bestimmte Punkte, die den Lehrenden aber wichtig sind, damit sie weitermachen können im Masterbereich. Und das baut man da am Anfang quasi mit ein, damit wir wissen, alle sind auf einem Level und können dann auch erfolgreich den Masterstudiengang absolvieren, weil das ist ja im Endeffekt unsere Zielstellung, da am Ende einen konstruktiven Ingenieur zu haben, der ein bisschen auch gelernt hat, was wir in Deutschland unter einem konstruktiven Ingenieur verstehen. Und das Feedback tatsächlich von den Alumni ist, dass wir das im Moment sehr gut hinkriegen, weil sie das Feedback von Arbeitgebern hier aus Deutschland bekommen, dass sie sehr gut vorbereitet sind, dass sie sehr zufrieden sind mit ihrer Arbeit. Natürlich fachlich gibt es noch ein paar Sachen, die sie dann nacharbeiten müssen, weil wir nun mal nicht deutsche Normen vermitteln. Wir sind mehr international ausgerichtet, aber ein Ingenieur ist im Endeffekt ja auch in der Lage, sich sowas zu erarbeiten. Und das ist halt die Challenge ist, das erste Semester ist sehr herausfordernd, weil wir sie auf ein Arbeitslevel bringen, was sie vielleicht und größtenteils nicht aus ihren Heimatländern kennen, nicht darauf vorbereitet sind und sie sich da anpassen müssen an neues Land, an eine neue Lehr. Und Lernkultur und das ist so das, Feedbacl: „Frau Beinersdorf könnten Sie da nicht, meine ich so, ne,“ das hat tatsächlich sogar auch am Ende einen Hintergrund und ihr glaubt mir das jetzt noch nicht, aber es wird wichtig sein und das bestätigen Sie mir dann tatsächlich auch, wenn Sie fertig sind. Hinterher muss ich sagen, ich habe Ihnen das immer nicht geglaubt, aber ich arbeite jetzt und ja, Sie haben recht gehabt.

Simon Frisch

Schön. Das ist aber ja genau, beglückende Lehrerfahrungen. Also an der Stelle hat dann irgendwie was geklappt und ist doch dann sehr beglückend. Das ist ja jetzt ein Gesamtkonzept für den ganzen Studiengang. Die Lehrformate, also dann im ersten Semester, sind auch irgendwie sehr betreuungsintensiv, habe ich so ein bisschen gehört auch zum Teil individualisiert individuell. Deutsche Studierende haben dann ein bisschen anderes Angebotsstrukturen als mit dem Uplift kommt dann noch mal was ein bisschen dabei und so, dass alle dann ab dem zweiten Semester einigermaßen auf dem Weg sind. Also er sammelt die da irgendwie auch ein, aber nicht nur, sondern da wird schon auch richtig studiert. Das habe ich jetzt alles so verstanden. Also man könnte auch sagen, Wahnsinn, das überhaupt alles einmal sozial alles hier ankommen zu lassen, kostet schon so viel Zeit und Kraft. Aber da habt ihr Mittel und Wege und Tricks und Kniffs gefunden, das gleich mit dem Studium direkt zu verbinden, diese ganze Integrationsarbeit.

Silke Beinersdorf

Das ist auch die Module. Man weiß ja, es gibt schwerere Module, leichtere Module, wo man sagt, hier bauen wir das zum Beispiel im GIS bringe ich auch ein paar Methoden noch mit rein, was das wissenschaftliche Arbeiten angeht, für die, die das vielleicht noch nicht so stark hatten in ihren Heimatländern. Bestimmte Länder weiß ich schon, die sind sehr gut vorbereitet, die haben eine gute Herangehensweise. Bei anderen Ländern wissen wir, die haben eine ganz andere Kultur, da müssen wir dran arbeiten. Je nachdem, Fähigkeiten der Studierenden können die adaptieren, können sie nicht, aber wir versuchen alle dahin zu bringen und diese Angebote zu machen und vieles halt Vorlesungen und Übungen, Tutorien, vor allem für die Fächer, wo das besonders wichtig ist. Finite Elemente in der Strukturdynamik bieten die Kollegen Tutorien an. Tutorien heißt quasi.

