Ep. 45 – Gespräch mit Markus Weisbeck
Shownotes
Eine Disziplin zwischen Höhlenzeichnung und Corporate Design - so ließe sich vielleicht das Feld des Grafikdesigns beschreiben, meint Simon Frisch. Markus Weisbeck erzählt in dieser Episode von seiner Arbeit als Professor für Grafikdesign in der Visuellen Kommunikation und davon, wie aus Text, Bild und Typografie Botschaften entstehen. Es geht um Grafikdesign als universelle Praxis der Informationsvermittlung, um politische, kommerzielle und künstlerische Aussagen und um die Frage, wie man Studierenden beibringt, komplexe Inhalte sichtbar und lesbar zu machen. Weisbeck spricht über die zentrale Rolle von Praxis, über Haltung, Verantwortung und Entscheidungsfreude im Gestalten und darüber, warum Gestaltung immer auch eine Form des Denkens ist. Was macht gutes Grafikdesign aus? Und wie viel Freiheit braucht es, um eine klare Botschaft zu entwickeln?
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Unser Host: Dr. Simon Frisch ist Vizepräsident für Lehre und Lernen an der Bauhaus-Universität Weimar und er leitet die Dozentur für Film- und Medienwissenschaft. Er interessiert sich besonders für die spezifische Praxis der Theorie und für die ostasiatischen Wegkünste sowie die Spaziergangswissenschaft als Perspektive und Methode in Lehre und Forschung.
Mitwirkende: Host: Simon Frisch Sound-Design und Schnitt: Jonas Rieger, Moritz Wehrmann Musik: Sebastian Lederle Artwork: Andreas Wolter Ton und Technik: Steven Mehlhorn, Moritz Wehrmann Marketing und Social Media: Claudia Weinreich, Marit Haferkamp Juristische Beratung: Laura Kister Transkript: Natalie Röhniß Produzentin: Nicole Baron Distribution: Ulfried Hermann, Jonas Rieger
Folgenwebsite: www.uni-weimar.de/lehre-podcast
Weiterführende Links:
Grafik Design Blog: www.herbert.gd
Fakultät Art & Design b-a-d.cloud
Studio markusweisbeck.studio
https://www.spectorbooks.com/book/space-for-visual-research-2
Transkript anzeigen
Marcus_Weisbeck_Transkript
Simon Frisch
Das Mikrofon geht auf und zwei Stimmen treten auf. Die eine Stimme, die jetzt spricht, gehört dem Vizepräsident für Lehre und Lernen und dem Dozent für Film und Medienwissenschaft. In diesen zwei Perspektiven und in diesen zwei Rollen führe ich immer diese Gespräche. Viele andere Rollen lasse ich aus diesem Gespräch raus. Wir haben nur 45 Minuten, deswegen können nicht alle Rollen, in denen ich sonst auch auftrete, tätig werden.
Heute habe ich Markus zu Gast, Markus Weisbeck als wer wirst du denn mit mir sprechen?
Markus Weisbeck
Ich bin der Professor für Grafikdesign in der Visuellen Kommunikation. Das ist der Studiengang in der Fakultät Kunst und Gestaltung hier an der Bauersuniversität.
Simon Frisch
Und in diesem Fach Grafikdesign lehrst du und mich interessiert ganz besonders, also wie lehrt man Grafikdesign, Grafik und Design und ist es überhaupt richtig, dass das im engeren Sinn Grafik und Design ist? Die Fragen vervielfältigen sich beim Sprechen. Vielleicht fangen wir mal so an.
Markus Weisbeck
Das ist eine ganz universelle Disziplin, die eben Text, Sprache mit Bildern, Grafik zu einer Botschaft verbindet. Und es kann eine politische, kommerzielle oder künstlerische sein. Und Botschaft kann auf einem Auftrag bestehen oder auch selbstreferenziell sein. Also quasi von der Bahnwerbung über Schokoladenverpackungen vom Straßenschild bis zur Höhlenzeichnung der Altsteinzeit. Das ist alles Vermittlung von Information ist alles mehr oder weniger die Klammer von Grafik zu sein.
Simon Frisch
Also Vermittlung von Informationen, könnte man sagen. Botschaft hast du gerade als Stichwort auch genannt. Es geht irgendwie darum, Botschaft zu artikulieren und nicht nur in Verbaltextform, sondern auch in anderen Artikulationsformen. Und das bringst du Studierenden hier an der Universität bei. Wie macht man das? Wie machst du das?
Markus Weisbeck
Wie wir das den Studierenden beibringen, ist natürlich hauptsächlich mit Praxis. Wir unterrichten hier gestalterische Praxis, die theoretisch begleitet wird. Und die gestalterische Praxis besteht vor allem darum, in Workshop Formaten, in sogenannten Projekten eine Art von Aufgaben zu geben, die weichgezeichnet sind, dass die Studierenden ein eigenes Thema, was sie selber individuell interessiert, damit erarbeiten können.
Das heißt, unser Studiengang oder ein Teil der Bauersuniversität ist ja geprägt vom projektorientierten Studium von Lucius Burkhardt seinerzeit. Und dieses Modell verfolgen wir weiter und finden das eigentlich auch ganz prima, dass wir den Studierenden sehr großes Maß an Freiheit lassen.
Simon Frisch
Wie geht sowas los, diese Weichzeichnung? Also wie fängst du da an, dass die Studierenden im Grunde weich. Es ist doch irgendwie gezeichnet, also gar nichts ist nicht da. Und dann wie finden die dann in die Selbstständigkeit? Wie stelle ich mir das konkret vor?
Markus Weisbeck
Also wir fangen meistens im Semester mit einer Art von Umbrella Thema an, dass wir sagen, es gibt eine Art von Möglichkeit, möglicher Diskurs, mögliches Thema und versuchen dann die Studierenden in den ersten Wochen daraus eigene Themen zu erarbeiten lassen. Und diese Themen werden dann vertieft von Woche zu Woche. Wir haben wöchentliches Treffen in den Projekten und das endet dann meistens zum Semesterende in einer Ausstellung, in einer größeren Präsentation.
Simon Frisch
Okay, das ist das Ziel, das wissen auch alle. Am Ende muss ich das ausstellen und das muss dann irgendwie was aushalten. Also das ist dann eine bestimmte Kraft.
Markus Weisbeck
Die von Anfang an begleitet natürlich durch Diskussionen im Unterricht, das heißt durch Diskussion der Studierenden untereinander, vor allen Dingen aber auch Studierenden und Diskussionen mit uns, also mit mir als Professor, mit unseren künstlerischen Mitarbeiterinnen. Und das Ganze ist dann so ein großes laborartiges Zusammenkommen hier an der Marienstraße 1.
Simon Frisch
Wie groß sind die Gruppen etwa? Erfahrungsgemäß?
Markus Weisbeck
Die sind so zwischen 15 und 30 Personen pro Semester. Und das ist so die normale Größe, die wir in der visuellen Kommunikation haben. Das heißt, wir arbeiten in einem Klassenzimmer, um sich das mal vorzustellen. Die Studierenden arbeiten meistens nicht, wenn wir dabei sind, sondern wir besprechen eigentlich die Themen, die sie erarbeitet haben, dann in den Arbeitsräumen, die wir in der Marienstraße haben oder in der Bibliothek oder in anderen Werkstätten. Und wir kommen dann immer einmal die Woche zusammen und schauen uns die Ergebnisse an und diskutieren über die Zwischenergebnisse.
Simon Frisch
Und dann dazwischen arbeiten die Studierenden frei in ihren Arbeitsräumen, haben Arbeitsplätze, wo sie die Sachen über Nacht auch so lassen können oder über Tag, je nachdem wann die arbeiten.
Markus Weisbeck
Wir haben eigentlich einen 24 Stunden Zugang auf die Marienstraße und das ist auch, glaube ich, auch ganz normal, dass gerade in gestalterischen Berufen dann eigentlich Tag und Nacht gearbeitet wird.
Simon Frisch
Also immer liegen lassen, wenn gerade nicht gearbeitet wird
Markus Weisbeck
Nie den Schreibtisch aufräumen.
Simon Frisch
Nie den Schreibtisch aufräumen, bis dann das Semester.
Markus Weisbeck
Und das Projekt vorbei ist, bis das Ergebnis gefunden ist.
Simon Frisch
Dann stellt man aus. Und dann wird weggeräumt.
Das Ausstellen finde ich ganz interessant als Teil der Lehrpraxis, gerade jetzt im Bereich Grafikdesign von der freien Kunst, da geht man ja davon aus, aber jetzt eben auch hier an der Stelle, man muss sich und das, was man tut, aussetzen. Das ist irgendwie Teil des Lehrens. Das ist nicht nur, ich zeige, was ich gemacht habe.
Markus Weisbeck
Vor allem, du musst ja auch vor allen Dingen die Sachen argumentieren können, die du gemacht hast. Das heißt, die Gestaltung ist das eine, die Themenfindung ist das andere, wie das dann formal aussieht, in welche Richtung das geht.
