Ep. 48 – Gespräch mit Laura Hesse

Shownotes

Wie kann Lehre als eine Form von Dienstleistung verstanden werden – und welche Konsequenzen ergeben sich, wenn eine Juniorprofessorin ihr Fach konsequent vom Wohlbefinden aller Beteiligten aus gestaltet? In dieser Episode spricht Simon Frisch mit Laura Hesse, Juniorprofessorin für Dienstleistungsmanagement und Medien sowie Fachstudienberaterin, über Lehre als transformative Dienstleistung, über Studium als Gemeinschaftsprojekt und über die Frage, wie Organisationen „Gutes tun“ können, ohne betriebswirtschaftliches Denken über Bord zu werfen.​

Hesse erzählt von Non-Profit-Management zwischen knappen Ressourcen, Ehrenamt und gesellschaftlichem Mehrwert, von Service Learning und Reallaboren mit realen Praxispartnern und von internationalen Formaten, in denen Studierende Organisationen vor Ort unterstützen und dabei Perspektiven tauschen. Es geht um Lehre als Beziehungsarbeit und Zuhören in der Fachstudienberatung, um KI als „Stützrad“, das Balance nicht ersetzt, und um die Zumutung und Chance, gemeinsam mit Studierenden zu lernen, was kritisches Denken im Zeitalter von Chatbots bedeutet. Am Ende steht ein Plädoyer für eine Universität als Ort humaner Dienstleistungen: Räume, in denen Scheitern produktiv wird, Begeisterung für Statistik entstehen darf und ein Satz einer Lehrperson genügt, um akademische Wege überhaupt erst vorstellbar zu machen.

Unser Host: Dr. Simon Frisch ist Vizepräsident für Lehre und Lernen an der Bauhaus-Universität Weimar und er leitet die Dozentur für Film- und Medienwissenschaft. Er interessiert sich besonders für die spezifische Praxis der Theorie und für die ostasiatischen Wegkünste sowie die Spaziergangswissenschaft als Perspektive und Methode in Lehre und Forschung.

Mitwirkende: Host: Simon Frisch Sound-Design und Schnitt: Jonas Rieger, Moritz Wehrmann Musik: Sebastian Lederle Artwork: Andreas Wolter Ton und Technik: Steven Mehlhorn, Moritz Wehrmann Marketing und Social Media: Claudia Weinreich, Marit Haferkamp Juristische Beratung: Laura Kister Transkript: Natalie Röhniß Produzentin: Nicole Baron Distribution: Ulfried Hermann, Jonas Rieger

Folgenwebsite: www.uni-weimar.de/lehre-podcast

Weiterführende Links:

https://www.uni-weimar.de/de/medien/professuren/medienmanagement/dienstleistungsmanagement-und-medien/

https://www.uni-weimar.de/de/medien/struktur/fachbereich-medienmanagement/

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Laura_Hesse

Simon Frisch

Das Mikrofon geht auf, zwei Stimmen treten auf. Der Vizepräsident für Lehre und Lernen ist die eine Rolle, die zu der Stimme gehört, die wir jetzt hören. Der Dozent für Film und Medienwissenschaft die andere Rolle. Wir sind Personen mit ganz vielen Personae und vielen, vielen, vielen Rollen. Ich bin zum Beispiel noch Vater und Sohn, und der Heilige Geist nicht, aber in diesen vielen verschiedenen Rollen trete ich heute aber nicht auf, sondern reduziert auf diese beiden mit dem Interesse für Lehre und Lernen hier in dem Podcast "Magie und Handwerk" und habe Laura Hesse zu Gast. Also, wer wirst du denn zu uns sprechen?

Laura Hesse

Ich würde mal mit drei Rollen starten und mal sehen, wo sich das Gespräch hin entwickelt. Einerseits habe ich jetzt die Juniorprofessur für Dienstleistungsmanagement und Medien, also bin ich Lehrende. Ich mache gleichzeitig auch die Fachstudienberatung, was ein sehr spannender Perspektivwechsel ist.

Simon Frisch

Oh, sehr gut.

Laura Hesse

Und ich bin wirklich passionierte Lernerin. Also, es macht mir sehr viel Spaß, Neues zu lernen. Und genau, diese drei Rollen würde ich heute gerne einnehmen und natürlich mich auch noch mal bedanken, dass ich hier sein darf, du dir die Zeit für mich nimmst und.

Simon Frisch

Vielen Dank, dass du dir die Zeit für diesen Podcast nimmst. Nein, tatsächlich, das sind ja diese ganzen vielen spannenden Einsichten, in denen wir jetzt dreiviertel—eine Dreiviertelstunde, sag ich, ich komme aus Nürnberg, also Süddeutschland. Dreiviertelstunde sagt man, glaube ich, auch in Thüringen.

Laura Hesse

Ich auch. Komme auch aus Süddeutschland.

Simon Frisch

Du kommst auch, dann verstehst du mich. Das ist die Dreiviertelstunde, diese 45 Minuten Zeit haben, Perspektiven zu wechseln und Einsichten zu-zu gewinnen in in die Herausforderungen, die Praxis, irgendwie auch das Handwerk und eben auch die Magie des Lehren und Lernens, Dienstleistungsmanagement und Medien. Das eine ist ziemlich präzise, das andere ist sehr allgemein. Wie-wie handelst du dein Fachspektrum?

Laura Hesse

Ach, spannende Frage gleich zu Beginn. Ja, das Schöne, also ich sehe das eher sozusagen als was ganz Positives mit dem Dienstleistungsmanagement auch, was ja auch auf sehr viele Situationen, Kontexte, Anwendungsbereiche eben angewendet werden kann. Grundsätzlich geht es ja, wie im Management generell, viel ums Planen, ums Steuern, ums Gestalten, ums Verbessern eben von Dienstleistungen, möglichst zugeschnitten auf Kunden, Kundinnen, aber natürlich auch mit einem wirtschaftlichen Interesse.

Laura Hesse

Und ich werde ganz oft gefragt: "Ja, aber was sind jetzt genau deine Dienstleistungen?" Und im Endeffekt alles, wenn man das so sagen möchte. Ich meine, wir kennen viele Produkte. Dienstleistungen sind jetzt immateriell, man kann sie nicht lagern.

Was ganz spannend ist: Dienstleistungen erfolgen eigentlich immer ganz—also in dem Moment, wo sie erbracht werden, werden sie auch konsumiert. Also beispielsweise: Wir gehen zum Friseur, lassen uns die Haare schneiden, und dadurch kann eigentlich Dienstleistung gar nicht ohne Nutzer und Nutzerinnen so wirklich wertvoll sein. Und das ist was ganz Spannendes und natürlich auch viel im Medienbereich, auch viele neue—also was heißt so neu, ist es ja gar nicht mehr, aber mit den ganzen Plattformen: Netflix, Spotify, also sehr viele spannende Phänomene.

Simon Frisch

Also ist Dienstleistung was Performatives, etwas, was Beziehung von Menschen am Hier und Ort zu tun hat, also am Hier und Jetzt, viel mehr am Ort, und was Gegenseitiges irgendwie auf eine Art. Ist Lehre eine Dienstleistung?

Laura Hesse

Ja, auf jeden Fall, würde ich sagen. Ich dachte mir schon fast, dass das bestimmt kommt als Frage, aber klar, also es ist auch eine sehr wichtige Dienstleistung. Vielleicht kommen wir nachher auch noch mal drauf. Bei mir geht es auch viel um transformative Dienstleistungen, also die, die nicht nur einen funktionellen Nutzen haben, sondern eigentlich, wo es ums Wohlbefinden der Akteure, Akteurinnen geht oder man die eben transformieren will, Wissen weitergeben. Sie sollen irgendwie besser rauskommen, als sie reingegangen sind, sage ich mal, in die Lehre.

Simon Frisch

Kannst du Beispiele nennen, also transformative Dienstleistungen?