Simon Frisch

Tutorien habe ich verstanden, Finite Elemente in der Strukturdynamik hattest du das.

Silke Beinersdorf

Also wir haben eine kombinierte Lehrveranstaltung, Finite Elemente Methode und Structural Dynamics, Strukturdynamik.

Simon FrischWas sind finite Elemente?

Silke Beinersdorf

Das ist eine Art und Weise, wie man Gebäude modellieren kann. Also du hast nicht die Annahme, wir haben einen Träger auf zwei Balken, sondern wie kriege ich eine komplexe Struktur berechnet, adaptiert mit einem Programm. Vor allem, wir haben immer komplexere Strukturen. Wir brauchen die FEM. Und das ist tatsächlich auch ein Grund, weshalb auch Studierende zu uns kommen, weil das gegebenenfalls in den Heimatuniversitäten nicht so stark gelehrt wird. Und das machen die Kollegen vom Institut für Strukturmechanik, das in der Lehre im Moment Prof. Kollmangsberger, Professor Raptschuk, Professor Könke. Und da gibt es dann auch ein Wahlpflichtmodul, was dann die Studierenden wählen können. Und auch in der Geotechnik spielt es eine Rolle.

Also Professor Staubach hat auch ein Programm, was unterschiedliche Elemente, die man zur Modellierung von bestimmten Objekten, das kann ein Bauwerk sein, ein Staudamm, ein Pfahl, eine Pfahlgründung, das kann man modellieren, man berechnet das, man kriegt die Spannung raus, um rauszufinden, wo potenziell ist mein Gebäude zerstört. Also ich hatte das auch schon während des Studiums, ich brauche das jetzt nicht mehr so oft, weil ich einfach in eine andere Fachrichtung gegangen bin, aber die Kollegen, zum Beispiel Professor Morgenthal bei den Lifelines, im Brückenbau, auch vorher schon im Stahlbau, bei Prof. Kraus im Stahlbeton, Prof. Morgenthal, da ist es notwendig zu wissen, wie das geht. Wie modelliere ich auch dann in den Wahlpflichtmodulen, zum Beispiel bei Prof. Abrahamschick, wie kriege ich so ein Gebäude modelliert, damit es sich möglichst dann im Modell so verhält, wie wir es in der Realität sehen und die Schäden an den Punkten zeigt, die wir beobachten können. Und die richtigen Elemente zu wählen, um das zu modellieren, das kriegen die Studierenden in den unterschiedlichen Lehrveranstaltungen immer wieder nahegelegt, beigebracht.

Simon Frisch

Das ist ziemlich interessant. Du hattest das Erdbeben vorhin betont und jetzt habe ich aber im Gesprächsverlauf auch gehört, dass die Leute bei deutschen Arbeitgebern viel landen. Bei was für Arbeitgebern landen die Leute in Deutschland dann wahrscheinlich auch?

Silke Beinersdorf

Viel in Deutschland, aber die.

Simon Frisch

Sind nicht immer erdbebenorientiert.

Silke Beinersdorf

Ne, tatsächlich, die sind total happy, wenn sie mal einen Erdbebennachweis führen können. Das ist Fertigteil, Stahlbetonbau bei der Deutschen Bahn, bei der Autobahn, Ingenieurbüros im Monitoring von Bauwerken, zum Beispiel auch Windkraftanlagen. Zum Teil arbeiten sie an Projekten in Deutschland, zum Teil arbeiten sie in Firmen, die Projekte in den Heimatländern haben, wo sie herkommen und die sie dann betreuen. Also sie arbeiten hier und sind quasi die Schnittstelle in die Länder nach Hause. Und das ist für die Firmen natürlich auch interessant, weil da geht es dann auch nicht darum, zum Beispiel, man muss da nicht in Englisch kommunizieren. Die können dann vielleicht auch in der jeweiligen Landessprache kommunizieren, um diese Verständnisbrücke herzustellen.