Das Ganze aber gleichermaßen muss es argumentiert sein. Das heißt, die Gestalterin muss eine Art von Gebrauchsanweisung dazu liefern oder eine Art Konzeptidee, die dann in dem Fall, wenn es beispielsweise ein kommerzieller Auftrag ist, dann mitgeliefert werden kann und dann die Kundin, der Kunde dann später damit auch arbeiten kann, wenn es darum geht, als Beispiel eines Corporate Design. Warum sieht es dann so aus? Was ist die Idee dahinter?
Simon Frisch
Ja genau, das kennen Leute, die mit Grafikdesignerinnen und Designern zu tun haben, dass in der Entwicklung des gemeinsamen, also des Auftrags sozusagen immer dieses Arbeitsschritte, das gibt so ein bestimmtes, dass ich inzwischen wiedererkennen kann, auch so eine Art und Weise, wie mir die Leute die Sachen vorstellen, dass sie sagen, ich bin da und davon ausgegangen, das war die Idee, dann habe ich das weiterentwickelt, dann haben wir es noch mal gegen und dann sind wir da und da hingegangen und haben dann die und die Form gefunden.
Habe ich das richtig verstanden?
Markus Weisbeck
Ja, im Prinzip eine Erklärung, Erklärungsmodell.
Simon Frisch
Und das ist Teil der Lehre dann auch. Also das trainiert ihr auch im Unterricht.
Markus Weisbeck
Das trainieren wir eigentlich vom ersten Semester an, da die Studierenden ja quasi ständig ihre eigenen Arbeiten präsentieren müssen, auch ständig darüber reden müssen. Und das heißt, wenn man das jetzt mal auf die Woche, auf sieben Tage rechnet und die Studierenden arbeiten jetzt, sage ich mal, fünf Tage oder vier Tage die Woche an ihren praktischen Ergebnissen, dann ist die Präsentation doch ein gehöriger Teil davon, wenn wir zusammenkommen einmal die Woche und darüber diskutiert wird.
Und dann ist es ja auch so, dass nicht nur wir darüber eine Meinung haben, sondern auch die anderen Studierenden eine Meinung haben. Daraus entstehen eigene Dynamiken, daraus entstehen aber auch Gruppenarbeiten, Teams etc.
Simon Frisch
Ausgezeichnet. Das sind ziemlich viele Kompetenzen irgendwie mit verflochten, die man dabei noch lernt in dem ganzen Entwicklungsprozess. Du hast mir im Vorfeld von einem Lehrmodell gesprochen, einem System, das du entwickelt hast. Willst du mir darüber etwas erzählen und uns allen Hörerinnen und Hörern?
Markus Weisbeck
Wir haben angefangen in der visuellen Kommunikation, spezifisch im Grafikdesign ein System zu entwickeln, das nennen wir Space for Visual Research. Und dieser Space for Visual Research hat die Aufgabe, eigene abstrakte Bildwelten zu kreieren, die in dem Sinne keine Anwendung haben, wie man das vom klassischen Grafikdesign kennt, sondern im Prinzip eine Art von, sag ich mal, gestalterischer Yoga Übung zur Formgenerierung.
Und mit diesem System, mit dem wir immer gearbeitet haben, nebenher in den Projekten, also nicht nur hauptsächlich, sondern hauptsächlich neben den Projekten, haben wir dann zwei Bücher publiziert. Diese zwei Bücher hauptsächlich mit Arbeiten von Studierenden hier aus Weimar, manchmal aber auch eingeladenen Kolleginnen und Kollegen von anderen Schulen. Diese Publikationen waren dann durch den Spektor Verlag auch weltweit vertreten. Und dadurch hat man natürlich in der Szene von Grafikdesign relativ schnell Zugriff auf diese Publikationen gehabt und die haben eine relative Bekanntheit erreicht.
Simon Frisch
Diese gestalterischen Yoga Übungen. Kannst du da noch zwei, drei Sätze dazu sagen, wie das vor sich geht? Wie ist da der Ansatz?
Markus Weisbeck
Es ging vor allen Dingen darum, dass wir Ist es möglich, eine Formgebung zu machen, die jetzt nicht auf einer konkreten Aufgabe basiert, also eine konkrete Aufgabe, was zu kommunizieren, sondern Experimente zu machen mit Lichtschatten, mit Reflexion, mit Techniken, mit Repro Techniken, mit Kopierern, mit allen möglichen Mitteln und Techniken, die wir in der visuellen Kommunikation zur Verfügung haben, um neue Bildwelten zu schaffen. Bildwelten heißt Stillbilder, heißt aber auch Animationen.
Und diese Arbeiten sind dann oftmals auch die DNA, die sich die Studenten zu eigen gemacht haben, um daran weiterzuarbeiten oder daraus dann halt größere Projekte zu entwickeln. Also nicht selten sind daraus Bachelor oder Masterarbeiten entstanden.
Simon Frisch
Das heißt, es ist eigentlich so eine ständige Übung des Berufs. Also ich bin sozusagen die ganze Zeit am Bilder machen, diese DNA, von der du gerade gesprochen hast, irgendeine Form von Handschrift oder sowas, Profil oder sowas entsteht möglicherweise dabei, so dass man dann sagen kann, diese Grafik, also Stil wäre vielleicht zu viel oder kann man das auch Stil nennen?
Markus Weisbeck
Man kann es schon sagen. Vor allem geht es ja auch darum, dass man auch wenn man als Gestalter arbeitet, auch später als Gestalter arbeitet, dass man nicht nur gestaltet, wenn man einen Auftrag auf dem Schreibtisch hat, sondern dass man sich kontinuierlich weiterentwickelt. Also sogenanntes lebenslanges Lernen könnte man vielleicht dazu sagen. Und da sind solche Übungen eigentlich ganz prima.
Also jeder kennt ja vielleicht die kleinen Telefonskizzen, die man macht, ohne groß zu überlegen. Die sind, finde ich, sehr wertvoll für sowas. Aber diese kleinen visuellen Unfälle, die man sammelt, die kann man auch mit dem Smartphone sammeln, die kann man sonst irgendwo finden, ausschneiden etc. Oder Screenshots machen im Internet von irgendwelchen Glitch Geschichten. Und daraus entwickelt sich schon so kann man sagen, so ein Stil oder eine Eigenart individuelle Selektion.
Und daraus entwickelt sich dann auch im Idealfall das, das wir haben, dass wir, wenn wir jetzt mehrere Studierende haben, die ihre Abschlussarbeit machen, ihre BA oder MA Abschlussarbeit, dass die alle sehr, sehr individuell anders sind.
Simon Frisch
Und wie trainiert ihr, Also wie wird da Unterricht raus aus diesen? Es ist eigentlich eine Alltagspraxis, eine Alltagspraxis des visuellen Gestaltens. Es ist eine Haltung, also es ist eigentlich eine Lebenshaltung als Grafikdesignerin oder Grafik oder als visuelles Wesen. So verstehe ich das jetzt.
Also ich kann das sehr gut nachvollziehen. Vielleicht so ein bisschen wie Tänzerinnen, Tänzer eigentlich die ganze Zeit beweglich sein können, damit sie ihren Tanz aufhören können, wenn dann mal die Bühne dran ist oder Musikerinnen und Musiker.
Markus Weisbeck
Also wir versuchen mit diesen Systemen auf der einen Seite ästhetische und gesellschaftliche Verantwortung zu schulen und Haltungen zu vermitteln. Wie unterrichtet man Ästhetik in dem Sinne?
Und da ist es eigentlich interessant, da geht es eigentlich um Schärfen des Urteilsvermögens und um Selektion. Das heißt, es hilft ungemein, Aufgaben zu geben, die nicht ein visuelles Ergebnis produzieren, sondern möglichst viele Reihen von Bildern oder Animationen. Und dann folgt eine Selektion über gelungene und weniger gelungene Bildkomposition und alles entschieden von individuellen Entscheidungen. Also stapeln wir solche Übungen.
So findet diese Lektion immer intuitiv statt und das ist auch gut so. Solche Entscheidungen funktionieren meist nicht nach Regelwerken.
Simon Frisch
Ja, verstehe. Also die Kriterien bilde ich dann selber aus. Also ich selber bin die Entscheidungsinstanz. Ich habe keine zweite Reihe, an der ich mich orientiere. Das wäre eigentlich Kern der Ausbildung, wenn ich das richtig verstehe. Ich habe eine Haltung zur Visualität entwickelt.
Markus Weisbeck
Es hat eine Haltung und es hat damit mit Schulung zu tun und man kann davon ausgehen, dass je mehr man geschult ist, je länger man sich mit etwas beschäftigt, desto besser ist auch die Selektion, desto besser ist auch die Urteilsgabe für gelungene Kompositionen und nicht gelungene Kompositionen.
Simon Frisch
Das finde ich sehr interessant mit dem, also ästhetische Verantwortung hast du gerade gesagt, Urteilsvermögen, also Entscheidungen da zu treffen. Ästhetische Verantwortung, finde ich ein ganz interessantes Konzept. Was ist ästhetische Verantwortung?
Markus Weisbeck
Das ist das, was wir den Studierenden beibringen. Ich meine, es muss im Endeffekt, muss das einfach gut aussehen. Es muss einfach inhaltlich überzeugen, das muss formal überzeugen, es muss für sich selber stehen und muss für sich selber, also auch wenn die Autorin und der Autor nicht mehr dabei ist, muss das Produkt, also beziehungsweise das grafische Produkt, die Komposition oder die Animation für sich selber stehen und sich behaupten können.