Laura Hesse

In der—also wenn ich es jetzt auf Forschung auch mitbeziehe, ist beispielsweise: Wir forschen zu Integrationsprogrammen von Personen mit Fluchterfahrung in den Arbeitsmarkt. Das wäre so eine transformative Dienstleistung, wo es eben einerseits darum geht eine Community zu bilden, Integration zu fördern, aber natürlich am Schluss auch ja, arbeitsmarktfähig in Deutschland zu machen. Und da geht es eben nicht rein um: "Wir bringen jetzt Sprache bei." Also auch, aber eben nicht nur. Das wäre so ein Beispiel.

Simon Frisch

Ah, ich verstehe. Also bei Sprache, auch bei Frisur habe ich vorhin gedacht, das könnte man fast noch produktförmig denken. Also ich kaufe mir eine neue Frisur. Natürlich muss ich dann irgendwie eine Dienstleistung des Frisierens da mit-mit über mich ergehen lassen in gewisser Weise. Aber ich komme raus mit etwas, was ich jetzt an mir trage, nämlich diese diese Frisur. Aber eine transformative Dienstleistung ist dann doch ein bisschen was anderes. Ein Spracherwerb wäre vielleicht auch sowas, wo man sagt: "Ich habe jetzt eine Sprache erworben."

Das ist ja auch fast schon wie eine fast warenförmig, also jetzt metaphorisch. Aber Dienstleistung geht viel weiter. Man kann das gar nicht immer so genau eingrenzen, was das eigentlich ist, oder?

Laura Hesse

Genau, das stimmt. Und was auch ganz spannend ist, so diese Qualitätsbeurteilung. Also wir wissen alle, wie so ein vielleicht im besten Fall ein Tisch auszusehen hat oder ein Telefon, was es leisten soll. Und Dienstleistungen sind natürlich sehr subjektiv wahrnehmbar. Und vielleicht mit diesem transformativen Dienstleistungscharakter da auch noch mal. Also es geht vor allem mit der Digitalisierung auch nicht irgendwie eben nur darum, Dinge zu ersetzen, schneller, bequemer zu machen, sondern wirklich etwas Neues zu schaffen. Weiß ich nicht was könnten wir als Beispiel nehmen noch?

Digitalisierung im Bereich öffentliche Kommunen oder so. Ich kann mich jetzt digital online anmelden, muss nicht mehr dahin, und deswegen ist es vielleicht barrierefreier für Gruppe A, B und C, die da Schwierigkeiten hatten. Also es steht sozusagen so ein gesellschaftlicher Mehrwert auch dahinter.

Simon Frisch

Ah ja, also auch ein gesellschaftlicher Mehrwert. Das ist bei dir in deinem Bereich, das ist ja nicht bei jeder Dienstleistung automatisch gesellschaftlich, aber—aber und das ist vielleicht der Medienbereich dann?

Laura Hesse

Auch, genau. Teilhabe, Inklusion. Jetzt kommen wir doch kurz auf den Background zu sprechen, aber ich habe in Hamburg promoviert im Bereich von Non-Profit-Management, aber meine Doktormutter war da auch war sozusagen Doktorandin bei Manfred Brun, der so der Dienstleistungsmanagement-Forscher war. Also deswegen war das immer unser Ansatz, den wir auch gefahren haben, aber da eben ganz stark ausgerichtet auf diese soziale Komponente, Zivilgesellschaft. Und das will ich ja gar nicht, also will ich auch überhaupt nicht verleugnen. Und deswegen spielen so dieses Soziale aber natürlich auch das Management da eine große Rolle.

Und ich meine, auch Medien, die haben ja, haben ja eine Verantwortung, zu informieren, zu unterhalten, und das spielt eigentlich alles ganz gut zusammen.

Simon Frisch

Das finde ich jetzt also vielfältig spannend. Ich finde das jetzt alles auf einmal spannend. Jetzt muss ich mal sortieren, was ich da alles spannend finde, wie wir da Gesprächsthemen draus, Gesprächspäckchen draus machen. Non-Profit-Management finde ich jetzt ein interessantes Stichwort dahingehend, da—ähm, da wir so ein Assoziationsfeld haben, wenn wir sagen: Unternehmen Management, dann denken wir sehr schnell an: Wir verdienen Geld, wir machen Profit. Und jetzt ist aber Management mit Non-Profit verbunden. Erzähl mal ein bisschen.

Laura Hesse

Ja, genau. Also einfach eine andere Voraussetzung, würde ich sagen. Da ist es ja so, eben genau das Ziel oder die Daseinsberechtigung ist jetzt nicht, damit ich besonders viel wirtschafte, sondern, ich sag's mal ganz plakativ, Gutes zu tun, den Zweck, den ich habe, zu erfüllen, sei es eben Armut reduzieren, irgendwie Bildung, was auch immer da so in meiner Satzung steht.

Und genau, Non-Profit-Organisationen dürfen sich eben keine Gewinne ausschütten. Natürlich darf man mal Gewinne machen, die dürfen aber eben nicht raus, sondern müssen reinvestiert werden, meistens innerhalb von zwei Jahren. Zumindest dann hat man diesen Gemeinnützigkeitsstatus.

Aber am Schluss sind es trotzdem die Aspekte: Wie handle ich Personal? Es ist nur vielschichtiger, weil wir haben Ehrenamtliche, wir haben Freiwillige, wir haben hauptamtliches Personal. Trotzdem die Frage: Wie führe ich, wie gehe ich mit Regulierung um? Welches Marketing mache ich? Da ja auch oft so von wegen: "Oh, meine ganzen Spenden gehen ins Marketing." Also da so eine Abstimmung zu finden, ohne Marketing auch keine Spenden. Also es ist so ein kleines Problem.

Und man hat da eben viel mit, mit ja, Ressourcenknappheit natürlich auch zu tun und viel Außenwirkung. Aber am Schluss, ja, auch das ist eine Organisation, die gemanagt werden möchte.

Simon Frisch

Genau. Also das ist tatsächlich, was ich glaube, in einem anderen Kontext haben wir da auch schon mal drüber gesprochen, das Unternehmerische, das Entrepreneurship sozusagen als eine Unternehmung, etwas, was man unternimmt, zu denken, wofür man natürlich Ressourcen, Kräfte, Zeit und so weiter einsetzen muss, in Hinsicht auf eine bestimmte Wirksamkeit. So kann man es dann runterbrechen.

Und du hast gerade von Zielen und Zwecken gesprochen oder etwas Gutes zu tun. Jetzt kann ich ja auch sagen: Ich will etwas Gutes tun, nämlich für mich ist gut, reich zu werden. Dann wäre ich so ein Unternehmer, der im ersten Assoziationsfeld irgendwie beim Unternehmen immer die Idee ist, dass man sagt: "Ich gründe ein Unternehmen, will reich werden." Aber die wenigsten Unternehmen möglicherweise finden eigentlich in dieser Hinsicht statt.

Das ist mehr oder weniger vielleicht so eine populäre Erzählung. Das meiste, was wir doch unternehmen, ist möglicherweise eben doch non-profit-orientiert weitgehend. Wir wollen natürlich nicht verhungern dabei. Und dann organisieren sich: Wir müssen Leute bezahlen, die was damit machen. Die müssen auch manchmal schlafen und ihre Kräfte regenerieren und so weiter. Und schon ist man im Management. So würde ich das verstehen.

Laura Hesse

Genau. Also ich würde sagen, natürlich bei Unternehmen kann man schon noch mal klar unterscheiden zwischen denen, die wahrscheinlich schon sehr profitorientiert sind, die großen Player sind. Aber auch da ist natürlich so Social Corporate Responsibility ein immer größeres Thema. Wobei, na ja, vielleicht manchmal ist es auch so wie bei diesem Greenwashing. Manchmal wird vielleicht mehr gesagt als getan, aber da will ich gar nicht, also das kann ich vielleicht gar nicht so gut beurteilen.

Und aber dann gibt es auch viele Unternehmen, die sagen, na ja, vor allem auch viele Startups, die sagen: "Wir sind eigentlich so Sozialunternehmen. Wir wollen zwar jetzt vielleicht nicht eben Armut bekämpfen, aber mit dem Produktenshare beispielsweise, die wir haben, spenden wir einen Euro oder wie viel auch immer von etwas, das wir verkaufen." Also ich glaube auch, es geht auf jeden Fall mehr dahin.