Simon Frisch

Im Endeffekt auch die Kulturen so das ist ja oftmals nicht nur eine Sprache, sondern auch eine Art und Weise, wie man was macht, wann, wie lang und so weiter und so weiter. Das kennen wir alles aus interkulturellen Trainingszusammenhängen. Also da ah, ich verstehe, das ist also irgendwie nicht nur ein Wissen, was da transferiert wird, sondern so eine globale Vernetzung auf der Ebene eigentlich so bisschen Material Tragfähigkeitswissenschaft, Stabilitätsorientierung von Baustrukturen in dem Gesamtgeflecht von Infrastruktur. So hast du es ja am Anfang dargelegt, was da alles noch eine Rolle spielt und deswegen bleiben die auch hier oder gehen wieder zurück in ihr Heimatland. Und die Verbindung ist die ganze Zeit. Also so ist das wirklich ein Netzwerk was hier die ganze Zeit entsteht.

Silke Beinersdorf

Ja, das ist auch manche bleiben erst hier, dann gehen sie zurück, dann kommen sie wieder zurück. Das kann man nicht planen. Und meine Erfahrung Die Studierenden, die hierher kommen, haben erstmal eine Zielstellung, sie haben vielleicht eine Problemstellung, die wollen sie für sich lösen oder sich einfach in ihrer Karriere weiterentwickeln. Und während des Studiums veränderst du dich, du besuchst verschiedene Kurse, du stellst fest, oh, dieses Thema, da brenne ich ja viel mehr für, als ich am Anfang erwartet hätte und dann ändert sich das Lebensziel und wo arbeite ich, was mache ich? Und das Studium verändert einen schon. Am Ende ist man ein bisschen anderer Mensch. Und je nachdem sind das ganz diverse Lebenswege. Also wenn man Kontaktanfragen kriegt und sieht, wo sind die denn eigentlich jetzt gelandet, was machen die genau, also echt total spannend. Oder man kriegt eine Anfrage, ach Mensch, da bist du gelandet, hätte ich jetzt nicht gedacht, dass du in Dresden bist. Also das ist auch immer wieder Überraschung für uns, wo unsere Studierenden landen. Und dann natürlich auch ein Bereich, wo auch ein gewisser Teil unserer ehemaligen Studierenden landet, ist, dass die Doktoranden werden in Europa, in Deutschland auch viele Jahre an der Universität und in den Wissenschaftsbereich gehen und vielleicht nur einen Doktor machen und dann arbeiten, eigene Firma gründen, aber auch zum Teil in der Wissenschaft und dann trifft man sich auf den Konferenzen wieder, was auch immer sehr bereichernd ist. Ich finde das schön, wenn die auch da ankommen.

Simon Frisch

Ah ja, schön mal switch die eigene Lernerfahrung. Wann und wie hast du besonders gut gelernt im Studium? Was sind die Lernerfahrungen, wo du Ja, das war einschneidend, da habe ich richtig was mitgenommen. Und wo waren aber auch Lehrerfahrungen, wo du Also tut mir leid, da ging gar nichts.

Silke Beinersdorf

Ja, ich war so ein Studienjahr, wir waren sehr, sehr viele Anfänger, Wir waren über 500 und das war am Anfang schwierig, weil wir waren extrem viele, so viele Seminargruppen und da hat man sich durchgekämpft. An manchen Stellen habe ich im Nachhinein drüber nachgedacht, hätte ich andere Übungen besuchen sollen, weil man dann mitgekriegt hat, wer das noch hätte besser vermitteln können. Zu bestimmten Themen sollte man mich heute nicht fragen, weil das würde ich mir dann wirklich erst noch mal richtig gut angucken wollen. Das ist nicht so gut dann rübergekommen in der Lehre. Aber damals hatte ich also ich habe Dipl. Ingenieur studiert und nach dem Vordiplom und als dann in die Vertiefung ging oder auch dann mehr in die konstruktiven Fächer, da war dann schon so ein Wandel. Aber es gab so ein paar Personen, die haben richtig gute Lehre gemacht und das hat einen dann schon beeinflusst, die Art und Weise, wie sie Lehre gemacht haben.

Simon Frisch

Kannst du das beschreiben? Wie ist diese richtig gute Lehre? Weil das wollen wir eigentlich alle wissen.