Simon Frisch
Das ist sehr spannend. Jetzt möchte ich Welt, ich nehme einfach jetzt randommässig das Stichwort Welt, weil ich jetzt einen Sprung machen will. Die Bücher lagen überall in der Welt aus, sind dann bekannt geworden. Dadurch hast du Kontakt oder hat es sich ergeben, dass du Lehre im Ausland, insbesondere im ostasiatischen Raum, schon lange Jahre jetzt betreibst.
Und da gibt es sicherlich Unterschiede, wie man lehrt, lernt und so weiter. Und es gibt natürlich auch im Bereich der ästhetischen Verantwortung Unterschiede und auch im Urteil.
Markus Weisbeck
Da müsste ich, glaube ich, noch mal ein bisschen ausholen erstmal, weil wir, also nachdem das erste Buch rauskam, das Space for Visual Research, sind die ersten Einladungen erfolgt. Ich glaube, das erste, was wir gemacht haben, war ein China in Hangzhou, kurz danach waren wir in Teheran im Iran und danach waren wir in Bolivien und wir haben dann gleichermaßen an Band 2 gearbeitet, weil wir auch immer mehr Material gesammelt haben und immer mehr Material realisieren konnten und das dann auch mit Instagram und weiteren Medien begleitet haben.
Und es wurde quasi immer bekannter und bekannter als extremer Booster. Für uns hat natürlich noch das 100 Jahre Bauhaus Jubiläum funktioniert, denn dann war es ja oftmals so, wir haben gesagt, wir würden jetzt die Sachen nicht ausstellen wollen in Weimar, wir würden die auch nicht zeigen, sondern es wäre doch viel interessanter, wenn wir die Methodik, wie wir unterrichten, dieses projektorientierte unterrichten, wenn wir das mitnehmen und quasi im Handgepäck und mit kleinen Teams ins Ausland fahren und da an befreundeten Partnerschulen oder Institutionen oder auch Summer Festivals diese Sachen praktizieren. Und das hat dann so eine Art Kettenreaktion gemacht, dass wir allein Manifest of Practice hieß das Projekt, was wir im Bauhaus Jahr gemacht haben, das ist quasi ein Sublabel vom Space for Visual Research, haben wir allein fünf Stationen global gemacht.
Simon Frisch
Und deine Erfahrungen mit den unterschiedlichen Ansätzen der visuellen Konzeption oder der ästhetischen Verantwortung und insbesondere auch die pädagogischen Konzepte. Ich weiß ja auch, dass in Ostasien gibt es eine andere Tradition als die bei uns durch die Aufklärung irgendwann mal.
Markus Weisbeck
Da muss ich noch mal 1 zu 1 noch mal zurückgehen, weil wir haben ja oftmals nicht gewusst, wo wir da ankommen. Das heißt, wenn wir in La Paz angekommen sind, wenn wir in Wuhan angekommen sind, wenn wir in Seoul angekommen sind, haben wir oftmals nicht gewusst, mit wem haben wir es zu tun.
Auf der anderen Seite, wir haben Einladungen gehabt. Beim Bauhaus Jahr war es ganz, ganz toll. Die Goethe Institute haben uns geholfen global, aber auch die Auswärtigen Ämter haben uns geholfen. Also ganz, ganz toll. Also die Bundesrepublik Deutschland, sprich die Botschaften, die Länderbotschaften haben uns geholfen mit Reisekosten etc. Und das war dann eben ganz unterschiedlich.
Und das muss man sagen, das waren dann von teilweise Erstsemestern, die wir bekommen haben, wo die Institution gesagt Probiert es doch mal mit unseren Studienbeginnern. Wir hatten aber auch genau das Gegenteil gehabt am Beispiel von La Paz oder ein Beispiel von einem Workshop Macau, dass wir komplettes Lehrpersonal im Kurs hatten. Ach tatsächlich, dass die quasi sehen wollten, wie ist die Methodik, wie wir unterrichten, was können sie davon lernen?
Und dann quasi die Lehrenden bei uns selber Unterricht genommen und haben dann diese Methoden natürlich auch wieder modifiziert und weitergemacht. Und das ist natürlich auch ganz toll, was wir dann auch gesehen haben über Instagram oder andere Medien, wie sich denn diese Gedanken weiterentwickelt haben.
Simon Frisch
Also 2019 das Bauhausjubiläum, das war der Booster. Und danach hat sich sozusagen wiederholt, was sich im Bauhaus auch, also die Infizierung der Welt mit einer Idee.
Markus Weisbeck
Ja, also das ist natürlich auch immer professioneller geworden, weil natürlich auch hier dank dem International Office hier an der Bauersuniversität und die ganzen Kontakte, die entstanden sind, sind daraus natürlich auch Partnerschaften entstanden, nicht nur einmalige Reisegruppen, dass man irgendwo hinfährt, sondern es sind richtige Partnerschaften entstanden, Universitätspartnerschaften und wir haben eine sehr innige Partnerschaft zu Korea, zu Partyschool in Paju, unweit von Seoul.
Wir haben aktuell zwei Studierende der Normal University of Taipeh hier, da war ich jetzt gerade auf einer Visite, Professorship, zwei Monate im Sommer und die Sachen verdichten sich dann auch irgendwie von Land zu Land. Also aktuell arbeiten wir intensiv an Kontakten nach Japan, aber andererseits sind auch Kontakte nach Tschechien entstanden im letzten Semester.
In Pilsen, Pilsen University haben wir auch eine Delegation jetzt hier In USA werden gerade Gespräche geführt, in Kanada werden gerade Gespräche geführt, Aber es ist eine relativ kleine Szene, muss man sagen. Also wer in dieser visuellen Kommunikation, diesem Grafikdesign drin ist.
Es gibt ja jährlich zum Beispiel die AGI Konferenzen, das sind relativ wichtige Konferenzen für unser Metier, also Allianz Grafik International, die ist jetzt in vier Wochen in Vietnam und da trifft man dann natürlich Kolleginnen und Kollegen global und die davon gehört haben, das ist auch das Projekt, was wir jetzt gerade verfolgen, das Ganze noch mal mit einer größeren Sichtbarkeit zu versehen und die Kamera noch mal ein bisschen höher in der Aufnahme zu setzen auf die Welt.
Simon Frisch
OK, verstehe. Jetzt kommen ein paar Sachen so zusammen. Es gibt da schon auch so eine globale Community, die insgesamt an Grafikdesign oder an visueller Kommunikation arbeitet. Man kann Lokalstile oder sowas gar nicht mehr so differenzieren oder wie ist da deine, wie würdest du das charakterisieren? Also haben wir hier eine Bauhaus-Universität irgendwie gibt es Lokalität oder wie?
Markus Weisbeck
Es gibt begrenzt Lokalität, es gibt begrenzte Lokalität, es gibt schon Microtrends. Es gibt nicht mehr die Trends, wie wir vielleicht noch vor 10, 20 30 Jahren haben. Das gibt es nicht mehr, weil auch einfach die Studierenden natürlich komplett digital und global unterwegs sind.
Simon Frisch
Was für Trends waren das vor 20, 30 Jahren?
Markus Weisbeck
Das heißt zum Beispiel? Das heißt z.B. in Zentraleuropa gab es verschiedene Schrifttrends, Es gab eine Art Schweizer Schule, die extrem, sage ich mal, minimalistisch ausgebaut war. Es gab wieder eine deutsche Antwort davon, so in den 80er Jahren in der Münchner Gegend oder Schwäbisch Gmünder Gegend sehr reduziert, humanistische Groteske, linksbündig, viel Weißraum etc. Etc. Das waren so Haltungssachen 60er 70er Jahren, das hat sich so ein bisschen verflüssigt.
Aber interessanterweise ist es ja so, um auf die Konferenzen zurückzukommen, ist man mit den Kolleginnen und Kollegen sehr gut vernetzt und das ist natürlich auch toll, weil das ist ja nicht so, dass wir nur tolle Systeme und Methoden hier uns ausgedacht haben und die praktizieren, sondern wir natürlich auch ständig Input von außen haben und uns mit den Kollegen auch so absprechen und gleichermaßen also beispielsweise Workshop Programmen zu okay, was macht ihr denn gerade jetzt in den USA, in Yale für Workshops?
Was macht ihr gerade am Pratt für Workshops? Was macht ihr gerade in Korea oder in Japan für Workshops? Welche Workshops funktionieren gut, Welche sind analog, welche sind digital etc. Jetzt kommen die neuen Medien noch dazu oder die erweiterten Medien wie AI, Creative Coding und diese ganzen Geschichten macht die Sache noch mal extrem spannender.
Simon Frisch
Ja, das glaube ich. Und vor allem so schnell, so spannend. Vielleicht kurz, weil ich das notiert habe hier Techniken. In welchen Techniken arbeitet ihr? Das wäre es vielleicht nochmal. Also die Grafikdesign hat ja eine lange Tradition in sehr analogen Wo würdest du den Schwerpunkt hier in Weimar? Kann man den charakterisieren? Kann man Ne, wir arbeiten eher digital, wir arbeiten jetzt total mit AI oder wir machen noch Radierung.