Aber bei Non-Profit-Organisationen ist schon dieses Zivilgemeinschaft, also es muss schon einem größeren Zielpublikum was bringen, sage ich mal.

Simon Frisch

Eine Universität ist in gewisser Weise auch eine Non-Profit-Organisation. Die ist zwar nicht selbstständig, sondern staatlich organisiert oder von der öffentlichen Hand. Aber auch da gibt es sehr viel Management. Das Wissenschaftsmanagement spielt eine große Rolle. Ich könnte mir vorstellen, dass das eigentlich zum Dienstleistungsbereich in gewisser Weise irgendwie gehört. Die öffentliche Hand hat ja sehr viele Dienstleistungen und Dienstleistungsbereiche, die irgendwie mit Non-Profit zu tun haben.

Kommen wir mal in den Studiengang und in die Lehre, weil die Frage, die sich mir jetzt natürlich stellt, wenn wir den Gegenstand jetzt so einigermaßen verstanden und profiliert, wir den profiliert haben, das Gegenstandsfeld, in dem du arbeitest: Wie studiert man das oder wie unterrichtest du das? Du bist auch Fachstudienberaterin, hast du gerade gesagt, was ich sehr schön finde. Vielleicht kannst du das auch gleich ein bisschen einbringen, weil da bist du ja sehr nah dran auch an den Lernenden.

Laura Hesse

Ja, es ist ein spannendes Thema, wo ich nachher noch eine Rückfrage habe, aber ich beantworte erst mal. Ich habe für mich festgestellt, es hängt sehr vom Format ab. Also natürlich gibt es die Vorlesungen, wo es so Grundlagenwissen vor allem geht, auch natürlich Kompetenzen erlernen, aber auch viel Grundlagenwissen. Da gehe ich schon irgendwie, na ja, daran, dass ich sage: "Okay, ich bin Dienstleisterin. Ich habe mich verpflichtet, euch dieses Wissen auch oder euch das Wissen zu liefern."

Dann gibt es aber natürlich auch die Seminare oder die Bauhaus-Module, wo dann etwas offenere Formate sind, wo es so mehr diese Hilfe zur Selbsthilfe ist, wo ich sage: "Vielleicht geht es noch mehr um Kompetenzen, weil das Wissen habt ihr euch ja jetzt in dieser Vorlesung schon angeeignet." Da gibt es auch ein ganz spannendes Format, das nennt sich Service Learning. Das bedeutet eben im Endeffekt, man gibt Studierenden in ein, zwei Input-Sessions Wissen, Modelle, Theorien, was auch immer man denkt, da sinnvoll ist, mit, und dann lässt man sie auf reale Probleme los, meistens. Also ich kannte das vor allem auch aus Hamburg, würde das hier aber auch gerne etablieren mit Unternehmen, bei uns Non-Profit-Organisationen eben zusammen, und löst dann da die realen Probleme und reflektiert das immer wieder und versucht dann so eine Transformation im Endeffekt auch zu tun.

Simon Frisch

Das wäre so Stichwort Reallabore. Das ist gerade so ein Stichwort, und das benutzt du auch so als Reallabor, ist ein Format, in dem du arbeitest.

Laura Hesse

Genau. Bei mir heißt es vielleicht Service Learning, aber ja, im Endeffekt trifft es alles.

Simon Frisch

Oder Service Learning, so könnte man es genau, Service Learning und Reallabore. Okay, das wäre jetzt also der Ansatz. Du hast gerade gesagt, du willst das etablieren. Hast du damit schon experimentiert hier in Weimar?

Laura Hesse

Hier in Weimar noch weniger. Ich bin ja jetzt sozusagen in meinem dritten Semester, aber erst in dem zweiten Semester in der Funktion der Junior-Professorin und stehe auf jeden Fall auf dem Plan. Aber was wir schon gemacht haben, auch viel in Kooperation mit anderen Professuren sozusagen in Weimar zusammen, ist dieses wirklich Praxispartner zu suchen, mit denen man zusammenarbeitet. Also das steht im Fachbereich sehr weit oben.

Simon Frisch

Ja. Was hast du da für Erfahrungen gemacht?

Laura Hesse

Alles ist eine Frage des Erwartungsmanagements und der Definition. Nein, also sehr gut. Also das ist vielleicht schlecht, es klingt jetzt negativ.

Simon Frisch

Nein, war nicht gut oder schlecht, sondern beschreibend, also die Erfahrungen.

Laura Hesse

Also ich bin große Verfechterin davon, auch immer wieder. Aber man sieht ganz klar, wenn du unterschiedliche Praxispartner hast, dass die Gruppen an Studierenden sich auch leichter tun, wo die Praxispartner genau ihr Problem kennen und sagen können: "Was wollen wir denn von euch?"

Und dieses, sage ich mal so ganz offen: "Ihr könnt alles machen und optimieren, das fällt schwer." Und dann, ja, ist es auch schwieriger zu steuern. Und deswegen meinte ich so Erwartungsmanagement ist da ganz wichtig. Aber grundsätzlich profitieren, denke ich, immer alle davon.

Simon Frisch

Und du hast jetzt Formate in der Lehre aufgezählt: Wissen, Vorlesungen, Seminare, dann eben Reallabore. Hast du noch mehr Formate, in denen du arbeitest? Würdest du noch mehr identifizieren und differenzieren wollen können?

Laura Hesse

Ein Format, was ich sehr schön fand, auch hier muss ich noch mal auf die Universität in Hamburg zurück, weil es einfach meine längere Lehrperiode bisher war, da haben wir mit amerikanischen Studierenden zusammen ein Seminar gemacht, wo wir sozusagen erst uns immer online getroffen haben, und die sind dann wirklich auch zu uns nach Deutschland gekommen.

Wir sind dann zusammen nach Amsterdam, weil da eben auch noch eine Partner-Uni war, und dann haben wir so Community-Volunteering gemacht und sind mit den Studierenden zu Organisationen und haben da, also ich meine, das war auch sehr kurz, aber zwei Nachmittage, weiß ich nicht, bei uns war es, wir haben Bänke zusammengestrichen, die anderen sind in Asylantenheim gegangen, haben da ganz andere Erfahrungen gemacht, und das war auf jeden Fall was, was die Studierenden und auch mich selber nachhaltig geprägt hat.

Aber ob es jetzt so ein komplett anderes Format ist, ist die andere Frage.

Simon Frisch

Komplett anders als was?

Laura Hesse

Also als das, als jetzt so Reallabor im Endeffekt. Genau. Aber sonst.

Simon Frisch

Wie würdest du die Frage beantworten, ob es ein komplett anderes Format ist?

Laura Hesse

Wahrscheinlich nicht komplett anders, eine andere Fragestellung. Also da geht man ja nicht hin, jetzt in dem Fall, um zu sagen: "Wir lösen eure Probleme", weil das ist es gar nicht. Aber am Schluss ist es einfach: Wir erleben mal aus eurer Perspektive, wie so ein Tag für euch aussieht, und teilen, wie unsere Tage so aussehen, und dann gucken wir mal, wo Gemeinsamkeiten sind.

Simon Frisch

Hatte ich jetzt auch so verstanden, dass da so mehr so eine stärkere Gegenseitigkeit im gegenseitigen Lernen ist, möglicherweise sind die Reallabore. Kommt immer darauf an, wie stark die Realität jetzt sich dafür interessiert, was für Fragestellungen Studierende mitbringen und so weiter. So hätte ich es jetzt verstanden. Ja, nachvollziehbar.

Laura Hesse

Was hast du denn für Formen? Also weil ich vorher meinte, ich habe noch eine Frage, und was weiß ich. Also einmal klar auch diese, welche Formate du noch hast. Ich habe natürlich auch geguckt und auf deine Webseite, und du hast ja da sehr, sehr viel Erfahrung. Und auch, weil ich es vorher gesagt habe, so in den Vorlesungen, sagen wir so, fühle ich mich so als diejenige, die schon Wissen vermittelt.

In einem Seminar fühle ich mich in einer anderen Rolle. Würdest du da mitgehen? Würdest du widersprechen, dass man je nach Lehrformat?