Silke Beinersdorf

Für mich als Ingenieurin waren bestimmte Arten zu lernen schon recht mitnehmen. Zum Beispiel, wir hatten Vordruck, es gab gute Vordrucke und es gab nicht so gute Vordrucke. Es gab einen Da weiß ich, den nutzen Kollegen heutzutage immer noch an anderen Universitäten und machen damit immer noch Lehre, weil das einfach so gut ausgearbeitet war. Und der Professor, der das erstellt hat, hat auch Ja, das war so eine Maßgabe. Wir hatten plötzlich so viele Studierende und wir mussten dann da rangehen und wir mussten strukturiert machen, damit ihr alle möglichst viel mitnehmt. Und das ist tatsächlich eine Sache, die ich auch adaptiert hab bei meinen vor allem im ersten Semester, um den Studierenden hier beim Ankommen zu helfen. Handouts, die Videos noch aus Corona Zeiten noch mit eingebaut, damit sie nacharbeiten können, auch selbstständig noch mal, wenn sie merken, ich habe es gar nicht so gut mitgekriegt oder ich war zu müde, ich habe nicht richtig gut aufgepasst. Das war eine Sache, die war wunderbar. Dann die Art und Weise, wie man Lehre macht. Man merkt, die Lehrenden brennen für das Thema und man merkt, das ist wichtig. Warum mache ich das? Warum sollte ich mich jetzt mit diesem komplexen Thema auseinandersetzen? Freiwillig vielleicht auch noch ein bisschen nacharbeiten? Warum ist es wichtig, das zu vermitteln, damit danach auch noch selbstständig weitergearbeitet wird? Und das ist eine Sache. Manche Lehrende haben das nicht so rüberbringen können und andere schon. Und da ist man einfach weitergekommen in den Fächern. Oder man hatte Exkursionen, die haben auch extrem geholfen, weil man sieht, wofür mache ich das eigentlich? Wo wende ich das an? Und sowas möchte ich auch gerne mal bauen können oder sowas möchte ich gerne rechnen können. Und was auch zum Beispiel meine Studierenden spiegeln, wenn wir Exkursionen machen, vor allem die weiblichen Studierenden, wenn sie hier in Deutschland sind, so junge Ingenieure, die uns heute geführt haben und da war ja auch noch eine Frau dabei. Das würde bei uns daheim nie möglich sein, wo ich ja diese Option habt Ihr hier, ihr werdet hier gefordert, ihr könnt hier Entscheidungen treffen und ihr könnt euch einbringen. Das ist gewünscht.

Simon Frisch

Da gehen dann plötzlich Türen auf und.

Silke Beinersdorf

Auf einmal so diese Inspiration zu bringen und zu das hat mich inspiriert, das Thema hat mich mitgenommen und ich bin bereit, da auch noch mehr Arbeit reinzustecken. Und das ist was, was ich wichtig finde, immer einem Studierenden zu versuchen zu vermitteln. Also nicht gelangweilt da reinzugehen oder wenn man total mies drauf ist, es trotzdem versuchen bestmöglich. Man hat ja so Tage, man Naja, heute war nicht so doll die Veranstaltung, war ich irgendwie nicht so gut drauf. Und dann hat man wieder welche, wo man richtig gemerkt hat, sie sind mitgekommen, sie sind mitgegangen und sie waren am Ende auch richtig gut dabei und sind nicht abgedriftet und haben auf irgendwas anderes gemacht, außer zu folgen. Das ist, denke ich mal, schon ein wichtiger Punkt. Und das aber auch fachlich gut rüberzubringen, das gehört schon auch mit dazu. Und vielleicht auch Mittel mit an die Hand zu geben, dass es selber sich auch nachträglich gut erarbeiten können.

Simon Frisch

Also OK, also die eigene Haltung, in der man das rüberbringt, Also ein bisschen Tagesform ist eigentlich schon, das kenne ich auch, dass ich mal so oder so drauf bin, kann aber auch die Tagesform, kann dann auch wieder von der Lehre sich verändern. Plötzlich geht irgendwas los oder die schauen so interessiert zu oder sowas. Das stimmt. Thematisierst du das, wenn du heute war ich nicht so gut drauf, wenn du so merkst, irgendwie war es love, sagst du nochmal, irgendwie war es heute nicht oder sowas. Oder nimmst du es einfach so mit nach Hause? Und da denke ich nämlich viel drüber nach, wie ich das eigentlich mache, Ob ich sagen soll, heute war es nicht so gut oder was war denn heute los, Wollen wir nochmal drüber reden? Oder ob ich es einfach so lasse und mir vornehme, das nächste Mal bin ich besser. Wie gehst du damit um?