Markus Weisbeck
Wir müssen ja schon davon ausgehen, dass wenn die Studierenden hier fertig sind in Weimar, dass sie natürlich auch ein entweder Jobs in Agenturen, in Institutionen bekommen wollen oder sich auch selbstständig machen. Und es ist natürlich klar, dass das Ausgabemedium zu 90 Prozent mittlerweile digital ist. Das heißt, die Animation natürlich viel mehr in den Vordergrund gerückt als noch das Standbild mehr oder weniger, weil es natürlich auch immer noch ganz interessant ist.
Aber zurück zu deiner Frage, wie wir das hier machen. Wir gucken immer, dass wir analoge Übungen machen. Wir gucken auch immer, dass wir analoge Tasks Also aktuell haben wir jetzt im Semester einen Workshop, der komplett nur mit einem Kopierer funktioniert, Schwarz-Weiß und Farbkopierer in Kombination mit den Zoom Faktoren und der eigentlich komplett ohne Computer auskommt.
Simon Frisch
Ah ja, OK. Und welche Rolle spielen noch diese? Also es gibt ja eine eigene Druckwerkstatt hier. Welche Rolle spielt die noch für die Ausbildung hier?
Markus Weisbeck
Die Werkstätten spielen bei uns eine ganz, ganz große Rolle weil da ist natürlich die Druckwerkstatt oder die verschiedenen Druckwerkstätten, die wir haben, also von Offset über Radierung, aber eben Rezo Copy Techniken. Aber darüber hinaus geht es auch schnell ins Digitale, wie Creative Coding, Processing, solche Geschichten.
Also es gibt oftmals Vermischungen von Sachen. Es gibt aber auch Studierende, die gehen dann die Holzwerkstatt und lassen irgendwelche großen Lettern lasern, nutzen die wieder als Druckstöcke, kombinieren die und dann kann man sagen, das eine ist quasi vielleicht mit einer Processing Software entwickelt worden, dann wird es wieder analog, es geht wieder raus aus dem Computer, dann geht es wieder aufs Blatt Papier, es wird wieder gedruckt.
Also da sind unsere Studierenden schon aufgrund der wirklich hervorragenden Werkstätten auch wirklich toll, muss man sagen. Und das ist auch so ein bisschen, was uns vielleicht unterscheidet zu vielen Hochschulen, die Kombination mit den Werkstätten und die Kombination mit dem Unterrichtsstil, so eine Art spezifische Weimarer Studentin, Student rauslässt, das kann man schon sagen.
Also konzeptstarke Praktika, hat mal ein Kollege von uns gesagt und das trifft es.
Simon Frisch
Eigentlich ganz gut, das höre ich auch immer wieder bei Wettbewerben und so weiter. Es ist immer ein Prototyp mit dabei und das ist irgendwie Weimar spezifisch. Nicht nur das Konzept, nicht nur die Abbildung, nicht nur das Modell, sondern der Prototyp ist da und der kann hier auch hergestellt werden. Das ist schon eine hohe Qualität. Würdest du es auch so sagen?
Markus Weisbeck
Ja, würde ich auch sagen. Würde ich auch sagen. Und ein extrem gutes Dabeisein beim Studieren, das darf man auch nicht vergessen hier. Wir haben hier eine kleine Stadt, wir haben nicht so viel Ablenkung, wie das vielleicht in großen Metropolen ist. Und das heißt, das, was man hier auf jeden Fall am besten machen kann ist studieren.
Simon Frisch
Keine Ablenkung. Ja, aber tatsächlich, das ist ja eigentlich auch das, was man sich wünscht, wenn das Studium interessant genug ist, dass man sich dann auch darauf konzentrieren kann Und wenn dann noch Werkstätten da sind und Arbeitsräume, die 24 Stunden offen sind, dann hat man eigentlich alles, was man braucht.
Markus Weisbeck
Wir haben auch eine ganze Menge Initiativen der Studierenden. Wir haben zum Beispiel Textilwerkstatt, solche Sachen. Oder haben das Risolab ist zum Beispiel auch eine Initiative von Adrian Palko, einem künstlerischen Mitarbeiter plus Studierenden. Das heißt, wir haben da auch wirklich selbst initiierte Sachen, wo dann auch irgendwie fördertes Geld reinfließt oder irgendwie eingeworbenes Geld oder wie auch immer.
Simon Frisch
Ich habe jetzt auch gehört, dass Scenes irgendwie immer interessanter wird für Studierende seit ihrem digitalen Digitaldruck auch irgendwie auf dem Weg oder schon da.
Markus Weisbeck
Wir haben gerade einen Antrag von einer großen Digitalmaschine im Laufen. Ich kann nicht mehr dazu sagen, als dass es ein Antrag ist, aber es wird auf jeden Fall ein großes Ding werden. Aber wir haben darüber hinaus ganz, ganz tolle Rezo Drucker.
Simon Frisch
Das ist die Technik. Dann hast du den internationalen Kontext, dann hast du da sehr viel Erfahrung und Vergleich.
Dann gibt es den Community Wo geht es hin mit Grafikdesign und insbesondere mit der Ausbildung und der Hochschule. Du hast gerade schon von Verflüssigung gesprochen. Mich würde interessieren, wie diese ganzen Transformationsprozesse, Ich fand das sehr interessant, wie du gerade geschildert hast, von Gewerk zu Gewerk, von Technik zu Technik, immer wieder analog, digital.
Man kann es fast gar nicht mehr unterscheiden. Also es sind fast miteinander einhergehende Prozesse, die dann zum Produkt führen. Wo geht das hin? Was sind das für Herausforderungen, wenn wir heute über die Gewerke, über die Technik, über die Praxis von Kraft Grafikdesign nachdenken und wo geht es hin?
Markus Weisbeck
Ich wäre gleichermaßen aber auch die Frage nach der Zukunft von Kunst und Designlehre einen Gang zurückzuschalten oder einen Blick höher. Und ich finde das klassische Modell der jungen, aufstrebenden Künstlerinnen, also nach dem Studium oder das Runterkommen als Praktikum, steht nicht mehr in angemessenen Verhältnissen von den Gehältern und den Erwartungen der Absolventin, weil es einfach auch zu wenig Projekte, zu wenig Jobs und zu wenig Galerien gibt.
Was aber ganz toll ist und was neu ist, kann man sagen, dass die Zwischenräume und die Schnittstellen und die kreativen Nischen, die sich ergeben in unserer Gesellschaft und aufgrund der technologischen Entwicklung natürlich weiter zugenommen haben. Und das sind die Sachen, die ich eigentlich total interessant finde.
Das was bringen wir den Studierenden bei? Vor allen Dingen Kreativität, Ideen, Ideen zu entwickeln, eigenständig und interdisziplinär umzusetzen. Also von Creative Coding über Food Trends über gestalterische Verarbeitung zu Servicedienstleistungen, Mode, Lifestyle, Zeitgeist, alles Mögliche.
Also alles, was hier so in diesem kulturellen Umfeld oder bei uns in der Gegenwart interessant ist. Und das sind eigentlich so Sachen, die ich als Aufgabe sehe für Kunst und Designhochschulen der Zukunft, dass man eben nicht in den Nischen denken sollte, wie man das bisher gedacht hat, Also in dem Ich werde Künstler oder ich werde Designer, sondern das noch mal so ein bisschen größer denken kann.
Simon Frisch
Diese Zwischenräume und Schnittstellen. Kannst du ein paar benennen noch so ganz konkret weiß ich nicht, was ich mir darunter vorstelle.
Markus Weisbeck
Naja, zum Beispiel kombiniere ich eine Social Media Aktivität mit einer physischen Produktentwicklung und habe dann plötzlich eine digitale Manufaktur, so ein Co Crafting Gedanke oder sowas. Das heißt, ich habe da das Interessante ist bei den Gesprächen, die wir jetzt geführt haben in Taiwan und Taiwan hat eine wesentlich geringere Trefferquote, als wir das vielleicht in Deutschland haben von den Absolventinnen, Absolventen der Kunst und Designhochschulen, die sich darüber bewusst sind und gerade diese Nischen fördern. Die reden von zwischen 2 und 5 Prozent, also aktiven Künstlern und Gestalterinnen, die quasi nach der Schule in diesen Berufen arbeiten, statt sieben Jahre später. Aber gleichermaßen gibt es eben in diesen Nischen ganz, ganz neue, ganz ganz neue Beschäftigungsfelder und ganz ganz neue, sage ich mal, Erfindungen, die da gedacht werden. Und jetzt Fall von Taiwan, die dafür sich auch brüsten, extrem kreativ zu sein. Also Taipeh war auch das World Design Capital 2016 und sowas färbt natürlich auf einer Stadt ab. Das heißt, wenn ich da irgendwelche neuen Gastroideen habe, irgendwelche neuen Shop Ideen habe, irgendwelche Kaffee Ideen haben, irgendwelche neuen Serviceideen haben und oftmals sind es dann die Autorinnen und Autoren, dann doch ehemalige Kunst oder Designstudenten.