Simon Frisch

Ich fand das spannend mit der Vorlesung. Tatsächlich ist mir dazu eingefallen, als du sagtest, da vermittle ich Wissen, weil das vor. Also ich mag Vorlesungen, auch Studierende mögen Vorlesungen. Das ist ein Format an sich, aber es ist nicht für jede Form des Unterrichtens die geeignete, wie alles. Also es gibt ja kein General, was weiß ich, kein Generalformat, kein Generalformat.

Aber bei der Vorlesung bin ich manchmal nicht ganz sicher, ob das Wissen sich wirklich vermittelt, nur weil ich es vorlese. Ich bringe es mal so einfach auf den Punkt. Also nicht immer sind meine Zuhörer gute Zeugen für das, was ich gesagt habe. Das heißt also, wie kann ich?

Und dann habe ich aber gesagt, habe ich aber erwähnt, ich kenne das ganz viel mit Kolleginnen und Kollegen, wenn die Leute im dritten Semester sagen: "Ich habe den oder den Namen noch nie gehört oder die und die Theorie noch nie", und dann sagen wir, ich nehme mich jetzt immer mit rein, sagen wir: "Aber das war in der ersten, im ersten Semester haben wir das aber gesagt, und zwar in der dritten Vorlesung, in der 37. Minute oder so was."

Das finde ich eigentlich eher hilflos. Also an der Stelle würde ich sagen, als Lehrperson ist das sicher nicht die Antwort, sondern vielmehr vielleicht setzt man sich hin und sagt: "Okay, da gibt es ein Verhältnis, und dieses Verhältnis, da gibt es einen bestimmten Befund, und zwar den, die sagen: 'Habe ich nie gehört'." Und dann stimmt es ja in gewisser Weise. Das heißt ja nicht, dass ich es nie gesagt habe. Und diesen Gap, wie geht man damit um? Und da sind Vorlesungen eben schwierig. Genau.

Laura Hesse

Ja, auch gesagt, wenn du da ein Geheimrezept hast. Wobei ich bei den Vorlesungen.

Simon Frisch

Genau.

Laura Hesse

Ich auch. Also ich finde auch, es muss einfach diese verschiedenen Formate geben. Wobei ich finde, so in den Vorlesungen, die sind ja oft auch Richtung Anfang des Studiums, um erst mal sozusagen: Was ist denn überhaupt Wissens? Also natürlich ist alles wissenswert, aber vielleicht in diesem Rahmen, das das Studium uns gerade bietet, wo sollten wir an diesem Pool an Informationen dann einfach mal hinsehen? Also so was wie: "Na ja, es gibt nun mal Personalmanagement und Logistik und XYZ." Darunter gehören kann man ja wieder einen ganzen Studiengang oder gibt es ja Studiengänge, die einzeln dafür sind. Dafür sehe ich diese Vorlesungen schon und natürlich auch mit Diskussion. Also ich möchte da nicht 90 Minuten nur bespielen. Aber da habe ich auch das Gefühl, die Erwartung, wieder Erwartungsmanagement der Studierenden ist schon: "Leiste jetzt mal was und erzähl mir was, gib mir auch Raum natürlich." Aber eher so mehr an die Hand nehmen. Und in Seminaren gibt man vielleicht eher so einen Methodenkoffer, und die Studierenden dürfen sich selber aussuchen.

Simon Frisch

So würde ich das beschreiben. Also tatsächlich habe ich im Nachhinein, was ich an der Vorlesung mag, ist eigentlich auch das Format selber und gar nicht so sehr das, was man möglicherweise als Zweck als erstes aufrufen würde, im Sinne von: "Ich sage was, damit ihr es nachher gehört habt." Gerade am Anfang sind Vorlesungen auch ein bisschen wie so ein Einüben in die akademische Disziplin. Also beim Vorlesen lernt man auch überhaupt hören, zuhören. Da muss man erst mal wahnsinnig viel, ja, wie soll man sagen, also performativ überhaupt erst herstellen. Und da ist eine Reihe von Methoden erst mal am Start, sodass ich dann sagen kann: "Okay, ich habe in der Vorlesung, natürlich muss ich irgendwie inhaltlich was formulieren da vorne, aber nicht unbedingt immer mit der Absicht, dass die das dann nachher auch wirklich alles wissen, sondern es ist auch, sie lernen, also die Studierenden, die Leute, die an die Universität kommen, lernen die akademische Praxis kennen. Und die besteht eben zum Teil darin, dass man 90 Minuten lang zuhört.

Das muss man ja erst mal können. Also man kann ja auch nicht sagen: "Wir fangen jetzt an mit 100 Liegestützen." Das ist halt im ersten Semester so, da muss man erst mal hinkommen. Das hat was mit Kräften zu tun, glaube ich. Und das ist dann viele dieser Formate sind meiner Erfahrung nach auch selber, wenn ich mich als Student erinnere, so Trainingseinheiten, also sich in diese Praxis, in diese Community da mit einzubringen. Und wir kriegen dann eine berufliche Deformation, wenn wir denken, die ganze Welt ist so und kann das so. Also wenn wir dann uns hinstellen und vorlesungsförmig zu allen möglichen Leuten sprechen, also zu auch bildungsfernen, akademisch fernen Kreisen und denken: "Ja Gott, stelle ich mich halt hin zu einer Öffnung von einer Ausstellung, kommen lauter Leute aus der Volkshochschule, die so im späten Bildungsabend noch oder Lebensabend noch Bildung und so weiter, und ich mache dann eine 90-minütige Vorlesung mit Verweisen und Theorie und allem drum und dran."

Da muss ich sagen: "Ja, das ist eine berufliche Deformation, wenn ich die Adressierung nicht mehr hinkriege." In der Uni hingegen im ersten Semester würde ich jetzt sagen zu der Frage, da finde ich es mitunter wirklich auch ganz gut, einfach mal so eine Vorlesung zu machen: "So ist das, so fühlt sich das an." Und das ist jetzt alles viel zu schwer und eine totale Überforderung. Aber dass so dieses: "Da kommt es irgendwann hin, da wollen wir irgendwann hin", dass ihr wirklich am Ende sagt: "Es war spannend, 14 spannende Sitzungen."

Laura Hesse

Ja. Und die bauen ja auch so schön aufeinander, also meistens sehr schön aufeinander auf, und jedes Mal versteht man vielleicht das von der letzten Stunde und nicht unbedingt das von dieser Stunde. Aber das finde ich auch eigentlich ein schöner Weg, der sich da abzeichnet, wenn man sich darauf einlässt.

Simon Frisch

Und dann im Seminar ist es natürlich gut, wenn man es verbindet, also verknüpft und irgendwie koppelt, dass man dann im Seminar was weitermacht, was in der Vorlesung dieses und jenes. Also da gibt es ja manchmal Aha-Erlebnisse. Jetzt noch weiter zu deiner Frage, was ich für Erfahrungen gemacht habe, dass man dann noch mal sagt: "Ach so, und ach so ist es gemeint, und so ist das."

Vielleicht noch weiter zu der Frage. Allerdings, ich muss sagen, jetzt ich habe das auch schon immer wieder mal, heute habe ich es nicht gesagt, glaube ich, seit 1999 bin ich in, also meine ersten Lehraufträge und so. Aber eigentlich habe ich mit, weiß ich nicht, mit Ausnahme von hier mal ein Jahr, da mal ein Jahr durchgehend immer universitäre Lehre gemacht.

Das ist jetzt halt so. Aber dadurch habe ich da irgendwie so eine Erfahrung, und die ist sehr unterschiedlich gewesen, in unterschiedlichen, auch prekären Verhältnissen und so und so, wo man dann immer guckt: "Wie viel bringe ich ein? Wie viel Freizeit, Lebenszeit bringe ich ein? Was wird davon bezahlt? Wie gehe ich damit um?" Habe ich auch unterschiedliche Modelle gemacht.

Und jetzt fange ich doch an, ich merke, ich bin nicht mehr so ganz nah an meiner Studienerfahrung dran. Und zweitens, die Studienerfahrung, die ich hatte, ist nicht dieselbe wie die jetzt, weil die Mediensituation auch eine andere ist, zum Beispiel.