Silke Beinersdorf

Das kommt darauf an, wenn man so mittendrin merkt, also man merkt so, das habe ich jetzt irgendwie nicht so gut erklärt, man sieht so viele Fragezeichen, die vor einem sitzen, dann sagt man so, ne, wir nehmen uns jetzt mal die Zeit, wir reden da jetzt noch mal drüber und schon in der Lehrveranstaltung, wo ich weiß, okay, da muss ich jetzt ein bisschen meinen Plan anpassen für die Lehrveranstaltung, aber ich möchte schon, dass sie da das Richtige mitnehme, wo man sagt so, nee, das war jetzt nicht so gut oder wo ich sage, guckt euch noch mal das Video an, da habe ich das auch noch mal gezeigt. Wenn ihr das jetzt nicht, weil ich war vielleicht zu schnell oder mussten zu schnell dieses Thema abhandeln, schaut euch das bitte noch mal an, arbeitet noch mal nach und beim nächsten Mal reden wir noch mal drüber. Und natürlich, wenn ich zum Beispiel Übungen habe, habe ich mehr als einmal, da sagt man, naja, das war heute irgendwie nicht so gut rübergebracht, ich habe es rübergebracht, aber es hätte noch besser sein können und der nächsten Übung passe ich es dann an. Also keine Übung ist wie die andere. Das ist so, hängt auch manchmal ab von den Studierenden, die da vor dir sind, sitzen. Ich frage dann auch in die Runde und wünsche mir, dass sie mitdenken, einem Antworten geben und manche sind total phlegmatisch und die nächste Gruppe ist total dabei und dann hat man eine ganz andere Interaktion. Das macht sich natürlich sofort bemerkbar.

Simon Frisch

Und das hat dann auch wieder Einfluss darauf, wie du selber da vorne stehst. Ja, ja, das erlebe ich auch so. Ich habe auch schon mal zu den Studierenden gesagt, so jetzt machen wir hier 90 Minuten und das ist nicht so, dass ich hier immer Anschluss an irgendeine Batterie oder sowas habe, sondern wir sind hier in Interaktion. Machen sie die besten 90 Minuten ihres Lebens aus dieser Stunde. Manchmal gelingt es, manchmal nicht. Aber dass man einfach noch mal so appelliert, die können mitgestalten. Kennst du das vielleicht auch als Studentin? Also ich habe das mal richtig beobachten können, dass ich mit der Zunahme an Interesse und Intensität der Aufmerksamkeit auch den Unterricht besser gemacht hab.

Silke Beinersdorf

Ja, das ist Man kriegt schon mit, wenn da alle sitzen und ein Handy in der Hand haben und da drauf gucken und quasi nicht interessiert sind. Da höre ich dann schon auf zu reden. Ich gucke mir das so an und dann frage ich mal eine Wollen wir jetzt weitermachen oder wollen wir das hier beenden und ihr arbeitet es selbstständig nach? Weil es soll ja auch irgendwo. Ich glaube, wenn eine Lehrveranstaltung, auch wenn man da mit einer gewissen Motivation und mit einem gewissen Spaß dabei ist, dass mehr hängen bleibt, als wenn ich eigentlich nicht aufpasse. Das ist so, das merkt man ja selber. Man guckt irgendein Video an, wo man denkt so ich habe da jetzt gar nicht richtig zugehört, das habe ich gar nicht aufgenommen. Und wenn sie so rangehen, dann ist es für alle eigentlich verschwendete Zeit. Und es gibt ja noch Kommilitonen, die da drin sitzen, die haben aber einen Interessen dran. Man sagen muss, auch Respekt den anderen gegenüber. Das spreche ich dann schon auch an. Und wo man Ich weiß, ihr hattet einen langen Tag und ich weiß, wir sind jetzt hier spät dran. Die Ingenieure starten früh und machen oft auch lange und ich sage Ja, that's live. Das ist tatsächlich was, das gehört doch irgendwie zu unserem Beruf dazu. Und damit muss man klarkommen. Vielleicht muss man es auch lernen, wenn man es auch nicht kann, Aber es sollte einem klar sein, dass das zum Berufsbild auch irgendwie dazugehört.