Simon Frisch
Das finde ich gerade total spannend. Also das heißt, die Berufsbilder der Leute, die Grafikdesign Studiengänge, künstlerisch kreative, visuelle und so weiter in diesem Bereich studieren, stehen noch gar nicht fest. Aber die Abgänger, die Absolventen haben etwas gelernt, was sie dann in die Welt bringen und erfinden diese Zwischenräume und Berufe, gestalten bestimmte Bereiche, Areals, Milieus neu und dann entstehen neue Praktiken, Verhaltensweisen, Lebensweisen. Das heißt, die Berufe werden miterfunden.
Markus Weisbeck
Das ist eine Möglichkeit. Es steht allerdings in einer sehr großen Tradition von Grafikdesign, denn wir wissen, die Beatles und die Rolling Stones haben auch mal Grafik studiert.
Simon Frisch
Ja, richtig, stimmt. Das ist dann interessant, dass du auch auf die Initiativen hingewiesen hast, weil ich mich gerade frage, was bedeutet das für die Lehre? Das ist ja dann vielleicht nicht ganz ungeschickt, wenn die Studierenden schon während der Lehre lernen, ihre Praxis zu betreiben und zu finden. Das heißt, man lässt ihnen, wenn sie da einen Raum finden oder wenn sie was aufmachen, die Möglichkeit, das zu erfinden, auch an der Uni schon.
Markus Weisbeck
Wir gehen aktuell davon aus, dass wir die Masterstudierenden, die wir jetzt ab nächstem Semester aufnehmen, verpflichten so aufnehmen, dass sie mit einem fertigen Thema ankommen sollten. Also sprich ein viersemestriger Master, der aber themengebunden ist und der jetzt nicht verpflichtend themengebunden ist, was noch nicht 100 Prozent definiert ist, aber zumindest eine Richtung vorgibt und wo es dann an der betreuenden Professur hängt, wer das dann begleitet, das Projekt, aber gleichermaßen, das auch komplett offen gedacht werden kann, offen gedacht werden kann, wie ich es gerade schon erwähnt habe in den Beispielen der Schnittstellen der Zwischenräume. Und wir haben eine Menge Beispiele gehabt in den letzten Jahren, muss man sagen, wo sich Leute in was rein vertieft haben und dann oftmals eine Design Nische gefunden haben, die dann quasi zu was Größerem geworden ist, weil aus der Nische wurde dann irgendwas, ein eigenes Startup, eine eigene Produktwelt oder waren spezialisiert im internationalen Konzern mit ihrem spezifischen Wissen, was zu erarbeiten zu dem aktuellen Masterstudierenden, der jetzt in der internationalen neuen Drucktechnik dabei ist, hat mit einer Drucktechnik entwickelt oder war dabei einer Drucktechnik Entwicklung, die es vorher nicht gegeben hat, die im Bereich von Fahrrädern verwendet wird. Und bei sowas sind wir natürlich auch ganz froh, dass die Leute dann sich so reinfuchsen in irgendwelche Themen, wo es dann quasi was Neues rauskommt. Das ist auch die Voraussetzung.
Simon Frisch
Das ist wirklich jetzt spannend, weil das verstehe ich jetzt so ein bisschen so, dass die Studiengestaltung sehr flexibel und sehr sensibel gleichzeitig, also flexibel und sensibel angelegt ist, weil man muss dann gut zuhören jetzt als Metapher, was sich da entwickelt und wie man das begleitet.
Also es ist ja eigentlich eine sehr mentorenstark organisierte Lehre, so stelle ich mir vor, weil man die Initiative ja wahrnehmen muss.
Also dann ist da eine Initiative Wie stark guckt ihr bei euch, dass ihr oh ja, da entwickelt sich jetzt was, das fördern wir jetzt.
Wird das mein curricularer Auftrag.
Markus Weisbeck
Oder umgekehrt gedacht, Wenn wir jetzt davon ausgehen würden, wir würden die Studierenden so unterrichten, wie wir mal unterrichtet worden sind vor 20 30 Jahren oder whatever. Das ist natürlich vollkommen aus der Zeit gefallen, weil diese Thematik ist komplett weg. Das heißt, wir müssen immer nach neuen Thematiken suchen und wir sind in der visuellen Kommunikation sogar so weit, dass wir wissen ja noch nicht mal die Ausgabemedien der Studierenden von Beginn, wenn sie fertig sind.
Wir wissen ja noch nicht mal, ob das Internet in der Form in 5 Jahren noch existiert, ob es Instagram, ob andere soziale Medien überhaupt noch gibt, ob es Kombinationen davon gibt. Das wissen wir alles nicht.
Simon Frisch
Wie gehen wir damit um?
Markus Weisbeck
Die Aufgabe der Studierenden ist es, kreativ zu sein, Ideen zu entwickeln, ein eigenes Vokabular zu entwickeln und damit zu überraschen.
Simon Frisch
Und das ist ja jetzt wirklich spannend. Wir wurden so und so ausgebildet. Jetzt kommen da Studierende mit einem ganz anderen Setting, mit einer ganz anderen Zukunft und so weiter. Wie gelingt es uns Lehrenden? Ich frage jetzt mal für uns alle in allen möglichen Disziplinen von dem Gelernten wieder zu verlernen. Also im Grunde in Hinsicht auf was die jetzt ja brauchen.
Markus Weisbeck
Ja, aber das ist ja das Tolle an der visuellen Kommunikation, an den Designberufen. Wir sind ja quasi auch geschult, also auch als alte Hasen in Anführungszeichen natürlich ständig uns neue Sachen anzugucken, denn wir können ja quasi uns den Mohn oder den Zeitgeist, das meine ich jetzt positiv, nicht zu verschließen und sagen, früher war es besser. Das ist ja für unsere Disziplin nicht unbedingt vorteilhaft.
Simon Frisch
Das ist interessant. Ist das eine Haltung, die man haben muss, wenn man, also man darf keine Nostalgie mitbringen.
Markus Weisbeck
Man kann natürlich schon irgendwelche nostalgischen Untersuchungen machen und das ist natürlich schon toll. Und man kann natürlich auch, was ich auch gerne mache, ich leihe mir oftmals historische Workshop Formate, auch Workshop Formate wirklich ein Bauhaus hier, die in Weimar entwickelt worden sind, modifiziere die dann weiter und arbeite damit und hänge mir jetzt aber keine Orden rum, dass ich hier Bauhaus Workshops mache, sondern die werden natürlich modifiziert auf die Gegenwart und auf die Need der Studierenden.
Simon Frisch
Zum Beispiel kannst du Beispiele nennen von Bauhaus Workshops, Das interessiert ja bestimmt viele.
Markus Weisbeck
Das sind zum Beispiel Ordnungssysteme, wo man hat, das hatte Klee gemacht, das hatte Kandinsky gemacht, wo wir sagen, wir haben wir Orten auf einer Fläche, schwarze Objekte nach den Prinzipien von Rhythmus, vom Streuen, von Zufall, von Fallenlassen und fangen an, Ordnungssysteme noch von links nach rechts zu orientieren, von oben nach unten zu zentrieren.
Das sind so ein bisschen so grundleere Sachen und damit kann man eine Menge Spaß haben, damit kann man sich das ganze Semester beschäftigen.
Simon Frisch
Das glaube ich sofort, kann ich mir gut vorstellen und Was ich jetzt auch so ein bisschen höre ist, es geht tatsächlich auch immer ein bisschen darum, also Kreativität entsteht durch Verlernen oder durch Neukonfiguration. Ist das ein Prozess der ständigen Neukonfiguration, um den es da geht?
Markus Weisbeck
Neukonfiguration beziehungsweise Weiteronfiguration oder weiter. Man würde ja die Sachen jetzt nicht unbedingt ganz ablegen.
Also es gibt ein Beispiel, die Farblehre von Josef Albers, der quasi immer mit den Mutter, Vater und Kind Farben von denen immer geredet hat und so haben sich die Farben immer bemischt und so weiter.
Hatten wir in einer Bachelorarbeit einen Studenten gehabt, der hat es mit Adoptivkindern weiter gesponnen. Man hat dann quasi die Klappe aufgemacht für Adoptivkinder aus anderen ethnischen Gruppen. Und da kommen natürlich andere Farbsysteme raus als bei Vater, Mutter Kind Farbe.
Simon Frisch
Ja, sehr schön. Das heißt, das Bewährte kann eine Kategorie sein, aber es wird nie ein Register. Da sind wir dann wieder dabei, dass es wirklich um diese Haltung geht. Also es ist eine Gymnastik irgendwie oder so.
Markus Weisbeck
Vor allen Dingen in Bewegung bleiben. In Bewegung. Wir müssen in Bewegung bleiben und das müssen die Studierenden ja auch, wenn sie später, und die wissen ja eben auch nicht, was ich vorhin schon sagte, in welcher Software sie arbeiten und welches Ausgabemedium sie haben nach ihrem Studium.
Wir wissen das nicht im Vermitteln. Das Einzige, was wir sagen können, wir können quasi diese Aufgaben, die wir vielleicht mal gelernt haben, diese ganz klassischen Medienaufgaben, also entwickle jetzt mal ein Corporate Design für ein Craft Beer Label als Beispiel, Da wissen wir von vornherein, was dabei rauskommt. Das machen mittlerweile Adobe Libraries besser, das kann ich googlen, da habe ich bessere Ergebnisse.
Simon Frisch
Und jetzt sind wir quasi bei den generativen Geschichten und Techniken. Das heißt, von denen sind das würdest du, das hört sich jetzt so an, davon sind wir jetzt entlastet, befreit.