Laura Hesse

Das merke ich. Also das habe ich heute auch schon mal gesagt, wo ich mir denke, solange, ich muss jetzt gerade überlegen, wann habe ich dann? Ich habe den Master abgeschlossen 2019, also es ist jetzt noch nicht, naja, ein bisschen ist schon her, aber nicht ewig. Aber selbst da denke ich mir: "Ach ja, verrückt, es ist."

Simon Frisch

Du merkst schon Unterschiede.

Laura Hesse

Ich merke schon Unterschiede. Tatsächlich.

Simon Frisch

Kannst du die beschreiben? Was fällt dir da auf? Wo sagst du: "Hoppla, aha"?

Laura Hesse

Ich muss nur aufpassen, dass ich es nicht negativ formuliere, aber ich habe das Gefühl, es gibt mehr Ansprüche und Anforderungen an Lehrpersonen, was nicht unbedingt schlecht ist. Wir haben uns damals, würde ich jetzt, also ich sage jetzt mal wir, weil ich mich tatsächlich mit einer Kommilitonin darüber ausgetauscht habe, wir haben uns manchmal gar nicht so getraut, Fragen zu stellen. Aber das ist eigentlich was, was ich schön finde, dass es jetzt mehr ist oder vielleicht weniger gewusst, was wir jetzt erwarten.

Und ich meine, klar, wir hatten es jetzt noch als Stichwort später mit Technologie. Aber ich meine, klar, dieses reine Wissen aneignen kann man sich immer und immer besser und immer und immer einfacher, natürlich auch ohne Lehrperson.

Simon Frisch

Interessant, ja.

Laura Hesse

Da wird die Rolle eben auch eine andere. Und ich glaube, bei uns war es jetzt auch eher so, ich dachte immer, ich wüsste, was cool ist, aber jetzt weiß ich auch schon nicht mehr, ob es noch wirklich cool ist, weil die Trends so schnell sind und Ähnliches. Aber jetzt sind wir abgekommen. Jetzt weiß ich, jetzt sind wir von deinem Weg abgekommen.

Simon Frisch

Das ist überhaupt nicht. Ich finde das sehr schön. Was ist eigentlich cool, und wann hört man auf zu meinen, man müsste noch die coolen Sachen alle haben? Das stimmt, das kenne ich nicht mehr, das Gefühl. Aber ich erinnere mich an den Zeitpunkt, wo ich dachte, ich höre jetzt auf damit.

Laura Hesse

Ja, aber ich muss es so sagen, ich hatte da nämlich Folien erstellt und habe dann so ein paar GIFs eingebaut und dachte mir, die müssen ja lustig sein. Und dann dachte ich mir so: "Nee, vielleicht könnten die doch nicht lustig sein." Und es war ein großes Erfolgserlebnis, als die Studierenden wirklich gelacht haben und ich mir dachte.

Simon Frisch

Ah, das ist ja schön. Ja, vielleicht sind wir da selber zu streng mit uns, projizieren zu viel. Viele Sachen sind dann cool. Manche Sachen sind auch cool, weil wir es machen. Also ich sage jetzt mal als Dozierende, manchmal ist es, das wäre, Kommilitonen wäre total bäh, aber wow, so lustig sind die. Das sind doch eigentlich so trockene Leute.

Weiß ich, ich weiß immer gar nicht, wie uns Studierende eigentlich wahrnehmen, jetzt, wenn man mal uns und die sagt. Aber manchmal merke ich auch, das stimmt sowieso nicht, diese Dichotomie. Technologien in der Lehre, genau, da hattest du es schon angesprochen, und du wolltest gerne darüber sprechen, haben wir im Vorgespräch gesagt.

Laura Hesse

Genau, in unserem Vorgespräch. Ja, wollte, was heißt darüber sprechen? Ich meine, es ist ja gerade generell so was, wo was auch so die Frage ist, wie gehen wir damit um? KI, das ist natürlich ein sehr abrupter, es ist ein sehr abrupter Wechsel. Aber auch zu sagen, vielleicht noch mal in die Rolle auch der Lernenden am Schluss, auch wenn es 2019 war, dass ich meinen Master abgeschlossen habe, aber auch mir wurde das nicht beigebracht, also wurde es nicht beigebracht. Und jetzt sind wir auf einmal vielleicht in der Verantwortung zu sagen, wie geht man denn damit um? Und wir haben diese Chance, da vielleicht Standards mitzusetzen und zu sagen, das ist richtig, das ist falsch, gibt es überhaupt ein Richtig und Falsch? Und das ist sehr schnell gekommen, sehr plötzlich. Und da sehe ich mich eher als Lernende als Lehrende tatsächlich. Also das kommuniziere ich auch so. Wir lernen hier zusammen, wie man was am besten nutzen kann.

Simon Frisch

Also das ist sehr, sehr spannend, auch jetzt der Ansatz, wie du da rangehst. Tatsächlich dieser ganze Bereich KI, überhaupt Medienumbrüche oder Dinge. Ein Kollege von mir, der hat mal, das war noch im Kontext Hildesheim, der war im Bereich populäre Kultur und hat den, ich weiß nicht, ob er es geprägt hat, aber der hat partizipative Medienforschung betrieben. Und ich hatte den hier als Gast, da hatte ich hier schon angefangen, dann war der hier als Gast, hat einen Vortrag gemacht. Ich weiß jetzt nicht, ob das Buch rausgekommen ist, das ist jetzt auch schon ziemlich lange her, 2015, 2016, so was um den Dreh, glaube ich, war der ja hier, Matthias Mertens. Und der hat damals sehr viel zu Luftgitarre gemacht und solchen Dingen, also so populäre Medienformen und Formate, die nicht wirklich in dem kommerziellen Bereich irgendwie ankommen, Lipsync und solche Dinge, so ein Dubbing, diese ganzen populären, diese Communities, die alle irgend so ein Zeug machen, Memes und so, das geht ja dann da weiter.

Und der hat gesagt, partizipative Medienforschung, da war der Ansatz der, dass man gar nicht im Zimmer sitzt und drüber schreibt, sondern dass man es macht und dann beschreibt, was man dabei erfährt. Und dass man die Sachen so lange, also insbesondere eben auch, dass man überhaupt eine Wahrnehmung dafür entwickelt, indem man in die Praxis geht oder ins Teilnehmende beobachten irgendwie in einer Weise. Man ist da vielleicht auch fast ethnologisch, ethnografisch mit solchen Methoden unterwegs. Und dass man sagt: "Komm, wir machen mal und schauen dann und beschreiben, was wir machen." Also wir sind sozusagen, wir verbalisieren das dann, und das wäre dann das Akademische daran. Also man ist jetzt nicht in der Community in dem Sinn.

Ich glaube, so sind diese ganzen Subkulturen und so weiter, auch Hip-Hop und was es so alles gab, so sind die überhaupt in die Akademia gekommen. Beim Film ja auch ganz ähnlich. Ganz lange sind die Leute gar nicht ins Kino gegangen, wenn sie Universitätsprofessorinnen oder Professoren waren. Also ich rede jetzt so von den 20er Jahren und so. Und bestimmte Filme hat man sich nicht angeguckt, weil man, und ich glaube, das war die entscheidende Vokabel, weil man damit nichts anfangen konnte. Ich finde das ganz interessant, über dieses Wort nachzudenken. Ich kann noch nicht mal anfangen, was damit. Und wie kommt man dann also dazu, dass man mit etwas, was da irgendwie vor sich geht, was da irgendwie ist, dass man etwas anfangen kann damit? Also zum Beispiel eben Forschung, einen Text schreiben, ein Gespräch, egal was, etwas damit anfangen.

Und ich glaube, KI, da sind wir in so einem, KI ist ja auch so eine, das sind ja diese beiden Buchstaben. Weil mehr können, also mehr haben wir irgendwie noch nicht. Man kann natürlich, also so ist es nicht, dass wir da vor einer großen Lehre, also ich glaube, alles zu voll. Also es ist eher so, dass wir nichts sehen, weil alles zu voll ist. Oder das, was wir nicht sehen, sehen wir nicht, weil einfach zu viel auf einmal da kommt und wir das gar nicht differenzieren und auseinandernehmen können. Aber wie können wir und was können wir damit anfangen? Und ich finde es interessant, dass man damit was anfängt, dass man sagt: "Kommen wir jetzt hier gemeinsam und dann erzählen wir uns das."