Simon Frisch

Also sogar das lernt man im Studium dann schon mit. Diese Arbeitszeiten, die dauerfrüh anfangen und dann spät abends immer noch dran sein. Das gehört wohl dazu

Silke Beinersdorf

Wenn man ein großes Projekt hat, was bis zu bestimmten Deadline abgeschlossen sein muss. Da kommt einfach mal auch eine Zeit auf einen zu, wo man richtig hart ran muss. Das kommen auch danach wieder andere Zeiten, aber da muss man einfach den ganzen Tag zu 100 Prozent da sein, weil wenn wir Fehler machen, dann macht sich das bemerkbar und dann hofft man, dass es nicht sich stark bemerkbar macht oder vielleicht auch zu Verlusten führt. Das können wir uns nicht erlauben.

Simon Frisch

Ja, in diesem Bereich, das leuchtet ziemlich ein, sollte man aufmerksam in der Gestaltung und auch in der Analyse, der Modellierung, der Messung und so weiter auf der.

Silke Beinersdorf

Baustelle, wenn man sich das an, wo man sagt, das habt ihr jetzt nicht richtig eingebaut, da müssen wir noch mal ran, dass einem das auffällt, weil am Ende der Ingenieur ist ein Problemlöser. Wir machen und wir sind Problemlöser. Und das ist schon auch eine Sache, die wir am Ende vielleicht auch durch unsere Art von Studium vermitteln, hoffe und denke ich.

Simon Frisch

Problembewusstsein entwickeln, das müssen Ingenieure vor allem können. Haben wir noch was ganz Wichtiges, was du mitgebracht hast. Die Zeit ist nämlich jetzt langsam zu Ende, aber ich will immer noch mal die Chance geben.

Silke Beinersdorf

Ich glaube eigentlich nicht so wirklich. Ich glaube, wir haben ziemlich viel besprochen.

Simon Frisch

Fand ich auch jetzt eine schöne Engführung, dass man lernt, Problembewusstsein zu entwickeln in diesem Studium, insbesondere in neuerem, wo man also Risiko und Zufälle.

Silke Beinersdorf

Ich merke das immer hier an der Uni, Wir haben ja unterschiedliche Fachrichtungen, unterschiedliche Fakultäten und ich merke schon, dass ich anders an Probleme rangehe. Das habe ich gemerkt. Bei der Gremientätigkeit lernt man ja Künstler kennen, dann Architekten, Architektinnen aus dem Medienbereich, die Informatiker und die Sozialwissenschaftler und jeder geht so ein bisschen anders ran. Und manchmal geht mir das zu langsam, das Umsetzen, wo ich sage, so ne, das Projekt müssen wir abschließen und dann kommt das nächste Projekt.

Simon Frisch

Ingenieure und Gremien. Das kann ich mir vorstellen.

Silke Beinersdorf

Das ist tatsächlich so eine Sache, wo man merkt ja, wir sind in den Fachausrichtungen alle ein bisschen anders. Es ist aber spannend zusammenzuarbeiten, weil jeder seinen eigenen Punkt reinbringt. Und das ist vielleicht auch eine Sache, wo wir den Studierenden so ein bisschen mitgeben, auch wenn vielleicht zum Beispiel externe Lehrende kommen, die Seismologen oder Geophysiker sind, eine ganz andere Herangehensweise an Problemstellungen haben und zu sehen, wie können wir trotzdem miteinander gut arbeiten, kommunizieren und uns verstehen, obwohl wir unterschiedlich sind.

Simon Frisch

Was für ein schöner Schluss. Liebe Silke, ich danke dir für das schöne Gespräch.

Silke Beinersdorf

Ich danke dir für die Einladung.

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