Markus Weisbeck
Das hat damit zu tun, wie wir uns damit auseinandersetzen. Also wenn wir natürlich Klischees folgen wollen, dann sind wir davon nicht entlastet. Wir wollen ja quasi Klischees nicht folgen, denn es gibt ja so Sachen, wo wir denken, dass manche Sachen auf der Welt so aussehen, wie sie aussehen in der visuellen Kultur.
Simon Frisch
Ja, spannend.
Markus Weisbeck
Und das ist ja nicht Sache, die wir unbedingt weiterverfolgen wollen. Eine Homepage für eine Institution, die muss ja nicht so aussehen wie eine Homepage Institution davor, die kann ja auch ganz anders aussehen.
Simon Frisch
Das ist wirklich interessant. Wie erkenne ich die Sachen, die ich mache, dass die zu dem passen, was mein Auftrag oder mein selbstgestelltes Ziel ist, wenn es nicht aussieht, wie es aussieht.
Markus Weisbeck
Ja, und vor allem, wenn sich die Leute damit länger beschäftigen. Also nicht, dass es jetzt nervig ist als Produkt, als visuelles Produkt, das kann man ja nicht lesen, die Schrift ist zu klein, zu groß oder wie auch immer.
Sondern im Prinzip gehen wir immer von einem visuell gut gemachten Produkt aus, wenn man sich länger damit beschäftigt und dadurch bleibt es länger im Gedächtnis.
Simon Frisch
Hast du Kriterien für ein gut gemachtes Produkt? Gibt es irgendwas, was auf jeden Fall erfüllt sein muss in Hinsicht auf zum Beispiel ein Craft Beer Label?
Markus Weisbeck
Ich würde da eher mit guten Corporate Designs oder so einherkommen oder so? Da gibt es schon sehr, sehr gelungene Sachen. Wenn wir uns da gibt es ganz, ganz tolle Städtedesigns, wie zum Beispiel Amsterdam ist ein gutes Beispiel, Porto ist ein gutes Beispiel, Baku ist ein tolles Beispiel für Corporate Design in Aserbaidschan. Wir haben oftmals die Design Festivals oder die Kulturfestivals, zum Beispiel Media Art City in Seoul hat ein ganz, ganz tolles Corporate Design, die Quanju Biennale hat ein tolles Design.
Die Documenta in Deutschland ist ja auch fast so eine Art von Designwettbewerb, was wir immer haben mittlerweile in Documenta 17, glaube ich oder sowas. Da haben wir quasi eine Geschichte von deutscher Designlandschaft, besten Gestalterinnen und Gestaltern, die dafür gearbeitet haben. Das sind, glaube ich, so ganz gute Punkte, die wir sehen. Aber es gibt auch großartige Firmen. Also ich meine, wenn man sich das Corporate Design von großen Automarken anguckt, das ist auch total interessant.
Simon Frisch
Überzeugt das Design, wenn mans sieht oder kann man irgendwie auch Kriterien beschreiben?
Markus Weisbeck
Gutes Design überzeugt visuell und die Kriterien, die können vielleicht in der Küche Rezepte sein, die man angewendet hat, wie zum Beispiel Kontraste, wie zum Beispiel laut und leise, wie zum Beispiel schnell und langsam.
Das sind zum Beispiel Sachen, die wir in der Grundlehre hier auch vermitteln, beispielsweise in den Bauhaus Büchern sehr schön.
Aber letztendlich fragt ja dann der normale Konsumentlaie nicht danach, wie das Rezept funktioniert von einer Marke, die er sieht in dem Sinne, sondern da muss es eigentlich in sich visuell überzeugen und da muss es im Prinzip vor allen Dingen neu sein.
Es muss einen Tick haben, der ein bisschen weiter geht, was man vorher gesehen hat. Sonst bräuchten wir auch nur zwei Schriften, eine Serif und eine Sans Serif und dann bräuchten wir noch schwarz und weiß, dann wäre das aber relativ schnell erschöpft.
Simon Frisch
Okay, das ist die ästhetische Verantwortung, würde ich jetzt sagen. Ich finde schön die Kategorien laut und leise, schnell und langsam und wir reden hier über Grafikdesign, sehr schöne Kategorien, wo man jetzt sagen könnte, das ist ja metaphorisch oder so, aber ich glaube, es ist nicht nur eine Metapher. Also das, das laute und das leise, das ist ja nicht notwendig etwas, was sich ans Ohr adressiert. Und schnell und langsam ist nicht unbedingt was Motorisches.
Markus Weisbeck
Bei uns in den grafischen Disziplinen natürlich auch formale Gesetze oder formale Möglichkeiten, Kontraste zu schaffen. Und das ist klar. Man teilt ein quadratisches Papier diagonal in eine schwarze, eine weiße Fläche und plötzlich habe ich einen Kontrast und habe eine Form.
Jetzt teile ich diese Flächen nochmal in der Hälfte wieder in schwarz und weiß als Kontrast habe ich wieder einen Kontrast oder habe ich wieder eine Fläche und habe wieder eine Art von Dramatik, Kompositionsdramatik. So kann ich endlich weiterspielen.
Das heißt, jetzt gehe ich jetzt von harten Flächen aus, jetzt mache ich dasselbe Spiel mal mit weichen Flächen und mache das mit Übergängen, mit stufenlosen Verläufen. Oder ich mache es mit grafisch Formen.
Jetzt fange ich an, grafische Formen zu sortieren, wie beispielsweise, ich nehme jetzt auf einer quadratischen Fläche, sage ich mal Hühnerei, große schwarze geometrische Formen und fange die jetzt an zu sortieren. Die kann ich stapeln, die kann ich in die Ecke stellen, die kann ich irgendwie als Kreis anordnen, damit kann ich eine ganze Menge machen, Ich kann sie überschneiden lassen, Plötzlich habe ich eine neue Form, ich kann ganz viele grafische Formen überschneiden lassen und wieder habe ich eine neue Form.
Dann kann ich mit Negativform reingehen. Ich habe jetzt dieses weiße Hühnerei, was ich drauflege auf die schwarze Gruppe. Und so entstehen grafische Kompositionen.
Simon Frisch
Also es ist auch ein Hantieren, sehr, sehr viel Hantieren dabei auf unterschiedlichen Ebenen, auch nicht immer mit der Hand, sondern mit dem Auge oder mit.
Markus Weisbeck
Ja, mit probieren.
Simon Frisch
Mit probieren, ja, ja, genau.
Markus Weisbeck
Und versuchen es ja auch, denn wir haben ja in dem Sinne, das darf man nicht vergessen, beide sein. Wir sind ja nicht die Mathematiker, die sagen 1 und 1 ist 2, sondern wir müssen ja was anderes behaupten.
Was genau, im Idealfall müssen wir behaupten 1 und 1 ist 3. Dann können wir sagen, aber dadurch, dass wir das formal, das natürlich rechnerisch schon nicht stimmt, also dieser Hink, der Vergleich, der mathematische Vergleich hinkt, Aber wenn es formal überzeugt, kann es ja trotzdem next step sein. Und da wird es ja eigentlich interessant für uns.
Simon Frisch
Gerade ein ganz interessantes Wort, die Sprache, gerade die Terminologie, Probieren, Dramatik. Es sind Inszenierungen, sind es Bühnen.
Markus Weisbeck
Ja, kann man sagen, da gibt es eine Verwandtschaft. Ja, es ist ein Ausprobieren, ständiges Austarieren. Es ist ein ständiges Probieren. Und das ist ja auch das, was am Designprozess selber Spaß macht.
Denn wir haben ja oftmals nicht eine Lösung, wenn wir einen Prozess begleiten. Wir haben oftmals mehrere Lösungen und oftmals stellen wir dann auch, oder die Studierenden jetzt im Unterricht, wie aber auch später im Berufsleben, es gibt manchmal die eine Lösung, aber es gibt manchmal auch verschiedene Variationen, wo man sich dann auch selber gar nicht sicher ist. Was aber ganz gut ist, weil aus dem Probieren raus entstanden ist.
Simon Frisch
Ja genau. Also Theaterarbeit funktioniert ja auch oft so. Man fängt so an, dann stellt man die Bühne hin und dann macht man da erstmal die ersten Bewegungen und irgendwann.
Markus Weisbeck
Ja man, Design Thinking nennen wir das. Also man arbeitet von einem Gedanken zum nächsten. Und das ist ja auch, das ist ja auch im Prinzip so, wie der Mensch denkt. Also das heißt, ich weiß ja nicht, wenn ich morgens aufstehe, weiß ich, was ich denke, wenn ich morgens aufstehe. Ich weiß aber nicht, was ich denke, wenn ich abends ins Bett gehe. Und dieser Schritt, also das Gestalten selber ist sehr vergleichbar.
Und wenn ich den dritten Schritt, wenn der dritte Schritt im Designprozess der interessante ist, brauche ich ja trotzdem Schritt 2 und 1 davor.
Simon Frisch
Ja, und der dritte Schritt ist der interessante. Das heißt, der wird dann sozusagen genommen.
Markus Weisbeck
Vielleicht wird der genommen, aber ich brauche 1 und 2 und 1 und 2 brauchte ich, um auf den Schritt 3 zu kommen.