Laura Hesse

Ja, nimmt vielleicht auch diese Dualität, die du vorher angesprochen hast. Jetzt sind wir halt alle das Wir, weil wir alle lernen und im besten Fall natürlich als Lehrpersonen und in der Rolle zu sagen: "Na ja, ich gehe schon mal in Vorarbeit und informiere mich."

Aber wie du meinst, es gibt so viele Informationen, so viele Ansätze. Ich meine, am Schluss denken wir ja immer noch viel in Chatbots, also künstliche Intelligenz. Wir schreiben, aber es gibt ja ganz viele Formen.

Simon Frisch

Genau, die ich gerade frage.

Laura Hesse

Und wie man das nutzt oder auch davon wegkommt. Also ich weiß gar nicht, mein Problem wäre gar nicht irgendwie: "Oh, die schummeln." Also ich meine, das ist ja auch viel, sondern es geht eher so darum: "Wie stelle ich denn sicher, dass das richtig gelernt wird?" Und ich habe da eine ganz spannende, ich weiß nicht, ob man es Metapher nennt oder so ein Beispiel, aber einen Forschender, der sich eben mit dem Thema befasst hat, gesagt: "Na ja, im Endeffekt erlebt er viel, dass Studierende sagen: 'Ah ja, ich kann das alles, ich habe ja KI, wir können das sozusagen zusammen.'" Aber dass generell Menschen sehr schlecht darin sind, ihre eigenen Fähigkeiten wirklich zu bewerten. Und dass es so etwas ist wie mit Stützrädern Fahrrad zu fahren, weil sobald, er hat das natürlich jetzt auf ein Kind projiziert, aber wenn ich mit Stützrädern Fahrrad fahre, dann denke ich nach 30 Sekunden: "Ich kann es, ich bin eigentlich super, weil am Schluss lerne ich ja eigentlich nur treten in dem Fall." Und treten kann man irgendwie so in guten 30 Sekunden lernen.

Aber wenn dann auf einmal diese Stützräder weggenommen sind, fällt man wahrscheinlich erstmal, weil es ja gar nicht um dieses von A nach B kommen oder dieses Treten ist, sondern es eigentlich Balance halten ist. Und ich glaube, da auch diese Wichtigkeit der Lehrperson ist eben zu sagen: "Welche Skills müssen wir denn jetzt lernen?" Also es ist eben nicht dieses nur Treten, sondern Balance halten. Und das ist vielleicht jetzt übersetzt bei uns nicht nur: "Jetzt kann man da zehn Seiten Text schreiben." Schön, okay, das geht jetzt viel schneller als früher, aber es geht doch eigentlich um dieses Critical Thinking, ums Reflektieren. Es geht um die Teamarbeit, es geht ums Kommunizieren und dass man das sozusagen beibehält, aber natürlich sich auch eingesteht, dass also Wissen kann natürlich auch so jetzt vermittelt werden. Also man muss, aber es ist ja auch schon länger, also auch mit YouTube.

Ich habe letztens auch eine Studie gelesen: 93 Prozent derjenigen, die YouTube nutzen, nutzen es auch mal, um Wissen zu erwerben. Also ich wollte gerade sagen, es ist ja generell nicht mehr so eng der Zugang zu Bildung.

Simon Frisch

Das finde ich einen spannenden Punkt gerade, dass die Medien gar nicht, also dass das, was wir primär als Medien verstehen, also vieles ist ja ein Medium, also eigentlich alles, was wir benutzen, um Relationen zu realisieren, sind irgendwie, können sind natürlich am Ende dann Medienhammer. Wenn ich einen Stein ans Fenster werfe, wird es zum Medium und so. Aber die Medien, die wir in erster Linie Kommunikations- oder Unterhaltungsmedien finden, gar nicht in erster Linie und gar nicht so sehr, wie man es assoziiert als Unterhaltungsmedien.

Ich schaue mir nicht einfach nur Berieselungsfilme an, ich nutze YouTube, ich nutze Radiosendungen und so weiter, Podcasts. Also meine Kinder weiß ich, die hören mehr, als dass sie lesen. Also das Verbale findet statt, aber doch mehr oral oder auditiv. Die Podcasts spielen eine riesige Rolle. Vieles wird formuliert im Podcast, in Radiogesprächen, also mündlich sozusagen, wie ganz antik, also fast archaisch. Also statt literaler Kulturen kommen wir bei oralen Kulturen wieder an.

Jetzt betrifft ja KI nicht nur den Verbalisierungsbereich, aber ich höre ein bisschen raus, also vielleicht auch die Dienstleistungsmanagerin, die da spricht. Texte sind dann gar keine Produkte unbedingt. Das kann jetzt die KI. Also wenn wir einen Text brauchen, der so oder so ist, können wir den produzieren, sondern vielmehr die Dienstleistung miteinander reden. Das finde ich interessant, also das Gemeinschaftsstiftende. Das kann möglicherweise nicht in erster Linie diese Verbalisierungsmaschine machen.

Laura Hesse

Genau. Also ja, also ich würde sagen, aber eigentlich kommunizieren gerade wieder eher das Argument pro, also Human-to-Human-Interaction, also sozusagen, genau, ja genau.

Simon Frisch

Das meine ich doch.

Laura Hesse

Dass man sagt, das kann halt sehr einsam werden, sich immer nur mit einer künstlichen Intelligenz zu unterhalten. Und auch hier vielleicht wieder so die: "Was ist denn der Auftrag der Uni?" Natürlich ist es vielleicht aber auch in erster Linie, wir bringen Personen zusammen, um dann eben gemeinsam voneinander, übereinander zu lernen. Und der Aspekt darf nicht unterschätzt werden.

Aber ich will mich jetzt auch gar nicht zu weit da in dieses Feld trauen, weil mein Wissen über KI, also ich forsche schon auch dazu mit, also auch als Forschungsmethode, Statistik viel, aber.

Simon Frisch

Also es gibt so eine Metapher oder ein Bild, was mir irgendwann jetzt, weil wir, um auch mal von dem Verbalisierenden wegzukommen, ob man nicht bei der KI so ein bisschen da ist, wo die Malerei im 19. Jahrhundert war. Also war jetzt einfach so eine Idee. Man konnte Farben in Tuben kaufen, und das war eigentlich völlig wurscht, ob dass man weiß, wie diese Farbe und aus was die besteht und so weiter. Man kann sie einfach nehmen und verwenden und damit Bilder machen.

Und so ein bisschen so ähnlich scheint es da auch. Also wir kriegen sozusagen Dinge, also wie so Maschinen, Maschinenteile, Bausätze und können einfach mit denen hantieren. Das ist ganz interessant, dass wir plötzlich in einer Ebene mit Jan Wilmann, habe ich da, glaube ich, auch viel drüber gesprochen, und mit Micha Braun, dass wir da auf einmal auf einer Ebene von Handwerk wieder ankommen im Bereich, wo sehr komplexe digitale Prozesse eigentlich im Hintergrund laufen, wir selber aber eigentlich handwerklich damit hantieren.

Und das könnte sein, dass das eben, dass das eben eine Kompetenz ist, an der wir dann wieder dran sind, dass wir dann wissen müssen, was, wo es hingehen soll, was wir damit machen können. So wie halt ein Maler, eine Malerin, die Farbe und den Pinsel und so weiter mit ins. Aber was mit den Pigmenten im Einzelnen los ist, ist mir dann völlig wurscht, aber und muss ich auch nicht wissen, um wirklich dann also ein vollwertiges Bild damit zu realisieren. Aber das muss ich wollen, und dieses Wollen muss ich können.

Laura Hesse

Wow. Wow, das nehme ich mit. Nein, aber also beim Zuhören hat es sehr viel Sinn ergeben, aber ich muss auf jeden Fall noch mal drüber nachdenken.

Simon Frisch

Können wir noch mal nachhören, wenn es dann die Aufnahme kommt. Okay, sehr schön. Du bist viel in der Fachstudienberatung. Ich will das nicht vergessen, du machst jetzt ein bisschen so einen Break. Was hörst du da? Das finde ich natürlich sehr schön. Du bist ja sehr nah an den Studierenden wahrscheinlich dran.

Laura Hesse

Ja, genau. Ich muss natürlich auch vorsichtig formulieren, aber es hat natürlich verschiedene Ebenen. Also einmal, klar gibt es die, und die kommen erstmal, so diese Fragen zu: "Ach, wie wähle ich welche Module? Wie funktionieren die Tools?" Also keine Ahnung, jetzt Bison.

Wir haben ja auch Studierende, die von der HfM bei uns sozusagen ein Profil studieren können, die dann wiederum Fragen haben. Also es gibt so diese, sage ich mal, diese organisatorisch-technischen Fragen, die kommen.

Es ist auch sehr schön, wenn man viel Kontakt hat, bevor sich Studierende bewerben, also potenzielle Interessierte, mit denen man spricht und über den, ja, auch Werbung im Endeffekt für den eigenen Masterstudiengang macht, aber natürlich auch sehr ehrlich sein möchte, weil am Schluss, also sie sollen ja das Passende, sollen das Passende finden.

Simon Frisch

Genau, sehr gut.

Laura Hesse

Bis hin zu, ich glaube, es kommt jetzt auch immer mehr, je länger man da ist, aber natürlich, dass man auch mal etwas persönlichere Themen gesagt bekommt und da dann auch ganz spannend wiederum vielleicht auch die Angebote, die es hier gibt, also als: "Wie kann ich mich als Fachstudienberatung weiterbilden, dass ich da für sämtliche Fälle gewappnet bin?" Weil ich natürlich keine ausgebildete Psychologin oder Ähnliches bin.

Also das hatte ich jetzt hier noch nicht so den Fall, aber auch an der Universität in Hamburg schon mal. Da war ich jetzt nicht Fachstudiensprecherin, aber da kamen teilweise schon wirklich sehr, sehr persönliche Probleme, wo ich das Gefühl hatte, ich muss in der Situation wirklich auch richtig damit umgehen. Und dann ist mir die Frage: "Was ist richtig und wer bringt mir bei, was richtig ist?"

Aber um das jetzt vielleicht wieder schneller auf den Punkt zu bringen: Also viele Themen, sowohl organisatorisch, aber auch immer mehr, würde ich sagen, je länger ich da bin, auch mehr so privatere Themen, weil man eben mehr Vertrauen schafft.

Simon Frisch

Ah, das finde ich aber sehr schön. Also ein Zuhören irgendwie ist da auch ein großer Faktor. Es ist nicht einfach nur technische Informationen, sondern Studierende finden ein Ohr in den Fachstudienberatungen. Finde ich einen schönen Aspekt, auch das zu wissen und dieses Wissen zu heben und zu formulieren. Also das haben wir vorhin, was können wir da eigentlich? Hatten wir vorhin als Frage und das ist, glaube ich, auch was, was eben auch mit diesen Gesprächen hier, mit diesem Lehren und Lernen, also was wir eigentlich können. Wir lehren da, es klappt, es klappt nicht, wir verzweifeln oder nicht, wir reden drüber.

Wir haben verschiedene Technologien, Formate und dies und jenes. Ich mache schon die Erfahrung, jetzt so nach rund, es sind, glaube ich, jetzt schon über 40 Gespräche, dass wir hier anfangen, eine Sprache zu finden für die verschiedenen Teilbereiche von Lehren und Lernen, die, und das finde ich interessant in diesen Gesprächen, weil sie so wirklich aus dem, aus dem, aus dem, was wir an Lehrerfahrung tatsächlich haben, die so ein bisschen so eine Eigenheit ist, so ein eigener Jargon fast, so eine eigene Beschreibungsweise, weil es auch immer was Beschreibendes hat und so weiter, die sich manchmal ein bisschen unterscheidet von so einer analytischen Didaktikforschung oder sowas in dieser Art und Weise wird. Und ich glaube, man braucht das Anekdotische, bin ich fest davon überzeugt, das Anekdotische und das Singuläre, das ist immer, wir sind alle, ich meine, solange wie ich jetzt lehre, es sind immer singuläre Situationen. Ich kann eigentlich nicht aus meiner Erfahrung einfach Programme abspulen. Ich bin immer wieder hier und jetzt und muss das Hier und Jetzt irgendwie meistern, scheitere immer wieder manchmal an denselben Situationen, weil sie nicht dieselben sind, also im Sinn von, das ist dann immer was anderes.

Laura Hesse

Ich habe mal gelernt, und das finde ich ganz schön, oder was heißt gelernt, gehört: Scheitern ist komplett, also es ist ja auch was Gutes, man lernt daraus, aber im besten Fall ist es spiralenförmig. Man darf immer wieder an das gleiche Problem kommen, aber im besten Fall ist man sozusagen eine Stufe weiter oben, um es zu lösen, und das finde ich eigentlich ganz schön.

Und das würde ich jetzt bei mir sagen, ich meine, jetzt sind es seit 2020, lehre ich. Übrigens, da ganz lustig, habe ich in meinem WG-Zimmer angefangen, weil Corona, hatte eine relativ große Vorlesung, die ich mittelehren durfte. Also es sind in Präsenz so um die 200 Studierende, online waren sehr viele schwarze Kacheln, draußen im Flur wurde gestaubsaugt von meiner Mitbewohnerin. Also wir waren vier, die andere hat was anderes gemacht, und ich saß da in meiner allerersten Lehre, die ich jemals gemacht habe, in meinem WG-Zimmer, habe den Tisch gedreht, damit man nicht mein Bett, also Bild.

Simon Frisch

Ah ja, du hattest auch Bewusstsein für den Hintergrund, hatte ich nämlich auch, haben nicht immer alle.

Laura Hesse

Ja, da wusste ich auch noch irgendwie, weiß ich nicht, dieses Hintergrundbild da einstellen, war noch nicht so, weiß ich gar nicht, aber wollte gerade sagen, aber es ist nur so spannend von, jetzt weiß ich auch nicht mehr, wo ich damit hinwollte, aber sagen.

Simon Frisch

Deine erste Lehre allein vor Kacheln, also du hast Kacheln unterrichtet in deinem WG-Zimmer, das war so die Situation.

Laura Hesse

Ja, das war sozusagen die erste Situation.

Simon Frisch

Scheitern, genau.

Laura Hesse

Ja, genau, scheitern und hatte schon das Gefühl so von wegen: "Oh je, ob Lehre so meins ist?" Hin zum nächsten Semester in Präsenz die gleiche Vorlesung. Es hat so viel Spaß gemacht da und.

Simon Frisch

Und das war in Präsenz?

Laura Hesse

Das war dann in Präsenz, und auch da scheitert man natürlich immer irgendwie mal, vor allem, wenn man sehr viele schlaue Leute ja auch in einem Raum hat, die sehr viele schlaue Fragen haben. Aber ich glaube, sich da eben vielleicht, und das war der Punkt, den ich machen wollte, einfach sich eingestehen, dass man eben nicht alles weiß und dass jeder mal scheitern darf.

Simon Frisch

Ich finde das schön mit dem Scheitern und dem Eingestehen, gerade die Relation. Also ich mag scheitern, und jetzt kann ich es auch formulieren, weil Scheitern hat immer auch was Ermutigendes, und zwar genau das, das Eingeständnis. Man kann sich was eingestehen, wenn man scheitert, und vorm Scheitern hat man furchtbare Angst, sich das einzugestehen, und auf einmal gesteht man sich es ein, und irgendwie ist das ermutigend. Sagt man: "Okay, dann bin ich das jetzt halt so." Und dann macht man als der weiter oder der oder die man ist, und das hat was Ermutigendes, und ich glaube, das liegt im Scheitern.

Laura Hesse

Total. Und auch da, also meine Mutter hat mich jetzt, jetzt wird es hier noch persönlich, meine Mutter hat mich in der fünften Klasse in Lernen lernen gesteckt, wo man eben lernen sollte, wie man am besten in der Schule lernt.