Simon Frisch
Ja, drum ist es der dritte und nicht der erste.
Markus Weisbeck
Ja, richtig. Aber ich brauche den Prozess und das ist wieder das Probieren. Das ist ganz gut, was du gesagt hast. Wenn ich den Vergleich zu den Theaterbühnen, zu den Bühnenexperimenten oder dieses Improvisieren, was wir da haben, dieses Freischreiben, Creative Writing, das sind ja ähnliche Sachen.
Und das ist eine ganz wichtige Sache, die wir haben und die auch natürlich eine gewisse Art von Unsicherheit oftmals, also gerade bei jüngeren Studierenden hat, wo man sagt, was soll das denn, wo komme ich dann dahin und wie komme ich denn da hin?
Aber das geht dann relativ schnell, sage ich mal. Wir haben nach dem Orientierungssemester noch im Einblicksemester, was jetzt zweisemestrig ist, sind wir schon so weit, dass wenn die Studierenden dann ins Projektstudium einsteigen, dass sie diesen Prozess von diesem vom Probieren, vom projektorientierten Studium zum Ergebnis kommen, schon ganz gut verinnerlicht haben.
Und das geht ja dann bei uns durch die fünf Disziplinen, durch die fünf Professuren. Und dann haben wir dann schon recht reife Studierende.
Simon Frisch
Kannst du die für uns alle noch mal nennen, die fünf Professuren?
Markus Weisbeck
Das ist die Typografie, das ist die Fotografie, das ist Text-, Bild-Komposition, das ist Bewegtbild und Grafikdesign, OK, da ist.
Simon Frisch
Das Bewegtbild auch mit dabei. Also die Bewegung ist schon mit dabei, der Ton ist nicht dabei oder der.
Markus Weisbeck
Ton ist bei uns im Bewegtbild mit dabei, aber auch in Nachbardisziplinen in der Fakultät Medien.
Simon Frisch
Du hast gerade von dem Orientierungssemester gesprochen, kannst du das ein bisschen beschreiben? Das ist ja interessant.
Markus Weisbeck
Das ist im Prinzip, die Studierenden gehen dann durch alle Disziplinen durch, das heißt, wir haben die ein Jahr und sie erarbeiten in den jeweiligen Professuren die Projekte. Also was denn die Professuren vorgeben, ist die Sache der Professuren. Es gibt meistens ein Umbrella Thema, was wir vorher gemeinsam beschließen und das endet dann oder folgt dann in einer Ausstellung, wo man dann so ein bisschen Showcase vom Semester sehen kann. Und vor allen Dingen auch darum, dass die Studierenden selber dann, das ja ganz wichtig bei diesem Probieren von diesen Designprozessen, dass die Studierenden selber zusammenwachsen, zu Gruppen werden und sich gegenseitig befruchten, gegenseitig Tipps geben und so weiter, Sachen weiterentwickeln. Das ist sehr wichtig, diese ersten zwei Semester, dass dieser Prozess stattfindet. Wir sehen ja auch oftmals, dass diese Partnerschaften, die da entstehen, also gestalterischen Partnerschaften, dann oftmals das ganze Studium durchgehen, oftmals weitergehen ins Masterstudium, aber oftmals auch zur Bürogründung führen. Also wir haben viele, viele Bürogründungen, die wir haben, selbstständige oder die irgendwo ins Ausland gezogen sind, andere Städte und so weiter, die dann in dieser Konstellation geblieben sind, weil sie sagen ist ein eingespieltes Team, ist doch wunderbar.
Simon Frisch
Das Umbrella Thema geht über das ganze Jahr oder jeweils.
Markus Weisbeck
Es geht über zwei Semester.
Simon Frisch
Das geht über die ganzen zwei Semester und die Ausstellung ist dann am Ende des Jahres.
Markus Weisbeck
Am Ende ist dann eben parallel zu Summaery etwas Summaery, glaube ich.
Simon Frisch
Man fängt im Winter an und ist im Sommer.
Markus Weisbeck
Genau genau. Dann hat man Disziplin und ist begleitet von den theoretischen Fächern.
Simon Frisch
Und da geht man einmal durch alle Fachperspektiven durch oder wie nennt ihr es Fachrichtungen, wie nennt ihr es Gewerke, Professuren? Ja, Professuren durch alle durch und dann hat man mit allen mal Berührung und dann ist man nach dem Jahr sozusagen in der Lage zu Ich entscheide mich für hier mache ich weiter, ich mache jetzt mit Fotografie weiter.
Markus Weisbeck
Ja, das kann ein Schwerpunkt sein. Das kann ein Schwerpunkt sein, dass manche Studierenden okay, mich interessiert eigentlich nur Bewegtbild, mich interessiert nur Fotografie oder nur Typografie etc.
Kann aber auch sein, dass Studierende sagen ne, sie bleiben wirklich nur ausgewogen, sie probieren weiter und haben ja dann noch eben eine ganze Menge vor sich, eben noch Regelstudienzeit 6 Semester oder Masterstudienzeit noch 10 Semester vor sich und könnten dann sagen, wir probieren einmal weiter, ob ich mich austariere.
Es gibt auch Studierende, die kommt auch vor, das ist nicht meins, das macht keinen Sinn.
Simon Frisch
Nach dem Jahr?
Markus Weisbeck
Nach dem Jahr und ich versuche was ganz anderes oder das ist nicht. Oder was auch total interessant ist und was wir jetzt auch noch weiter schärfen wollen im neuen Master, dass Studierende, die quasi nicht in der Praxis weiterarbeiten wollen, sondern theoretischen Bereichen, dann quasi in die Theorie gehen. Und da kommt es ja auch zugute, wenn ich als Gestalterin, als Gestalter quasi die Theorie gestreift habe in den Praxis Themen, Praxis Themen und dann aber quasi aus der Perspektive mich weiter in den theoretischen Bereichen vertiefe.
Das ist eine ganz wunderbare Geschichte. Das, was jetzt auch mit dem Renaming des Masterstudiengangs einhergeht, dass wir das zur Möglichkeit machen wollen, auch für Studierende, die das nicht kennen von anderen Institutionen, dass es hier an der Bauhaus-Universität möglich ist, auch einen theoretischen Gestaltungsabschluss zu machen als Master.
Simon Frisch
Genau das hat sich du ganz zu Anfang auch schon aufgerufen. Theorie und Praxis. Wie spielt die Theorie auch schon im Bachelor eine Rolle? Wie tritt die auf und welchen Platz, also welche Zeit hat man überhaupt dafür?
Markus Weisbeck
Die Theorie ist die ganze Zeit begleitend. Also das heißt, was die Studierenden an Credit Points machen müssen in den Projekten und in den Fachkursen, müssen sie gleichermaßen auch an theoretischen Fächern machen, in theoretischen wissenschaftlichen Fächern. Und da heißt es Seminare, da heißt es Hausaufgaben schreiben. Und das ist dann oftmals ist es Kunstgeschichte. Das ein Teil ist die Geschichte der visuellen Kommunikation, Verständnis der visuellen Kommunikation,
die Geschichte der Industrialisierung, sage ich mal, Technik, Materialität, diese Verbindungen. Wo stehen wir gerade heute? Und das sind diese ganzen philosophischen Begriffe, die sich darum noch drehen. Das ist ja noch mal ganz interessanter. Also wo sind wir jetzt gerade, in welcher Gegenwart sind wir und warum sind wir in der Gegenwart und was könnte dann hypothetisch eine Zukunft für uns darstellen?
Simon Frisch
Ja, das leuchtet mir sehr ein. Dem visuellen Denken wird ein verbalisiertes Denken an die Seite gestellt, weil das Verbalisieren ja auch eine große Rolle spielt. Du hast von den Präsentationen auch vorhin gesprochen, Begründungen, Argumente.
Markus Weisbeck
Ja. Und gleichermaßen auch sich versuchen geschichtlich einzuordnen.
Simon Frisch
Aha, okay.
Markus Weisbeck
Das ist ja auch mal wichtig. Da sind wir jetzt nicht bei dem Argument, früher war alles besser, sondern eher beim Argument zu hier muss er verstehen, wo ich herkomme.
Simon Frisch
Wer bin ich heute eigentlich?
Markus Weisbeck
Wir machen das auch am Anfang des Semesters immer gerne, dass wir den Erstsemester Studierenden auch so einen großen Abriss hier von Weimar geben. Der große Abriss ist eben nicht nur ihr studiert an der Bauhaus-Universität, es gab mal dieses tolle Bauhaus für die paar Jährchen hier in Weimar, sondern wie es dazu gekommen ist.
Also wie kam es eigentlich zu dieser Malschule, zur Thüringer Malschule, Wie ist es denn zu van der Velde gekommen? Was ist der Deutsche Werkbund, wie ist das Bauhaus entstanden? Was ist nach dem Bauhaus passiert? Was ist zur DDR passiert? Was haben die Bauhäusler in den USA gemacht und was ist weiterentwickelt worden von der Lehre?