Da hat es vielleicht so mittelgut geklappt, aber jetzt im Nachhinein, wo ich auch festgestellt habe, also entweder muss ich es mir wirklich schriftlich, handschriftlich aufschreiben oder vor allem aus Fehlern.

Also ich kann wirklich aus Fehlern am besten lernen, und sie tun mal weh, aber weiß ich nicht, wenn immer alles gut läuft, dann finde ich es. Da merke ich gar nicht.

Ja, dann verändert sich irgendwie auch nichts.

Simon Frisch

Interessant.

Laura Hesse

Oder es ist manchmal auch ja nur Zufall, dass was nicht schiefgeht.

Simon Frisch

Ja, genau. Und dann weiß ich aber gar nicht, woran es lag und was ich das nächste Mal reproduzieren muss, und dann denke ich, die weißen Turnschuhe waren es, aber die waren es gar nicht oder nicht das Weiß oder so. Ja, genau, dann weiß man es nicht.

Das ist schön. So, wir haben jetzt noch wenige Minuten. Wenn ich das richtig sehe, haben wir vor einer knappen Dreiviertelstunde angefangen. Wir haben noch fünf Minuten. Gibt es noch irgendein Thema, für das wir Zeit brauchen, was wir jetzt noch ansprechen wollen? Sonst, mir fallen schon noch welche ein, was du noch hast.

Laura Hesse

Also ich hätte schon noch eine Frage.

Simon Frisch

Bitte, sehr gerne.

Laura Hesse

Und zwar, also wenn ich deinen Lebenslauf richtig gelesen habe, dann hattest du ja auch sehr viele internationale Stationen oder, also dass du zumindest.

Simon Frisch

So Gast.

Laura Hesse

Ja, genau, Gast. Aber ja trotzdem, du bist ja mit sehr vielen verschiedenen Studierenden irgendwie in Kontakt gekommen, und nur ob du da irgendwie unterschiedliche, wahrscheinlich hast du bestimmt unterschiedliche Erfahrungen gemacht, aber auch so für dich, also wie ist es für dich, auf Englisch zu lernen versus auf Deutsch? Fühlst du dich da?

Simon Frisch

Das ist interessant, ja. Also ich habe auf Spanisch auch mal unterrichtet, da war allerdings eine Übersetzerin dann zur Not immer noch mit dabei, aber das war eigentlich ganz, das war eine interessante Erfahrung, weil ich immer dachte, ich würde, und die haben mich dann aber immer nicht verstanden. Dann war es halt trotzdem ein bisschen schwierig. Und auf Englisch, ich kann in Deutschland nicht sehr gut auf Englisch unterrichten, und im Ausland geht das sehr, sehr schnell und sehr, sehr leicht. Das ist eine Erfahrung, das geht dann irgendwie einfach. Aber wenn ich jetzt, wenn du jetzt mir sagen würdest, ich soll jetzt hier auf Englisch das alles machen, ich kann in Deutschland nicht gut ins Englische switchen, das ist ganz merkwürdig. Von, wenn du jetzt in, ich habe eine Erfahrung gemacht in Taiwan, da war, also jetzt nur vom, weil es wirklich ein ferner Kulturkreis ist, und ich hatte da eine, also kulturell hatte ich da eine kulturell-ästhetisch eine interessante Erfahrung. Da habe ich über Film gesprochen und über Auftritt und Bühne und Bühnenpräsenz und solche Sachen, wie das im Film so verläuft, und damit habe ich in Deutschland im europäischen Raum immer riesige Schwierigkeiten gehabt, weil die Leute das irgendwie nie verstanden haben, was ich da eigentlich meine und warum. Und das ist doch die Figur, und der hat doch Motive und so weiter. Also es war einmal so narrativ gebunden, und in Taiwan habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Leute auf einer, also mit in der größten Selbstverständlichkeit das sofort genommen haben und weitergeführt haben in Ebenen und Niveaus, wo ich ganz schnell selber nicht mehr hinterherkam, wo ich dann immer dachte, so narrativ bin ich nur unterwegs. Also die haben ästhetisch ganz anders von vornherein wahrgenommen, was da vor sich geht. Das war eine sehr interessante Erfahrung, also wenn du jetzt so nach kulturellen Unterschieden fragst.

Laura Hesse

Ja, spannend. Wie gesagt, bei mir ist ja hauptsächlich dieses eine Seminar eben mit amerikanischen Studierenden, aber das war.

Simon Frisch

Ja, das ist aber sehr, das ist aber sehr spannend. Also ich mag diese interkulturellen Zusammenhänge, aber Interkulturalität habe ich eigentlich auch schon zwischen den Fakultäten hier in Weimar. Ich weiß nicht, ob du schon mit Künstlerinnen, Künstlern, Gestalterinnen und/oder Urbanisten oder aber eben auch Bauingenieuren oder sowas Kontakt hattest. Da ist man dann doch vielfältig unterwegs.

Laura Hesse

Schön. Das ist auch gerade dieser große Vorteil, den ich jetzt sehe, einfach, dass man Einblicke in Felder bekommt, die man sonst nicht kriegt und dann immer mehr Gemeinsamkeiten wirklich auch feststellt. Und was sagen wir jetzt noch zu Handwerk und Magie?

Simon Frisch

Ja, bitte, da bin ich sehr gespannt.

Laura Hesse

Okay, das ging jetzt schnell wieder zurück. Nein, aber ich dachte, wir müssen ja doch in dem letzten Satz zumindest nochmal darüber sprechen. Und ich würde sagen, ich habe, wie gesagt, ich habe ganz lange auch drüber nachgedacht, was jetzt eigentlich Magie für mich bedeutet. Ich habe schon immer viel an Magierinnen und Zauberinnen zum Beispiel gedacht, und dann dachte ich mir, na ja, aber am Schluss beherrschen die ja einfach ihr Handwerk, und die Magie entsteht dadurch, dass vielleicht die Zuschauer, Zuschauerinnen nicht den ganzen Prozess verstehen und es dann ebenso wie Magie erscheint. Aber am Schluss ist es ja vielleicht das etwas unglamourösere Handwerk, was wirklich gut gelaufen ist, und deswegen würde ich sagen, ich sehe mich viel als Handwerkerin und vielleicht gar nicht Magie, sondern was ich mir wünsche, ist eigentlich Begeisterungsfähigkeit auszulösen, dass sich jemand wirklich für das Thema begeistert. Und kleine Information dazu noch, aber ich liebe es, Statistik zu unterrichten und Forschung, was ja viele eigentlich gar nicht so.

Simon Frisch

Ja, sowas mag ich, ja.

Laura Hesse

Und da ist dann schon mal, also Magie oder zumindest finde ich es schön, Begeisterungsfähigkeit darin auszulösen, weil bei mir das selbst so war. Ich war sehr schlecht in Mathe in der Schule und dann ab dem Studium. Ich hatte einfach einen guten, in dem Fall guten Professor. Es hat alles so viel Sinn ergeben, und das war meine komplette Leidenschaft auf einmal, und das würde ich eigentlich auch gerne.

Also es muss gar nicht Statistik sein, aber irgendwie, wenn man ein, zwei, drei, vier Studierende wirklich nachhaltig, also positiv beeinflussen kann oder Begeisterungsfähigkeit auslösen kann, das wäre eigentlich schon dann, dann wäre es für mich schon gute Lehre, und dann wäre ich schon ganz glücklich.

Simon Frisch

Das finde ich sehr gut nachvollziehbar.

Laura Hesse

Nicht mal pro Semester, einfach vielleicht generell, aber wirklich wirksam zu sein. Ja, aber bei mir auch so. Ich bin hier wegen eines Professors, weil ich ja an der FH war, der gesagt hat: "Das ist kein Problem, auch du kannst Wissenschaft akademisch, du kannst auch Professorin werden. Ich traue dir das zu." Das war im Bachelor, und irgendwie ab dann war es auf einmal, erschien es möglich.

Simon Frisch

Liebe Laura, das ist so ein schönes Schlusswort. Ich danke dir sehr für das schöne Gespräch.

Laura Hesse

Ich dir auch, dankeschön.

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