Dann viele von diesen Lehrmodellen, die hier entwickelt worden sind, bis heute, teilweise in Yale unterwegs, in Brasilien unterwegs oder teilweise in Japan unterwegs. Wir waren letztes Semester in der Kuwasawa Schule in Tokio, hatten wir einen Ausflug gehabt bzw. Hatten da ein Seminar gehabt von einer Woche. Und da sind auch extrem alte Aufgaben modifiziert wiedergegeben worden. Übrigens auch eine Schule, die von Gropius gegründet worden ist in Tokio.
Simon Frisch
Ach tatsächlich? Ah ja. Also das heißt, wir sind immer noch irgendwie auf den Spuren. Wie positioniert ihr euch da selber in dem Studiengang in Hinsicht auf das Bauhaus? Das ist ja immer mal so, mal so. Nicht die ganze Bauhaus-Universität macht das stark, dass es hier mal das staatliche Bauhaus war. In den Gebäuden sind wir ja. Wie ist eure, wie ist dein Verhältnis zum Bauhaus, zum staatlichen?
Markus Weisbeck
Das ist natürlich eine tolle Ehre hier zu sein in diesen Gebäuden, wobei unser Gebäude in der Marienstraße 1 ist nicht unbedingt ein denkmalgeschütztes Weltkulturerbe ist, aber das.
Simon Frisch
Ist ein Vorteil manchmal.
Markus Weisbeck
Der Wasserhahn geht mittlerweile zu, wenn man ihn dreht. Das funktioniert mittlerweile.
Aber muss sagen, es ist ja schon eine gewisse Verantwortung, die wir hier haben. Also das heißt, wir können hier nicht wie eine Fachhochschule oder nichts gegen Fachhochschule, wie eine Berufsschule unterrichten. Wir müssen hier ein gewisses Universitätsniveau unterrichten. Wir haben eine Verantwortung Studierende, die hier eben ihre Regelstudienzeit von 8 Semestern oder mit Masterstudiengang 10 oder 12 Semestern unterrichtet haben, dass die ein vernünftiges Portfolio haben, dass die eine vernünftige Denke haben und dass die eben auch nach außen gehen Und es war eine gute Zeit hier, sie haben was gelernt und dass natürlich auch unsere Schule auch weiterempfohlen wird. Das ist natürlich auch ganz wichtig. Wir stehen ja gleichermaßen im Wettbewerb zu anderen Universitäten und Hochschulen und das global mittlerweile. Also aktuell sind 50 Prozent unserer Erstsemester Bachelor Studierenden Ausländer.
Simon Frisch
Ah ja, die Marke Bauhaus spielt eine Rolle einfach als Klang, als Name, als Marke.
Markus Weisbeck
Die spielt eigentlich die ganze Zeit. Die spielt die ganze Zeit eine Rolle, Aber ich würde sagen, es spielt fast noch mehr eine Rolle, wenn man jetzt die Studierenden befragt, welche Ausgabemedien in den letzten Jahren stattgefunden haben, welche Microsites am Start waren, was die Leute gesehen haben.
Also wenn man jetzt studieren kann, warum studiert ihr eigentlich hier? Dann ist dann selten ich bin ein Fan von Kandinsky oder sowas zu hören, sondern das ist dann meistens so, dass sie im Internet recherchiert haben, dass sie interessantes Instagram Profil gefunden haben, SAP Webseiten. Wir haben die Bad Cloud, die ist sehr populär als Review. Wir haben Herbert, das ist der Grafikdesign Blog und das sind die Faktoren, die eine große Rolle spielen.
Und von den nicht internationalen Studierenden ist ein großer Aspekt, die Summaery. Und die Summaery ist dann aber als größeres Bild zu sehen. Nicht nur der Showcase, den man sieht, also von den Studierenden, von den Arbeiten, sondern auch die Stimmung und die Partys.
Simon Frisch
Das ist schon Wahnsinn, dass wir uns als gesamte Universität, Kunsthochschulen machen einen Rundgang jedes Jahr, Das ist normal. Aber dass die ganze Universität daran teilhat, das ist ein Profil, wovon sich dann auch die ganze Universität erfassen lässt und dann hier eine Stimmung herstellt, die möglicherweise schon einzigartig ist. Also jedes Jahr so ein Fest und alle Fakultäten, alle Fachrichtungen sind dabei.
Aber ich fand es interessant, dass du gesagt hast, dass die Gegenwart, also die gegenwärtige Produktion ist wichtig. Wir sind in Konkurrenz, wir dürfen uns auf Bauhaus nicht ausruhen. Manche sagen sogar, ach Gott, immer dieses Bauhaus, das ist mir sogar hinderlich.
Markus Weisbeck
Es ist die Gegenwart, das können wir jetzt nicht abstreiten und wir müssen jetzt auch keine lustigen Mützen tragen, die 100 Jahre alt sind oder sowas. Aber, oder Monokel oder sowas, ne, aber klar, da ist aber, glaube ich, jede Hochschule, jede Akademie hat eine gewisse Tradition, wo wir unterrichten und dann gibt es eine Verantwortung.
Es gibt eine Verantwortung, was mit den Steuergeldern gemacht wird und es gibt eine Verantwortung Ausbildung der Studierenden. Es geht ja darum, dass wir hier keine Taxifahrer ausbilden wollen, sondern es geht darum, dass wir hier einfach Gestalter ausbilden wollen, die dann später Jobs machen und mit den Jobs dann ganz einfach wieder Steuern zahlen und das System wieder rückwärts finanzieren.
Insofern ist es schon gut, wenn wir in der Disziplingestaltung im weitesten Sinne bleiben, unabhängig davon, ob das jetzt neue Nischen sind, die existieren oder neue Freiräume und dass es vielleicht nicht mehr die Werbeagenturen sind oder Designagenturen, dass es einfach etwas größer zu sehen wird, etwas größer sein wird.
Simon Frisch
Ich sehe schon permanente Herausforderungen in Bewegung zu bleiben, Das hast du vorhin auch gesagt. Die Zeit sagt uns, wir sind leider mit unserer Unterrichtsstunde schon fast durch. Haben wir was ganz Wichtiges vergessen, was wir noch unbedingt unterbringen müssen aus deiner Sicht? Ich habe hier von einer neuen Publikation noch was notiert, danach habe ich dich noch nicht gefragt, weil die anderen Themen gerade so spannend waren.
Markus Weisbeck
Also aktuell arbeiten wir an einer Publikation, die zum Ziel hat, eine Sammlung zu sein von Workshop Formaten global. Das heißt, was ich vorhin erwähnt habe, das heißt, dieser Austausch, der stattfindet mit den anderen Institutionen und gleichermaßen die Was sind gute Modelle zum Unterrichten?
Und das ist jetzt ein Rundruf, den ich gestartet habe vor vier Monaten, fünf Monaten fing das an zu sagen, ist es möglich, eine Publikation rauszugeben, die eine Sammlung ist von interessanten Workshop Modellen, von interessanten Lehrmodellen, um da vielleicht auch noch eine Gliederung reinzubekommen, also nach Lokalkoderit, nach vielleicht Kontinent, nach länderspezifischen Sachen.
Aber allgemein zu sagen, es gab immer wieder solche Publikationen in der Richtung. Es gab jetzt aber keine upgedatete Publikation, wo eben auch die neuen Technologien wie AI oder Creative Coding oder sowas noch eine Rolle spielen.
Simon Frisch
Oh, sehr spannend.
Markus Weisbeck
Die quasi jetzt 100 Jahre zurückgeht, aber auch in der Gegenwart ist ein Versuch, in die Zukunft zu gehen. Da bin ich gerade dran. Ich hoffe, es wird uns gelingen. Total spannend. Wir haben unglaublich viel Konversation und haben einen Open Call noch mal gemacht. Letzte Woche ging der raus per E-Mail global wahnsinniges Feedback bekommen wird. Ja, so eine Art Rezeptbuch, kann man sagen.
Simon Frisch
Ja, schön, schöner Begriff.
Markus Weisbeck
Kochbuch. Also ich frage die Lieblingsrezepte der Kolleginnen und Kollegen global ab.
Simon Frisch
Ja, aber sehr spannend.
Markus Weisbeck
Und das ist natürlich total toll irgendwie was und das ist auch jetzt gerade was, wo wir jetzt in so einem in so einer Umbruchphase sind. Auch noch ganz, ganz toll, was ich vorhin sagte mit diesen neuen Zwischenbereichen, die es gibt.
Ich hatte jetzt gerade mit Japan, mit der Tokio University gesprochen und da mit einer Kollegin, die auch dabei sein wird mit mehreren Workshops und die haben jetzt einen neuen Claim rausgebracht mit einem neuen internationalen Studiengang. Also Japan öffnet sich gerade 2027 machen englischsprachigen Studiengang Revolution und die haben jetzt See the world through design and then change it. Also das, was ich vorhin sagte, das heißt, die sehen das Design und Kunststoff jetzt auch als viel, viel generalistisches Modell.
Simon Frisch
Ausgezeichnet. Ästhetische Verantwortung, Urteilsvermögen, Zeitschiene. Wann dürfen wir uns auf das Buch freuen.
Markus Weisbeck
Wenn alles klappt? Sommer nächsten Jahres.
Simon Frisch
Sommer nächsten Jahres. Ausgezeichnet. Darauf freuen wir uns. Dankeschön, lieber Markus. Ich freue mich. Vielen Dank für das schöne Gespräch.
Markus Weisbeck
Danke.
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